Vergiftungsunfälle bei Kindern: Beratungsbedarf steigt enorm

09.04.2004 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Studie zeigt: "Notfall-Box" ideal für richtige Erstversorgung

Rund 8400 Eltern von Kleinkindern im Alter bis zu vier Jahren haben im vergangenen Jahr bei der Vergiftungs-Informations-Zentrale (VIZ) Freiburg wegen eines Vergif-tungsunfalls ihrer Kinder angerufen. Nach Angaben der VIZ - für ganz Baden-Württemberg die Anlaufstelle bei Vergiftungsunfällen - ist diese Zahl seit dem Jahr 2001 um über 50 Prozent angestiegen. Wichtig für eine optimale Erstversorgung sei, dass Eltern die richtige Anlaufstelle für schnelle Hilfe kennen und die geeigneten Ge-genmittel zur sofortigen Anwendung vorrätig haben. Eine gemeinsame Initiative der VIZ in Kooperation mit dem Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) und der Techniker Krankenkasse (TK) habe nun gezeigt, dass dieses Ziel mit einfachen Mitteln erreicht werden könne.

"Der Beratungsbedarf hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen", sagte Dr. Uwe Stedtler, stellvertretender Leiter der VIZ Freiburg, heute in Freiburg. In der Re-gel meldeten sich die Eltern wegen Unfällen der Kinder im häuslichen Bereich, bei denen Haushaltsprodukte wie Haushaltschemikalien und Kosmetika, Medikamente und Pflanzenteile verschluckt werden. Um eine schnellere Hilfe für diese Kinder zu ermöglichen, haben die TK und der LAV Baden-Württemberg eine Notfall-Box gegen Vergiftungen bei Kindern entwickelt. Auf dieser roten Box ist nicht nur die Nummer des VIZ Freiburg aufgedruckt, sie enthält auch wichtige Hinweise für umsichtiges Verhalten nach einer Vergiftung. Den passenden Inhalt für die Box - Medizinische Kohle und ein entschäumendes Mittel - erhalten die Eltern in der Apotheke.

Die TK hat die Box zusammen mit einem Faltlblatt mit Tipps zur Vermeidung von Giftunfällen bei Kindern vor einem Jahr an rund 4.000 Eltern in Baden-Württemberg versandt. Die Studie in Kooperation mit dem VIZ hat nun gezeigt, dass Eltern durch die Notfall-Box eindeutig besser auf Vergiftungs-Unfälle ihrer Kinder reagieren kön-nen. Sie müssen nicht lange die richtige Telefon-Nummer suchen und haben im Ide-alfall die geeigneten Präparate im Haus. "Der Anteil der gut vorbereiteten Eltern bei der TK konnte durch die Initiative verdoppelt werden", betonte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Die Zeitspanne bis zur effektiven Hilfe werde deutlich verkürzt , was für den Behandlungserfolg enorm wichtig sei.

Aufgrund des positiven Studienergebnisses hat die TK die Giftnotfall-Box nun erneut an rund 4000 Eltern in Baden-Württemberg versandt. Die Box ist in Baden-Württem-berg zudem in Apotheken und den Geschäftsstellen der TK erhältlich. In der Apothe-ke erfahren die Eltern in einer ausführlichen Beratung, wie die Box und die zugehöri-gen Arzneimittel richtig angewendet werden.

Hinweis für die Redaktionen:
Die Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg ist ein kostenloser 24-Stunden-Notfall- und Informati-ons-Service für alle, die Informationen im Zusammenhang mit Vergiftungen und Drogen benötigen.

Tel.-Nummer: 0761 / 19240
Internet: www.giftberatung.de

Saisonal bedingt besteht derzeit insbesondere die Gefahr durch Verwechslung von Bärlauch, dessen feingehackte Blätter gerne als Würzmittel oder Salat verwendet werden, mit den Blättern von Herbst-zeitlose und Maiglöckchen. Die Blätter dieser beiden Pflanzen besitzen giftige Inhaltsstoffe, die vor allem bei Kindern lebensgefährliche bis tödliche Verletzungen hervorrufen können.

Fotos zum Thema "Vergiftungsunfälle bei Kindern" sind bei der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg erhältlich.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Dr. Uwe Stedtler
stellv. Leiter der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg
Tel. 0761 / 192 - 40; Fax 0761 / 270 - 44 57; e-mail: giftinfo@kikli.ukl.uni-freiburg.de

Hubert Forster
TK-Landesvertretung Baden-Württemberg; Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0711 / 250 95 - 404; Fax 0711 / 250 95 - 444; e-mail: Hubert.Forster@tk-online.de

Frank Eickmann
Landesapothekerverband Baden-Württemberg; Pressesprecher
Tel. 0711 / 223 34 - 77; Fax: 0711 / 223 34 - 99; e-mail: eickmann@apotheker.de