Mit intelligenten Handys Massenpanik verhindern

23.03.2010 - (idw) Universität Passau

Universität Passau ist Koordinator bei einem mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel umfassenden EU-Forschungsprojekt

Ein modernes Mobiltelefon kann viel mehr als nur Telefonverbindungen herstellen, fotografieren oder Musik abspielen. Vielmehr verfügen Handys heutzutage über Sensoren, die den genauen Standort der Menschen und deren Bewegungen erfassen können oder die ihrem Besitzer via GPS Routenempfehlungen geben können - ähnlich wie dies Navigationsgeräte im Auto tun. Diese Funktionen kann man sich auch in Katastrophenfällen zunutze machen - und hier setzt das Projekt SOCIONICAL an. In einem vollbesetzten Fußballstadion bricht ein Feuer aus: Menschen geraten in Panik und strömen wahllos auf die verschiedenen Ausgänge zu. Den Rettungsdiensten bietet sich eine unübersichtliche Lage, ihnen ist es nicht möglich, die Massenbewegungen aufzufangen, geschweige denn zu steuern. Hier setzt das Projekt SOCIONICAL an: "Künftig sollen die Sensoren der Mobiltelefone in solchen Situationen die Gefahren "erkennen", miteinander und mit Gebäudesensoren kommunizieren, den Rettungsdiensten Informationen über die Menschenbewegungen und ihren Besitzern mitteilen, auf welchem Weg sie am schnellsten und sichersten das Stadion verlassen können" beschreibt Professor Dr. Paul Lukowicz, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Eingebettete Systeme an der Universität Passau, das Ziel.

SOCIONICAL steht für Complex Socio-Technical System in Ambient Intelligence. An dem über vier Jahre laufenden Projekt sind 14 Partner beteiligt, neben Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland auch aus Großbritannien, Holland, Österreich, Polen und der Schweiz - darunter renommierte Einrichtungen wie die ETH Zürich oder die London School of Economics. Zudem gibt es mehrere Industriepartner aus Israel, Italien und Spanien.

Als Koordinator des Projekts leitet die Universität Passau die wissenschaftlichen Arbeiten und ist die Schnittstelle zwischen der Europäischen Kommission und den Partnern. So fließen die gesamten Mittel - rund 5,3 Millionen Euro - über die Universität Passau und werden dann an die Partner weiter geleitet. Eine Million Euro müssen die Partner selbst einbringen. Von den EU-Mitteln gehen etwa 650.000 Euro an die Universität Passau.

In Passau arbeiten an dem Projekt drei, über alle Standorte hinweg etwa 40 Wissenschaftler. An der Universität Passau ist auch der Lehrstuhl für Südostasienkunde II von Professor Dr. Rüdiger Korff und der Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Rechnerkommunikation und Rechnernetze von Professor Dr. Hermann de Meer beteiligt. Überhaupt war die interdisziplinäre Vernetzung in Passau einerseits, andererseits aber auch die gute Vernetzung von Professor Dr. Paul Lukowicz in der Fachcommunity mit ausschlaggebend, dass das Projekt in Passau angesiedelt wurde.

Möglicherweise hätte beim Tsnuami in Thailand im Jahr 2004 ein solches System Menschenleben retten können: "Viele Menschen standen staunend am Meer, als sie die Welle haben kommen sehen und haben das Mobiltelefon gezückt, um Fotos zu machen. Über das Mobiltelefon hätte man auch die Botschaft 'Sofort den Strand verlassen' senden können", sagt Professor Dr. Paul Lukowicz.

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Hinweis an die Redaktionen: Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an Prof. Dr. Paul Lukowicz, Tel. 0851 509-3080, oder an die Pressestelle der Universität Passau, Tel. 0851 509-1430.
Weitere Informationen: http://www.fim.uni-passau.de/home/fakultaet/lehrstuehle/eingebettete-systeme.htm...