Der Energieausweis ist da - wie geht es weiter?

03.12.2009 - (idw) HIS Hochschul-Informations-System GmbH

Der Energieausweis hat auch die Hochschulen in Deutschland beschäftigt - bis zum 1. Juli 2009 mussten die Ausweise für die gemäß Energieeinsparverordnung betroffenen Gebäude erstellt und ausgehängt werden. Was hat das eigentlich den Hochschulen gebracht? Und was folgt daraus? Diese Fragen diskutierten kürzlich Vertreterinnen und Vertreter niedersächsischer Hochschulen bei einem gemeinsamen Workshop der Hochschulübergreifenden Weiterbildung Niedersachsen und der HIS Hochschul-Informations-System GmbH zum Energiemanagement an Hochschulen. Nichts hat es gebracht - so meinten einhellig die Teilnehmenden des Workshops, die sich an fünf niedersächsischen Universitäten mit Energiefragen befassen. Zumindest, wenn es um den Energieausweis als "Verbrauchsausweis" geht.
Die mittlerweile fünfte Veranstaltung zum Energiemanagement fand unter dem Motto "Energiemanagement - Der Energieausweis ist da - wie geht es weiter? Der Weg zum Energiecontrolling" am 18. November 2009 an der Leibniz Universität Hannover statt. Organisator war die Hochschulübergreifende Weiterbildung (HÜW) Niedersachsen. Die Veranstaltungsreihe mit jährlich stattfindenden Workshops ist aus einem Benchmark-Projekt im Gebäudemanagement der HIS GmbH mit den niedersächsischen Hochschulen entstanden. Sie befasste sich diesmal u. a. mit den Themen Energieausweis, Energieeinsparverordnung 2009, Energiewirtschaftsgesetz, Innovative Messtechnik (Smart Metering) und Energiecontrolling.

Wie aufwändig war es, Energieausweise zu erstellen? Aus Sicht der Hochschulen war die damit verbundene Arbeit überschaubar. Enttäuscht zeigen sie sich hingegen über die bisherigen Ergebnisse. Zu viele Gebäude liegen danach unverdienterweise im "grünen Bereich". Auch das Interesse an den ausgehängten Ausweisen sei insgesamt noch zu gering. Mehr Aussagekraft erhoffen sich die Hochschulen zukünftig vom Bedarfsausweis, der aber wegen des größeren Aufwands bislang erst in wenigen Einzelfällen für Bestandsbauten erstellt wurde.

Als Gastreferent ging Stefan Selzer von der Berg Energiekontollsysteme GmbH auf die Auswirkungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen ein. So ermöglicht beispielsweise die Liberalisierung des Messwesens den Hochschulen, die abrechnungsbezogene Verbrauchsmessung getrennt an einen Dienstleister ihrer Wahl zu vergeben - theoretisch auch an das eigene Personal. Was sich für Filialketten im Lebensmitteleinzelhandel rechnet, dürfte sich für Hochschulen aufgrund des damit verbundenen Dokumentations- und Verwaltungsaufwands eher nicht lohnen.

Beim Thema Smart Metering waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Meinung. Während dem Messtechnikanbieter Selzer zufolge die hohen Kosten eine weitere Verbreitung solcher "intelligenten" Mess-Systeme bremsen könnten, gibt es nach Informationen der HIS GmbH durchaus Interesse, entsprechende Techniken auch im Hochschulbereich zu nutzen. Hierdurch wäre es möglich, Energiedaten nutzerbezogen auszuwerten. Im Rahmen des Workshops präsentierte die HIS GmbH ein entsprechendes Projektkonzept, an dem sich mehrere Hochschulen beteiligen wollen.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass das Energiecontrolling mittlerweile als Voraussetzung für dauerhafte Erfolge bei der Energieeinsparung in Hochschulen angesehen wird und für diese einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Sehr viele Hochschulen in Deutschland haben in den letzten Jahren in die Erfassungsinfrastruktur und Auswertungssysteme investiert und zum Teil auch Personal für Steuerungsaufgaben zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt hängen diese berichteten Erfolge aber auch von der Unterstützung der Hochschulleitungen und der Nutzer, insbesondere in Forschung und Lehre, ab.

Grundsätzlich besteht jedoch die Gefahr, dass ohne ein zusätzliches Anreizsystem - wie etwa einer Energiekostenverrechnung auf der Ebene der Institute, Verwaltungs- und Forschungseinrichtungen - ein Großteil des möglichen Einsparpotenzials ungenutzt bleibt.

Die Veranstaltungsreihe wird im Herbst 2010 fortgesetzt. Sie ist auch offen für weitere interessierte Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

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