Der Philosoph Bertolt Brecht

20.03.2011 - (idw) Universität Augsburg

Soeben bei Königshausen und Neumann erschienen: ein 300-seitiger Sammelband mit zwölf Beiträgen einer Augsburger Ringvorlesung und einer Einleitung des Herausgebers Mathias Mayer Augsburg/KPP - Der Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Universität Augsburg hatte im Wintersemester 2009/10 zu einer vielbeachteten Ringvorlesung "Der Philosoph Bertolt Brecht" eingeladen, bei der Experten Brechts Texte auf ihren philosophischen Gehalt hin durchleuchtet haben - mit Blick auf chinesische, antike, neuzeitliche und moderne Konstellationen, von Laotse über Empedokles bis zu Bacon, Hegel, Nietzsche und Benjamin. Eingeleitet vom Herausgeber, dem Augsburger Ordinarius für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Prof. Dr. Mathias Mayer, ist jetzt in der bekannten Reihe "Der neue Brecht" im Würzburger Verlag Königshausen und Neumann ein Band erschienen, der die Beiträge dieser Augsburger Ringvorlesung versammelt.

"Wenn es im 20. Jahrhundert einen Künstler gegeben hat, der nicht nur, wie viele andere, seinen Nietzsche oder Schopenhauer gelesen hat, sondern der selbst philosophisch gedacht hat und das in seinen Texten literarisch umsetzen konnte, dann war es Bertolt Brecht", erläutert Mayer die Idee, die hinter der von ihm konzipierten Ringvorlesung stand. "Nicht der Dogmatiker oder der Ideologe steht dabei im Blick", so Mayer weiter, sondern derjenige Autor, der die Wirklichkeit für nicht gegeben, sondern veränderbar gehalten hat. Brechts Texte entwerfen ebenso listige wie philosophische Infragestellungen des vermeintlich Gegebenen: 'Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine'."

Die Beiträge

Mathias Mayer (Augsburg): Der Philosoph Bertolt Brecht oder Die List und die Lust der Verfremdung. Eine Einleitung
Oliver Primavesi (München): Zu Brechts Empedokles
Markus Janka (München): Literarische Metamorphosen epikureischer Philosophie in Lukrez De rerum natura und Brechts Lukullus-Texten
Heinrich Detering (Göttingen): Brechts Taoismus
Hans-Peter Neureuter (Regensburg): Experimente der Neuzeit. Francis Bacon, Giordano Bruno und Galilei bei Brecht
Bernadette Malinowski (Augsburg): Leben des Galilei als philosophisches Theater
Frank D. Wagner (Oldenburg): Herr-Knecht-Dialektik: Hegels Theorie und Brechts Praxis
Jan Knopf (Karlsruhe): "... es kömmt darauf an, sie zu verändern." Marx Theorie der Praxis bei Brecht
Jürgen Hillesheim (Augsburg): Zwischen "kalten Himmeln" und "schnellen Toden". Brechts Nietzsche-Rezeption
Erdmut Wizisla (Berlin): Originalität vs. Tuismus. Brechts Verhältnis zu Walter Benjamin und zur Kritischen Theorie
Marcus Llanque (Augsburg): Individuum und Partei: Brecht und das politische Denken
Friedmann Harzer (Augsburg): "Kalle, Mensch, Freund, ich habe alle Tugenden satt." Zur Dialektik der Anerkennung in Brechts Flüchtlingsgesprächen
Helmut Koopmann (Augsburg): Was wäre, wenn die Haifische Menschen wären? Der weise Herr Keuner blickt hinter die Kulissen
______________________________

Mathias Mayer (Hg.), Der Philosoph Bertolt Brecht (= Der neue Brecht, Bd. 8), Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 2011, 302 S. mit zahlreichen Abbildungen und einem Personen- und Werkregister, 39,80 Euro, ISBN: 978-3-8260-4552-3
______________________________

Kontakt:

Prof. Dr. Mathias Mayer
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-2498
mathias.mayer@phil.uni-augsburg.de