Patientenkompetenz und Prognose

01.07.2003 - (idw) Klinik für Tumorbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Forschungsprogramm untersucht den Einfluss von Patientenkompetenz auf Verlauf der Krebserkrankung

FREIBURG. Viele Patienten glauben, dass sie selbst einen aktiven Beitrag zur Bewältigung ihrer Krankheit leisten können. Im Rahmen einer Langzeituntersuchung beginnt deshalb die Klinik für Tumorbiologie jetzt ein nationales Studienprogramm, um aussagekräftige Daten darüber zu gewinnen, welchen Stellenwert die Patientenkompetenz für den Verlauf von Tumorerkrankungen hat. "Unser Ziel ist es, mit den Daten langfristig eine wissenschaftliche Basis für eine patientenorientierte Medizin zu erhalten", so Prof. Joachim Weis, Projektleiter und Leiter der Abteilung Psychoonkologie an der Klinik für Tumorbiologie.

Der Begriff Patientenkompetenz steht für eine Grundhaltung des Patienten, selbst aktiv zu werden, sich zu informieren und eigene Kräfte zur Bewältigung seiner Krankheit einzusetzen. Ein kompetenter Patient versucht, sich im Bedarfsfall Hilfestellungen von außen zu holen - sei es aus seinem sozialen Umfeld oder dem Bereich professioneller Hilfsangebote. Prof. Weis definiert Patientenkompetenz als "Fähigkeit, Anforderungen und Belastungen, die in Folge einer Erkrankung entstehen, zu bewältigen und dabei persönliche Bedürfnisse und Zielvorstellungen zu berücksichtigen". Auf keinen Fall darf nach Weis der Begriff Patientenkompetenz als Zwang zu positivem Denken missverstanden werden. "In bestimmten Situationen kann der Ausdruck negativer Gefühle eine notwendige und hilfreiche Reaktion sein, um Entlastung zu erfahren und Bedarf nach Hilfe zu signalisieren. Auch das kann Ausdruck individueller Patientenkompetenz sein."

Verschiedene internationale wissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass ein kompetenter und aktiver Umgang mit der Krebserkrankung neben dem subjektiven Wohlbefinden auch die Überlebenszeit positiv beeinflussen könnte. "Diese Untersuchungen sind jedoch", so Weis, "methodisch unzureichend und werden daher kontrovers diskutiert". Deshalb sei es bislang nicht möglich zu erklären, ob und wie die Patientenkompetenz sich günstig auf den Verlauf der Krebserkrankung auswirken kann.

Das Forschungsprogramm ist in drei Teilstudien gegliedert:

In einem ersten Schritt wird ein spezieller Fragebogen erarbeitet und mit einer größeren Zahl Patienten getestet, mit dem die Patientenkompetenz gemessen werden kann.

Im nächsten Schritt wird auf der Grundlage des evaluierten Fragebogens geprüft, inwieweit Patientenkompetenz den Verlauf von Tumorerkrankungen im Zusammenspiel mit einer Vielzahl weiterer Einflussfaktoren - wie medizinische Merkmale der Erkrankung, Persönlichkeit und soziale Einbettung beeinflusst. Dies geschieht im Rahmen einer Studie, die in Kooperation mit mehreren Krebszentren durchgeführt wird. Zielkriterien dieser Untersuchung werden die Lebensqualität der Patienten, das Auftreten von Rezidiven und die Überlebenszeit sein.

Die dritte Studie soll schließlich überprüfen, ob Patientenkompetenz geschult werden kann. "Wenn wir einen Zusammenhang zwischen Patientenkompetenz und Prognose nachweisen könnten, käme dies der Entdeckung eines neuen Krebsmittels gleich" so Prof. Weis.