DFKI ist "Partner für Innovation"

17.01.2004 - (idw) Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH

Prof. Wahlster, Geschäftsführer der DFKI GmbH, nahm gestern an dem Ideengipfel für Innovation im Kanzleramt teil. Hochrangige Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Politik hatte Bundeskanzler Schröder zu dem ca. 3 1/2-stündigen Gedankenaustausch eingeladen. Ziel der abendlichen Gesprächsrunde war die Suche nach neuen Wegen zur Stärkung der Innovationskräfte in Deutschland und die Diskussion von Ideen für die Erhaltung der Strahlkraft des Markenzeichens "Made in Germany". Ein weiteres Treffen der Initiative "Partner für Innovation" ist für Mitte März geplant.

Zum Verhältnis von Spitzenforschung und wirtschaftlicher Umsetzung erklärte Prof Wahlster in der Runde: "Innovation hört nicht bei der Erfindung und beim Patent auf, sondern geht über Geschäftsmodelle, Fertigungsprozesse bis hin zu Marketing und Vertrieb. Nur wenn der gesamte Innovationsprozess von der notwendigen Grundlagenforschung bis zum Produkt gelingt, entsteht die angestrebte Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze. In Deutschland bleiben leider noch zu viele Innovationen in der Frühphase stecken, verpuffen oder werden von ausländischen Wettbewerbern aufgegriffen und zum Erfolg geführt."

Wahlster sieht die Aufgabe von Spitzenwissenschaftlern nicht nur auf Spitzenforschung beschränkt: "Mich hat die Aussage des japanischen Nobelpreisträgers Tanaka im Jahr 2002 sehr beeindruckt, dass er den Anruf aus Schweden erhielt, als er gerade im Vertrieb bei Kunden unterwegs war, um dort den von ihm erfundenen neuen Massenspektrometer zu verkaufen. Ein Spitzenwissenschaftler, der sich auch um Kunden für seine Innovation kümmert und genau erkundet, was die Anwendernachfrage ist, dies ist es, was zu erfolgreicher Innovation führt. Ich bin überzeugt, dass Spitzenleistungen in der Grundlagenforschung und wirtschaftliche Umsetzung nicht im Widerspruch stehen, sondern die Grundlage für Innovation bilden. Eine enge Verzahnung und Beschleunigung öffentlicher Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Industrie-Forschung, wie sie in einigen Innovationsbereichen wie der Mensch-Technik-Interaktion mit einer Vielzahl von Patenten, Spin-Off Produkten und Firmengründungen in Deutschland gelungen ist, wird auch international als vorbildlich angesehen."

Teilnehmer des Spitzengesprächs waren u.a. Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Schering, Hubertus Erlen, Unternehmensberater Roland Berger, der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dietmar Harting, BMW-Aufsichtsrat Joachim Milberg und Dr. Gunter Thielen, Vorsitzender des Vorstandes der Bertelsmann AG.

Aus der Wissenschaft nahmen neben Prof. Wahlster der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger und der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek teil.

Das Kabinett war durch Bundesaußenminister Joschka Fischer, Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement vertreten.

Diskutiert wurde auch die Rolle der Projektförderung und Programmsteuerung im Innovationsprozess. Prof. Wahlster: "Wir müssten in Europa die 3%-Marke bei der Innovationsförderung schnellstens erreichen, aber gleichzeitig die Effizienz des Forschungssystems massiv verbessern und dabei die Strukturen und Prozesse auf innovationsorientierte Forschung hin umgestalten. Wir brauchen mehr Projektförderung und Programmsteuerung mit Leitinnovationen, in denen Industrie Hochschulen und Forschungszentren für eine begrenzte Zeit mit klaren Zielvereinbarungen und internationaler Begutachtung zusammenarbeiten. Dazu brauchen wir mehr Mittel. Es muss aber dafür gesorgt werden, dass die Mittel auch bei den eigentlichen Innovatoren ankommen und nicht in der Verwaltung oder Infrastrukturen hängen bleiben. Hier kann man von erfolgreichen Unternehmen viel über modernes und schlankes Management lernen. Bei der Gründung neuer Institute sollte stets auch über Möglichkeiten der Schließung nachgedacht werden, wenn die Zielvereinbarungen nicht erreicht oder das Innovationspotential zu gering geworden ist. Die Forschung muss selbstverständlich in der Methodenwahl frei sein, aber mehr Programmsteuerung in Ideenwettbewerben ist notwendig, um Innovationen dort gezielt zu stimulieren, wo wir in Deutschland auch die Umsetzer, das Profil und die internationalen Marktzugänge haben."

