UDE: Mathematik weiter im Aufwind

29.10.2009 - (idw) Universität Duisburg-Essen

Drei neu berufene Mathematiker stellen sich am 29.10. erstmals der interessierten Öffentlichkeit an der Universität Duisburg-Essen (UDE) vor: Der amerikanische Spitzenforscher und Alexander von Humboldt-Professor des Jahres 2009, Prof. Dr. Marc Levine, hält ebenso seine Antrittsvorlesung wie Dr. Moritz Kerz als Leiter einer Emmy Noether Nachwuchsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Prof. Dr. Ulrich Görtz, der am Institut für Experimentelle Mathematik der UDE die Professur für Zahlentheorie übernommen hat. Dekan Prof. Gebhard Böckle: "Dieses außergewöhnliche Ereignis beleuchtet eindrucksvoll die Leistungsstärke unserer Fakultät. Ich freue mich sehr, dass wir diese renommierten Forscher gewinnen konnten. Sie tragen mit dazu bei, dass unser renommierter Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Algebraischen Geometrie und Zahlentheorie international noch weiter ausgebaut werden kann."

Nach Essen weil das Arbeitsklima stimmt

Zusammen mit den neuen Hochschullehrern und ihren teils noch zu rekrutierenden Mitarbeitern befassen sich so mittlerweile mehr als 50 Wissenschaftler in acht Arbeitsgruppen mit diesem in der Mathematik zentralen, aber auch grenzüberschreitenden Bereich. "Gerade das ist das Faszinierende an unserer Zusammenarbeit am Essener Campus", so Marc Levine, "dass wir hier an ähnlichen Fragestellungen arbeiten, in zahlreichen persönlichen Gespräch offen miteinander kommunizieren und auch kooperieren. So können bahnbrechende Ergebnisse entstehen."

Das bestätigen auch die anderen neuen Kollegen, dass dies einer der wesentlichen Gründe für ihre Entscheidung war, sich an die Universität Duisburg-Essen zu binden. Prof. Dr. Görtz kann den direkten Vergleich mit der Universität Bonn ziehen, die er zugunsten der UDE verlassen hat: "Sicher hat die mathematische Fakultät dort zu Recht einen hervorragenden Ruf und ist insgesamt viel breiter und größer aufgestellt. Das neue Essener Seminar für Algebraische Geometrie und Arithmetik braucht aber in seiner Forschungskompetenz den bundesweiten Vergleich genau so wenig zu scheuen."

Dr. Kerz ergänzt diese Einschätzung: "Neben Hélène Esnault und Eckart Vieweg in der algebraisch-arithmetischen Geometrie gibt es am Essener Campus weitere sehr interessante Arbeitsgruppen in der algebraischen Zahlentheorie, und ich freue mich darauf, hier noch vieles hinzuzulernen. Und als ich den DFG-Antrag für eine Emmy Noether Nachwuchsgruppe geschrieben habe, war außerdem bereits klar, dass Marc Levine nach Essen kommen würde, dessen Arbeiten sehr wichtig für meine Promotion waren."

Das Universum in der Welt der Zahlen und der Zeichen

Was ist das Faszinierende an der Mathematik, eine der ältesten kulturellen Errungenschaften der Menschheit, ohne die aber auch die jüngsten Technologieschübe nicht möglich gewesen wären? Prof. Görtz: "Unter dem Dach der Mathematik verbirgt sich ein eigenes Universum - ein riesiges Feld, vielfach unterteilt, mit zahlreichen versteckten Ähnlichkeiten. Dies zu entdecken und sich auf eigentlich unmögliche Wege einzulassen, ist nicht nur ungeheuer spannend, sondern bringt die Wissenschaft voran. Was sich davon irgendwann auch für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt auszahlen wird, ist nicht immer vorherzusehen, aber auch die rasante Entwicklung des Internets wäre ohne vertiefte Mathematik nicht möglich gewesen."

Prof. Dr. Marc Levine (56) kommt von der Northeastern University, Boston, USA, als Alexander von Humboldt-Professor des Jahres 2009 an die UDE. Der mit fünf Mio. Euro dotierte internationale Preis für Forschung in Deutschland wird aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums finanziert. Marc Levine ist einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Algebraischen Geometrie. Seine innovativen Beiträge in seinem Fach, zuletzt seine Theorie über algebraischen Kobordismus, wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. Eine "Hose", wie sie etwa auch auf der Einladungskarte zu den Antrittsvorlesungen zu sehen ist, ist zum Beispiel ein Kobordismus zwischen einem einzelnen Kreis und einem Paar von Kreisen:

Marc Levine wurde 1952 in den USA geboren, nach seinem Studium und der Promotion war er von 1979 bis 1984 Assistant Professor in Philadelphia und bis 1988 in Boston. Dort ist er seither als Full Professor tätig, nahm zahlreiche Gastprofessuren vor allem in den USA sowie in Deutschland wahr. 2002 war Marc Levine als Wolfgang Paul-Preisträger sowie 2006 als Humboldt-Forschungspreisträger an der UDE in der Arbeitsgruppe der Professoren Hélène Esnault und Eckart Viehweg.

Prof. Dr. Ulrich Görtz (36), studierte zunächst an der Universität Münster und promovierte an der Universität zu Köln. Als Post-Doc war er am Institute for Advanced Study in Princeton (USA) und habilitierte sich 2006 an der Universität Bonn. Dort war er seit 2008 Heisenberg-Stipendiat der DFG und erhielt den Von-Kaven-Ehrenpreis der DFG. Schon in Bonn war er im Transregio-Sonderforschungsbereich eingebunden, an dem auch die UDE beteiligt ist. Forschungsschwerpunkt ist die arithmetische Geometrie, einer Verbindung von algebraischer Geometrie und Zahlentheorie, die es ermöglicht, geometrische Intuition zur Lösung von zahlentheoretischen Problemen anzuwenden. "Schon in der Antike studierte man die Grundproblematik; es gibt aber nach wie vor viele offene Fragen."

Dr. Moritz Kerz (26), der heute (29.10.) in Abwesenheit für seine herausragende Promotion mit dem Kulturpreis Bayern 2009 ausgezeichnet wird, studierte zunächst an der Uni in Frankfurt/M., dann in Mainz mit dem Abschluss Diplom-Mathematiker. 2005/06 wurde er als Gastwissenschaftler in die University of Cambridge eingeladen. Von 2006 bis 2009 arbeitete Kerz an der Uni Regenburg und legte dort auch die Promotion mit Bestnote ab. Ab November 2009 leitet er eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der UDE. Dr. Kerz: "Nach der Promotion hat sich mein mathematisches Interesse immer mehr in Richtung arithmetischer Geometrie verschoben. So habe ich insbesondere über höherdimensionale Klassenkörpertheorie gearbeitet. Dabei geht es darum, eine klassische Methode der algebraischen Zahlentheorie mit der Geometrie zu verbinden, d.h. höherdimensionale Verallgemeinerungen zu finden."

Ausblick: Tagung 2010

Das nächste gemeinsame öffentliche Ereignis wird derzeit schon vorbereitet: Im Februar kommenden Jahres organisieren die Arbeitsgruppen der Algebraischen und Arithmetischen Geometrie am Campus Essen zusammen mit Prof. Dr. Gerd Faltings aus Bonn eine große internationale Konferenz.

Redaktion: Beate H. Kostka, T. 0203/379-2430