Künstlerförderung des Landes Niedersachsen an der HBK Braunschweig: Die Stipendiaten

04.07.2011 - (idw) Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

Das Land Niedersachsen hat gemeinsam mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) das Stipendiatenprogramm Braunschweig PROJECTS ausgeschrieben. Aus insgesamt annähernd 200 Bewerbungen aus dem In- und Ausland wurden inzwischen fünf Stipendiaten für den Bereich Bildende Kunst sowie drei Stipendiaten für den Bereich Klangkunst ausgewählt. Die Stipendiaten im Bereich Bildende Kunst:

Christine de la Garenne (geb. 1973) absolvierte ihr Studium der Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste und der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Das Werk der in Berlin lebenden Medienkünstlerin kreist um das Phänomen der Wahrnehmung von Wirklichkeit und Inszenierung. In ihren Videoarbeiten erschafft sie spannungsreiche oftmals gegensätzliche Stimmungen durch kaum merkbare Manipulationen von Akustik und Visualität. Diese von ihr geschaffenen vielschichtigen Wahrnehmungsräume zwischen Realität und Irrealität haben die Jury überzeugt.

Felipe Cortes (geb. 1978) in Kolumbien studierte an der National University of Colombia in Bogotá und schloss 2008 mit dem Master of Fine Arts ab. Felipe Cortes entwickelt anhand eines Themas konzeptionelle, praktische und theoretische Aspekte von Collage, die wiederum in ein umfassendes Kunstwerk übertragen werden. An einer Residenz in Braunschweig interessiert ihn die Nähe zu Kurt Schwitters, dessen Werke er nach Recherchen und Studien zu seinen Collagen in Beziehung setzt.

Eiko Grimberg (geb. 1971) studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Joachim Brohm. Seine Fotoarbeiten waren im Kunstraum Noe, Wien, in der Galeria Deposito 14, Madrid, in der University Art Gallery of the University of Irvine, USA A3, in Open Studios, ISCP, New York, im Recreation Area Büro Spors, Berlin zu sehen. Er erhielt 2006 das Arbeitsstipendium des Freistaates Sachsens für Ohio, USA, das Atelierstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen am International Studio and Curators Programm (ISCP), New York und das Studienstipendium der Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin.

Karolin Meunier (geb. 1975) studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Sie überzeugte die Jury durch ihre reduzierten Videos, Performances und Installationen, in denen sie die Bedingungen von Sprache und Schrift untersucht. Dabei inszeniert sich die Künstlerin selbst als Subjekt vor der Kamera, um das Verhältnis von Öffentlichkeit und Theatralität performativ auszuloten und Denkprozesse sichtbar zu machen.

Robert Stark (geb. 1974) studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste München. Er erhielt 2009 den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg und das Stipendium der Villa Concordia in Bamberg. Seine Plastiken und Installationen beziehen sich auf Vorbilder der Architektur, die er in der Kunst- und Architekturgeschichte von der Antike bis heute recherchiert, hinsichtlich ihrer Symbolik untersucht und in der eigenen Produktion mit seinen Vorstellungen zu kleinformatigen Objekten auf Sockeln bis hin zu ganzen Rauminstallationen entwickelt.

Mitglieder der Jury Bildende Kunst: Prof. Olaf Christopher Jenssen (Professur Malerei, HBK BS), Hermann Pitz (Professur Akademie der Künste, München), Eugen Blume (Nationalgalerie, Berlin), Meike Behm (Kunsthalle Lingen), Prof. Mark Lammert (Professur Universität der Künste, Berlin), Dr. Claudia Fritzsche (Museen, Bildende Kunst MWK Hannover)

Die Stipendiaten im Bereich Klangkunst:

Natalie Bewernitz (1967)/ Marek Goldowski (1968)
Das in Köln lebende Künstlerpaar zeigt durch seine breit aufgestellten künstlerischen Verfahren zwischen Installation, Klangperformance und Audioproduktion ein bemerkenswertes Spektrum künstlerischer Arbeiten mit Klang. Ihre thematischen Bezüge und die qualitativ hoch entwickelte Übersetzung in audiovisuelle Vorgänge überzeugt als förderwürdiger Beitrag zur Klangkunst.

Lo Yun Ting (1984)
Der aus Honkong/ China stammende Klangkünstler vereinigt eine ausdrucksstarke Bildsprache mit beeindruckenden Klängen. Seine Installationen und Filme erscheinen wie Deutungsversuche in eine andere Wirklichkeit hinter der Normalität alltäglicher Handlungen und Erfahrungen in seiner chinesischen Heimat.

Sandra Volny (1985)
Die in Montréal/ Kanada lebende französische Klangkünstlerin überzeugt die Jury durch ihre außergewöhnlichen künstlerischen Untersuchungen zur akustischen Verortung in gebauten Räumen. In ihre hochpoetischen Realisationen verbindet die Künstlerin unter anderem die veränderten Verhaltensweisen beim Hören als Sichtbarmachung der Wahrnehmung des menschlichen Hörprozesses zu einer eigenständigen dramaturgischen Form.

Mitglieder der Jury Klangkunst: Prof. Ulrich Eller (Professur Klangkunst HBK BS), Bill Fontana (San Francisco), Robin Minard (Weimar), Prof. Arnold Dreyblatt (Professur Muthesius Hochschule Kiel), Lydia Grün (Musikreferentin MWK Hannover, beratend)

Die Stipendien sind Bestandteil der künstlerischen Nachwuchsförderung der Hochschule und des Landes. Sie umfassen eine monatliche finanzielle Förderung in Höhe von 1.250 Euro über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten im Bereich Klangkunst beziehungsweise zwölf Monate im Bereich Bildende Kunst, einen projektabhängigen Zuschuss für Sach- und Reisekosten, Wohnung und Atelier in Braunschweig sowie ein Mentorenprogramm und ein stipendiatenbezogenes Colloquium.

Die Einbindung der Stipendiatinnen und Stipendiaten in die Lehre und Forschung der HBK Braunschweig ist wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Nachwuchsförderung der Hochschule. Das Programm ermöglicht zudem eine weite Vernetzung mit Institutionen des Landes Niedersachsen sowie mit Partnerinstitutionen in Europa und Amerika wie beispielsweise der New School for Social Research in New York, der Royal Academy of Arts London, der Akademie der Künste Berlin oder dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.

Die Finanzierung der Stipendien erfolgt durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK), über Eigenmittel der HBK und über Drittmittel der Partner (u.a. Schwabe-Stiftung Kuchelberg, Stadt Braunschweig und Braunschweiger Baugenossenschaft eG). Als Förderbeginn ist der 01.11.2011 vorgesehen.