Auch die Rolle der Software in Leitinnovationen betonte Prof. Wahlster: "Wir haben derzeit immer noch zu viel traditionelle Forschung im Bereich Hardware, die ja von amerikanischen und asiatischen Firmen dominiert wird und immer geringere Margen abwirft, und zu wenig im Bereich Software. Dabei stammen nach Studien von Mercedes und BMW mehr als 80% der Innovation im Auto aus neuer Software. Das Gleiche gilt auch für Handys und andere moderne technische Systeme. SAP ist bekanntlich das einzige neue europäische IT-Unternehmen, das weltweit eine Marktführerschaft erlangt hat und das nicht im Bereich der Hardware, sondern der Software. In Deutschland sind wir auch im Bereich der eingebetteten Systeme, wo Maschinenbau, mit Softwaretechnik und Prozesstechnik zusammenkommen, Spitzenklasse. Wir müssen mehr hochzuverlässige, robuste und innovative Produkte mit erstklassigem Design und einfacher Bedienung entwickeln und produzieren. Diese dürfen dann ruhig etwas teurer sein, wie die Beispiele BMW, Porsche und Mercedes belegen. Wir sollten dabei die Marke "Made in Germany" mittelfristig wohl durch "Created in Germany" ersetzen, weil wir im Zeitalter der Globalisierung nicht immer die Endproduktion eines Produktes, aber dessen Weg von der Grundlagenforschung z.B. in Informationstechnologie, Nanotechnologie und Neuen Materialien bis hin zum Produkt und dessen Finanzierung und Vertrieb von hier aus steuern."

Von größter Bedeutung ist die Verzahnung aller Innovationsphasen in Innovationspartnerschaften. Wahlster: "1300 Technologietransferstellen in Deutschland haben noch nicht den erwünschten Erfolg gebracht, weil sie zu sehr auf das überholte Fließbandprinzip der Innovation abgestimmt sind, nach dem sehr viele Übergabepunkte vom Grundlagenresultat bis zur Produktinnovation über eine sehr lange Zeitspanne durchlaufen werden müssen. Moderne Forschung muss stärker auf einer Verzahnung aller Innovationsphasen und starken Innovationspartnerschaften beruhen, um den sehr kurzen Zyklen der Innovation gerecht zu werden."

Wahlster betonte die Bedeutung der universitären Forschung: "Wir sollten mehr Forschungsprofessuren mit geringem Lehrdeputat und ohne Aufgaben in der akademischen Selbstverwaltung (wie an amerikanischen Elite-Unis) einrichten." Eine große Chance für die Spitzenforschung liegt in vernetzten Regionen der Exzellenz. "Regionen der Exzellenz, die aus Clustern von Fachbereichen und An-Instituten in den verschiedenen Bundesländern bestehen, sollten sich nach einer gründlichen internationalen Evaluation zu einer verteilten Forschungsuniversität mit Eliteanspruch zusammenschließen." Sehr wichtig ist die periodische Evaluation: "Dabei sollte alle drei bis fünf Jahre eine Evaluation durchgeführt werden, ob die einzelnen Zentren auf Ihrem Gebiet noch die Spitzenstellung haben oder durch andere Zentren, die im Wettbewerb stehen, überflügelt wurden. Hier sollte es aber wie beim Michelin-Stern oder der Bundesliga zugehen: keine Eliteeinrichtungen aus Tradition und Image, sondern streng nach Leistungsparametern. Wie in der Bundesliga oder bei Spitzenrestaurants kann durch Spieler- oder Koch-Transfer auch rasch eine Spitzenregion oder ein Cluster abrutschen oder ein vorher unbekanntes Team zum Champion aufsteigen."

Das DFKI ist eine Private-Public-Partnership mit Großunternehmen, Mittelständlern, den Ländern Rheinland-Pfalz und Saarland als Gesellschaftern der DFKI GmbH und dem BMBF als wichtigem Projektförderer. Die Industrie hat die Mehrheit im Aufsichtsrat. Das Motto des DFKI ist "Innovation pur". Ohne staatliche Grundfinanzierung, also durch reine Auftrags- und Projektforschung hat sich das DFKI nach 15 Jahren zum weltweit größten Zentrum für innovative Softwaretechnologien mit 200 Spitzenforschern entwickelt. Das DFKI wirkt für hochbegabte Wissenschaftler als eine Art Durchlauferhitzer für eine Karriere als Unternehmensgründer, Industrie-Forscher oder Hochschullehrer. 38 ehemalige Mitarbeiter sind inzwischen Professoren, aber auch genauso viele haben Führungsposition in der Industrie. Die Vorgabe am DFKI ist, dass pro Forscher nach spätestens 10 Jahren drei hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Dieses Ziel wurde erreicht und 17 neue High-Tec-Firmen mit 600 hochwertigen Arbeitsplätzen in der Westpfalz und im Saarland gegründet.

Fotos von Prof. Wahlster finden Sie unter:
http://www.dfki.de/~wahlster/portrait_photos.html

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