Viel gelernt - doch wenig bescheinigt!

24.03.2004 - (idw) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

BIBB sucht gangbare Wege zum Nachweis informell erworbener Kompetenzen

Nicht nur in der Schule, im Betrieb, in Bildungseinrichtungen, an der Hochschule oder in der Universität wird (fürs Leben) gelernt - gelernt wird auch außerhalb formaler Bildungsgänge, sozusagen "informell" und gleichsam nebenbei: Ob bei der Abwicklung privater Erbangelegenheiten, der Finanzierung des Eigenheimbaus, der Leitung eines Vereins oder der arbeitsplatzübergreifenden Hilfe im Betrieb - in allen Lebensbereichen werden Kompetenzen erworben, die das persönliche Qualifikationsprofil erweitern. Fachleute schätzen, dass bis zu 70% der berufsrelevanten Kompetenzen informell, d.h. außerhalb von Bildungsinstitutionen, erworben werden. Wie aber können diese Kompetenzen beschrieben, bemessen und bewertet werden? Welche Methoden sind geeignet, informell erworbene Kompetenzen so sichtbar zu machen, dass sie z.B. bei Bewerbungsverfahren über Zertifikate nachgewiesen werden können? Einige EU-Staaten haben diese Fragen bereits beantwortet und entsprechende Maßnahmen entwickelt und eingeführt. In Deutschland stehen die Bemühungen, zusammenhängende Verfahren für die Bewertung und Anerkennung dieser Lernleistungen zu entwickeln, noch am Anfang.
Die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) am 30./31. März 2004 in Bonn veranstaltete

Fachtagung

"Informelles Lernen: Verfahren zur Dokumentation und Anerkennung im Spannungsfeld von individuellen, betrieblichen und gesellschaftlichen Anforderungen"

(Kurzfristige Anmeldungen noch möglich! Näheres s. im Internet unter http://www.bibb.de/de/1427.htm)

will Impulse geben für die weitere Entwicklung in Deutschland und Perspektiven aufzeigen für die Dokumentation und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen.

Die Zertifizierung von Lernleistungen ist in Deutschland nahezu ausschließlich im Bereich der formalen allgemeinen und beruflichen Bildung von Bedeutung. Zugleich zielt jedoch eine fast unüberschaubare Zahl unterschiedlicher Projekte, Programme und regionaler Initiativen darauf ab, Konzepte zur Bewertung von Kompetenzen zu entwickeln und anzuwenden, die im privaten oder sozialen Umfeld, in der Arbeit oder auch in der Weiterbildung erworben wurden.

Im Mittelpunkt der BIBB-Fachtagung stehen daher Berichte von Experten aus Bildung, Wissenschaft und aus der betrieblichen Praxis über den aktuellen Entwicklungsstand und über praktische Erfahrungen und Erkenntnisse mit der Anwendung von Instrumenten
- zu Entwicklungen und Methoden zur individuellen Dokumentation von Kompetenzen
- zur Erfassung und Dokumentation von Kompetenzen in betrieblichen Zusammenhängen
- zur Integration informellen Lernens ins Berufsbildungssystem.

Zugleich soll jedoch auch über die Grenzen hinweg nach Europa geblickt und von den europäischen Nachbarn gelernt werden: Vorgestellt und diskutiert werden auf der Tagung daher außerdem Modelle und Verfahren zur Anerkennung und Dokumentation, wie sie in Norwegen und Frankreich praktiziert werden.

Die Fachtagung wird im Rahmen des BIBB-Forschungsprojekts "Instrumente zur Erfassung informellen Lernens im Prozess der Arbeit" durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, die in Europa vorhandenen Modelle und Erkenntnisse zur Dokumentation und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen zu erfassen, systematisch auszuwerten und zu verdichten, um im Anschluss daran Gestaltungsmöglichkeiten für Kompetenzfeststellungsverfahren aufzuzeigen.

Weitere Informationen zu dem BIBB-Forschungsprojekt in

- Irmgard Frank, Katrin Gutschow, Gesa Münchhausen: Vom Meistern des Lebens - Dokumentation und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Grundsätzliche Überlegungen und internationale Beispiele." In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) Nr. 4/2003 (7,60 Euro)

- Irmgard Frank: Bewertungsverfahren im Kontext individueller Kompetenzentwicklung - gangbare Wege". In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) Nr. 1/2004 (7,90 Euro)

Bestellanschrift: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-mail: service@wbv.de