Medizinische Versorgung über räumliche Distanz

10.05.2010 - (idw) Fachhochschule Brandenburg

Tagung zu Telemedizin und Kommunikation Erfolgreicher Studiengang Medizininformatik Gerade in einem Flächenland wie Brandenburg wird es zunehmend schwierig, allen Einwohnern eine medizinische Versorgung auf dem aktuellen Stand zu gewährleisten. Abhilfe könnte die Telemedizin schaffen, die beispielsweise die Konsultation eines Facharztes über eine große räumliche Distanz ermöglicht. Mit Telemedizin und verschiedenen Aspekten der Kommunikation in der Medizin befasste sich die Tagung eHealth Brandenburg 2010, zu der am Donnerstag vergangener Woche etwa 70 Fachbesucher ins Audimax der Fachhochschule Brandenburg (FHB) kamen. Unterstützt von der Alcatel-Lucent-Stiftung für Kommunikationsforschung wurde die Veranstaltung von den Fachbereichen Wirtschaft und Informatik und Medien der FHB und dem BürgerServiceNetz-Verein e.V. ausgerichtet.

Nach der Tagung zur Elektronischen Gesundheitskarte vor zwei Jahren war die diesjährige Veranstaltung die zweite zum Thema Gesundheit in der Tradition der vom BürgerServiceNetz mit der Alcatel-Lucent-Stiftung ausgerichteten Tagungen. Eine tiefgehende Einschätzung zu den aktuellen technologischen und politischen Entwicklungen der Gesundheitstelematik gab auch in diesem Jahr wieder der Mentor und Akteur dieser Szene, Dr. Christoph Goetz, von der kassenärztlichen Vereinigung Bayern. Aus der Sicht der für die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte verantwortlichen Gesellschaft gematik stellte Sven Marx den erreichten Stand und die weiteren Perspektiven dar.

Der Bachelor-Studiengang Medizininformatik im Fachbereich Informatik und Medien startete zum Wintersemester 2007/2008 an der FHB und ist mittlerweile sehr nachgefragt. Wie die Beauftragte für Medizininformatik, Prof. Dr. Gabriele Schmidt, in ihrem Vortrag mitteilte, ist ein konsekutives (fortführendes) Master-Angebot in Vorbereitung. Durch die von der Städtisches Klinikum Brandenburg GmbH gestiftete Professur, die in Kürze besetzt werden wird, und die bereits vorhandene Professur von Dr. Thomas Schrader ist eine gute personelle Ausstattung des Studiengangs gewährleistet. Zusätzlich zur wissenschaftlichen Lehre liegt ein weiterer Schwerpunkt auf medizintechnischer Forschung und Entwicklung. Neben mehreren Projekten zur Verwaltung von medizinischen Dokumenten und zur Telekonsultation verfolgen Prof. Dr. Schrader und Prof. Dr. Harald Loose unter anderem Ideen in der Signal- und Bildverarbeitung: Das Projekt Pocket EEG. beinhaltet die Konzeption und das Design eines tragbaren Elektronenenzephalogramms zur Untersuchung von Schlafstörungen. Demnächst soll auch die psychophysiologische Untersuchung von Medienwirkungen am Beispiel von Computerspielern erforscht werden.

Unter dem Titel Mündige Patienten wie erreichen wir sie? informierte Prof. Dr. Dietmar Wikarski (Studiengang Wirtschaftsinformatik im Fachbereich Wirtschaft) u.a. über die neueste Entwicklung im BürgerServiceNetz: Die über das Internet verbundenen barrierefreien elektronischen Kioske mit standort-orientierter Benutzeroberfläche sollen zu so genannten GesundheitsKiosken weiterentwickelt werden. Traditionelle BürgerKioske stehen seit mehreren Jahren auch den Patienten des Städtischen Klinikums Brandenburg zur Verfügung.

Neben einem spannenden Bericht über personalisierte vernetzte eHealth-Technologien (Prof. Dr. Astrid Böger, BTU Cottbus), der Darstellung des aktuellen Standes der Telemedizin (Frau Kujumdshieva-Böhning, iDoc - Institut für Telemedizin und Gesundheitskommunikation) und einer eindrucksvollen Präsentation der erfolgreichen telemedizinischen Versorgung herzkranker Patienten (Prof. Dr. Michael Oeff, Städtisches Klinikum Brandenburg) wurden das im Fokus der Tagung stehende Thema der Kommunikation im medizinischen Bereich (Prof. Dr. Thomas Enzmann, Städtisches Klinikum Brandenburg) anschaulich illustriert.

Der aktuelle und tiefgehende Beitrag von Prof. Dr. Eberhard Beck zur Prozessmodellierung im Krankenhaus gab den Auftakt zum sehr zukunftsträchtigen Thema der Prozessmodellierung im Gesundheitswesen, das am Ende der Tagung in einer offenen Diskussion des Auditoriums weiter geführt wurde und möglicherweise das Thema einer Nachfolge-Tagung sein wird.

Als ebenfalls sehr zukunftsträchtig und prädestiniert für den Ausbau der Kooperation zwischen Klinikum und FHB sowie den Vereinen Gesund in Brandenburg und BürgerServiceNetz erwies sich der gemeinsame Beitrag der Betriebsärztin des Klinikums Ute Wolf und Studentin Antje Bogedaly zum Präventionskatalog und der Entwicklung einer entsprechenden Gesundheitsplattform im Internet.

Als Rahmenthemen, zu denen Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet Vorträge beisteuerten, ließen sich die folgenden identifizieren:
Transparenz und Selbstbestimmung: Medizinische Versorgung soll transparent für alle Anwen-der sein und dabei den Schutz der persönlichen Information berücksichtigen. Modellierung und Optimierung der dabei ablaufenden Prozesse können wesentlich dabei helfen, diese Ziele zu erreichen.
BürgerInnen und PatientInnen: Die Telemedizin wird zunehmend nicht nur Kranken bzw. Patienten helfen, sondern auch von Gesunden in Anspruch genommen werden, die gesund bleiben wollen. Telemonitoring, Eigeninitiative, Selbstbestimmung und gezielte Auswahl medizinischer und Vorsorgeleistungen sind hier wichtige Entwicklungsrichtungen.
Wirtschaftlichkeit und Risiko: Aus ökonomischer Sicht ist der Durchbruch der Telemedizin in der breiten Anwendung, also der Übergang aus der Phase der sog. Early Adaptors zum Mainstream noch nicht erfolgt. Für Firmen bedeutet das Engagement im Bereich Telemedizin und eHealth ein großes ökonomisches Risiko. Lohnt es sich, dieses zu tragen?

Weitere Informationen zur Tagung sind im Internet unter http://ehealth2010.fh-brandenburg.de/ zu finden, wo in Kürze auch die Vorträge zu finden sein werden.