Umweltschutz und Agrarwirtschaft der FH Bingen durch neue Labore aufgewertet

12.04.2011 - (idw) Fachhochschule Bingen

Ein neues pädagogisches Konzept integriert Praxis und Forschung im Studium. Ein neues pädagogisches Konzept für den praktischen Teil der Lehre in der Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Bingen hatte der Experte für Bodenkunde, Professor Dr. Thomas Appel, bereits lange in der Schublade. Die Umsetzung scheiterte zunächst am nötigen Geld. Dem Konjunkturprogramm sei Dank, bewilligte die Landesregierung 2009 Mittel zum Umbau eines Gebäudetraktes in zeitgemäße und den gestiegenen Anforderungen der neuen Studienstruktur in der Agrarausbildung entsprechende Labore. Das Konzept, weg von frontalen Vorführungen und zuschauenden Studenten, hin zu mehr eigenen Laborarbeitsplätzen für Studierende überzeugte. Integrative Lehre und Forschung ist das Schlüsselwort, wobei die Umweltschutzstudenten in den Praktika durch ihre Analysen die Daten für bodenkundliche Forschungsarbeiten gewinnen. Das macht nicht nur Spaß, sondern motiviert die Studierenden auch, sich mit aktuellen Forschungsthemen zu beschäftigen. Die Analysen liefern die Grundlage für Abschlussarbeiten, die dann auch auf Fachkongressen veröffentlicht werden. Für 500 tausend Euro entstand neue Laborfläche für Praktika in den Bereichen Bodenkunde, Pflanzenbau und Tierernährung, wo früher kleinere, veraltete Labore und Abstellfläche waren. Der Umbau hat die Infrastruktur im Fachbereich Life Sciences and Engineering deutlich verbessert und trägt den Anforderungen an die Fachinhalte im Studium Landwirtschaft und Umweltwissenschaften Rechnung, freute sich Vizepräsident Professor Clemens Wollny. Die Laborausstattung verbessere nicht nur die Ausbildungsbedingungen für die Studierenden, sondern erlaube die Durchführung von angewandten Forschungsprojekten. Die Zahl der Agrarstudenten werde durch eine ausbildungsintegrierte Variante des Agrarstudiums in kommenden Semestern noch weiter ansteigen.
Nutznießer der modernen Labore sind vor allem die Studierenden der Studiengänge Agrarwirtschaft, Umweltschutz und des Masterprogramms Landwirtschaft und Umwelt. Den räumlich größten Anteil nutzt Pflanzenexperte Professor Jan Petersen für praktische Übungen mit den Studenten zur Aufbereitung von Pflanzenproben und für Forschungsprojekte zu nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere zur Eignung verschiedener Pflanzen für die Biogaserzeugung. Hierzu sind in einem neuen Labor 10 Modellbiogasanlagen installiert. Im neuen Bodenkundelabor untersucht Dr. Appel mit den Studierenden die Fruchtbarkeit von Böden und forscht an den Auswirkungen verschiedener Bodenbearbeitungsverfahren auf die Festlegung von organischem Kohlenstoff im Acker. Diese Arbeiten stehen in engem Zusammenhang mit Fragen des Klimawandels. Er freut sich, dass seine Idee Wirklichkeit wurde: Mehr Laborfläche und ausstattung für eigenständige Studentenarbeit nah an der Praxis, bringt er trotz klammer Kassen die Notwendigkeit für die Investition auf den Punkt. Es müsse auch nicht alles neu sein, räumt Appel ein. So werden teure Großgeräte im Fachbereich effizient und studiengangübergreifend eingesetzt. Doch wenn er einen Wunsch frei und etwa 90000 Euro zur Verfügung hätte, würde der Bodenexperte das in die Jahre gekommene Atom-Absorptionsspektrometer für die Analyse von Metallen und Schwermetallen modernisieren.
Von insgesamt rund 2200 Studierenden an der FH Bingen studieren zurzeit 547 in Agrar- und Umweltschutzstudiengängen. Dabei ist der Frauenanteil mit durchschnittlich 35 Prozent für technische Studiengänge relativ hoch und erreicht im Masterstudiengang Landwirtschaft und Umwelt sogar die Hälfte.

Foto: Wolf Dermann, FH Bingen
Prof. Dr. Thomas Appel (links) mit Studenten bei der Untersuchung von Bodenproben im neuen Bodenkundelabor.