Kienzle Apparate : Erinnerung an ein deutsches Industrieunternehmen mit Weltruf

14.06.2011 - (idw) Duale Hochschule Baden-Württemberg

Als Ergebnis eines fruchtbaren Theorie-Praxis-Transfers liegt nun ein Buch zur Unternehmensgeschichte der Kienzle Apparate GmbH Villingen von Dr. Armin Müller, Wissenschaftler an der Dualen Hochschule Ravensburg, vor. Noch bis in die 1990er Jahren war die Marke Kienzle ein großer Name der deutschen Wirtschaft und genoss Weltruf. Heute erinnern sich manche noch an die Kienzle Uhrenfabriken aus Schwenningen, die mit ihren Armbanduhren in den 60er und 70er Jahren Marktführer in Deutschland waren. Stärker in Vergessenheit geraten ist das in der Weimarer Zeit als Spin-Off der Uhrenfabriken entstandene Unternehmen Kienzle Apparate GmbH mit Sitz im benachbarten Villingen. Mit Taxametern, Parkuhren, Betriebsdatenerfassungssystemen, vor allem aber mit der Erfindung des Fahrtschreibers (Tachographen) und der Entwicklung eigener Computersysteme stand die Marke Kienzle lange Zeit international für High-Tech-Produkte aus dem Schwarzwald. Zeitweise arbeiteten 10 000 Mitarbeiter für das Unternehmen, davon etwa die Hälfte am Heimatstandort Villingen. Fünf Jahrzehnte wurde Kienzle Apparate als unabhängiges Familienunternehmen geführt, seit 1981/82 ist es wichtiges Tochterunternehmen und Standort der großen deutschen Industriekonzerne Mannesmann, Siemens und zuletzt Continental. Bis heute ist es größter industrieller Arbeitgeber in der Region Schwarzwald-Baar.

Mit dem Buch des DHBW-Wissenschaftlers Dr. Armin Müller liegt nun eine erste umfassende Gesamtdarstellung der Kienzle-Unternehmensgeschichte vor. Es ist Ergebnis einer Forschungskooperation zwischen der Firma Kienzle Argo Taxi International GmbH und der Konstanzer Arbeitsgruppe für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, in der Müller als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete, bevor er an die Fakultät für Wirtschaft der Dualen Hochschule Ravensburg wechselte. Über die historische Darstellung hinaus liefert mein Buch zahlreiches Anschauungsmaterial für wichtige und aktuelle ökonomische Fragen, weist Müller auf den Wert seiner Publikation für Betriebswirtschaftler hin. Er nennt die wirtschaftlichen Bedingungen für den Aufstieg und Niedergang einer ganzen nationalen Branche wie der deutschen Computerindustrie, den Wandel von Unternehmensführung und Strategien vom Familienunternehmen zum Konzernbetrieb oder das Thema technologischer Wandel und Marktführerschaft auf unterschiedlichen Märkten. Für alle diese klassischen Fragen betriebswirtschaftlicher Theorie und Praxis kann man aus der Kienzle-Geschichte lernen, erklärt der promovierte Wirtschafts- und Unternehmenshistoriker den Mehrwert seines Bandes auch für Nicht-Historiker.

Für sein Buch hat der Autor im Rahmen einer mehrjährigen und intensiven Recherchen Daten und Materialien aus vielen staatlichen und privaten Archiven zusammengetragen und zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen aus dem Unternehmen geführt. Entstanden ist ein mehr als 300 Seiten starkes und mit zahlreichen Fotos und Abbildungen illustriertes Buch zu einer wichtigen deutschen Unternehmensgeschichte, das anschaulich und informativ vom Schicksal seiner Menschen und Produkte im Kontext deutscher Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte erzählt.

Armin Müller: Kienzle. Ein deutsches Industrieunternehmen im 20. Jahrhundert, 311 Seiten, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 29,- Euro, ISBN-Nummer: 978-3-515-09845-8