Gesundheits- und pflegepolitisches Forum

27.09.2003 - (idw) Fachhochschule Erfurt

Mit Auswirkungen der neuen Krankenhausfinanzierung und der Integrierten Versorgung von Patienten hat sich am 24. September 2003 das 1. Gesundheits- und pflegepolitische Forum in Erfurt befasst. Das vom Paritätischem Wohlfahrtsverband, Thüringen e.V. und der Fachhochschule Erfurt organisierte Forum bot Entscheidungsträgern der ambulanten und stationären Langzeitpflege Informationsmöglichkeiten über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen und in der Pflege, um daraus Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Versorgung chronischer kranker und pflegebedürftiger Menschen abzuleiten.
Aktuelle Reformvorhaben im Gesundheits- und Pflegewesen wie auch in der Sozialhilfe versuchen von der stationären zur ambulanten Versorgung umzusteuern (Dr. Roland Schmidt, Deut-sches Zentrum für Altersfragen). Mit der schrittweisen Einführung so genannter Fallpauschalen im Krankenhaus wird sich die durchschnittliche Verweildauer von Patienten weiter reduzieren. Dies zeigen die Erfahrungen zahlreicher anderer Länder, die ähnliche Finanzierungsformen bereits eingeführt haben. Aus dem Krankenhaus entlassene Patienten benötigen dann eine intensivere und besser abgestimmte ärztliche, therapeutische und pflegerische ambulante Versor-gung. Daher hatte der Gesetzgeber zugleich die Möglichkeit eröffnet, um stationäre und ambulante Leistungen in der "Integrierten Versorgung" besser aufeinander abzustimmen. Das derzeit vom Deutschen Bundestag behandelte "GKV-Modernisierungsgesetz" verstärkt nochmals die ökonomischen Anreize, um diese Versorgungsform in der Praxis stärker durchzusetzen. Integrierte Versorgung stellt hohe Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Leistungsqualität der in einem Netzwerk wirkenden Akteure. Marius Greuél (Home Care Nürnberg) demonstrierte dies am Beispiel des Praxisnetzes Nürnberg-Nord, das auf eine sechsjährige Erfahrung zurückblicken kann und sich nunmehr in Kooperation mit zwei Krankenhäusern auf den Weg begibt, diese anspruchsvolle Patientenversorgung zu gewährleisten.
Im Zuge der neuen Krankenausfinanzierung sind weitere Anstrengungen erforderlich, die Geriatrie (Altersmedizin) angemessen in den Fallpauschalen abzubilden. Alte Menschen weisen oftmals eine nicht klar abgrenzbare Hauptdiagnose auf, da mehrere Erkrankung parallel existieren und sich gegenseitig beeinflussen ist. Dies muss innerhalb der diagnosebezogenen Fallpauschalen berücksichtigt werden. Dr. Ann-Kathrin Meyer (Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie) erläuterte die ersten Erfolge im dem Bemühen, die Zukunft geriatrischer Krankenhäuser und Fachabteilungen auch unter veränderten Bedingung zu sichern.

Dr. phil. Roland Schmidt hat einen Ruf als Professor für Gerontologie und Versorgungsstrukturen am Fachbereich Sozialwesen der FH Erfurt erhalten. Er wird diese Professur ab 1. November 2003 wahrnehmen. Dr. Schmidt hatte bereits von Oktober 1999 bis Februar 2003 eine Professur an der FHE vertreten.
Kontakt: Dr. Schmidt, 0361/ 6700-535 oder 0171/9929634