Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Wilhelm Schreiber gestorben

25.04.2004 - (idw) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Im Alter von 79 Jahren starb am 22. April Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Wilhelm Schreiber, ehemaliger Direktor der Abteilung für Allgemeinchirurgie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), nach einer schweren Lungenentzündung.

Professor Schreiber wurde am 17. September 1924 als Sohn eines Landarztes in der Eifel geboren. Er studierte Medizin und habilitierte sich 1962 in Bonn. Dort arbeitete er zunächst als Oberarzt in der Chirurgischen Universitätsklinik, bevor er 1965 als Chefarzt der Chirurgischen Abteilung und gleichzeitig Ärztlicher Direktor an das Marienkrankenhauses in Hamburg ging.

1973 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Allgemeinchirurgie an die Universität Hamburg und blieb bis zu seiner Emeritierung 1990 im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Vier Rufe an andere Universitätskliniken lehnte er ab. Neben seiner Tätigkeit in Lehre, Krankenversorgung und Forschung prägte er von 1976 bis 1978 zudem als stellvertretender Ärztlicher Direktor und stellvertretender Sprecher des Fachbereichs Medizin die strukturelle Entwicklung des Hamburger Universitätsklinikums. Stets engagierte sich Professor Schreiber auch besonders stark in der Medizinerausbildung und war ein sehr beliebter Lehrer.

Professor Schreiber war einer der renommiertesten Chirurgen seiner Zeit in Deutschland. Als herausragender Repräsentant seines Fachs setzte er Zeichen, insbesondere mit Hamburgs erster Lebertransplantation 1984. Sein Schwerpunkt war die Magenchirurgie: Er entwickelte eine Operationsmethode zum Magenersatz nach Magenentfernung, durch die Operationsrisiken erheblich gesenkt werden konnten. Mitte der 60er Jahre initiierte er als einer der ersten die endoskopische Chirurgie. Weitere Schwerpunkte waren die Pathophysiologie und Chirurgie der portalen Hypertension (des Überdrucks der Pfortader) sowie die chirurgische Onkologie: Unterstützt durch die Deutsche Krebshilfe gründete Professor Schreiber zusammen mit dem damaligen Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. Karl-Heinz Hölzer, 1976 in Hamburg das erste Tumorzentrum der Bundesrepublik.

Professor Schreibers Lebensphilosophie war von tiefer Humanität und Erfahrung bestimmt. Die Geschichte der Philosophie, der Ethik und der Religion bestimmten seine Gedanken zum eigenen Fach. So vertrat er auch 1974 in seiner Antrittsvorlesung die Ansicht: "Das Wohl des Arztes und in genau gleicher Weise auch das Heil seiner Kranken hängen wesentlich davon ab, mit welchen Augen der Arzt die Welt, das Leben und seinen Beruf ansieht."
Als praktizierender katholischer Christ bezog Professor Schreiber in sein ärztliches Handeln immer die christliche Ethik mit ein. Er war stets nicht nur Arzt, sondern auch Mitmensch, dem die Patienten besonders am Herzen lagen. Die ärztliche Verantwortung stand im Mittelpunkt seines Handelns. So leitete Professor Schreiber über Jahre hinweg einen von ihm in Hamburg etablierten Arbeitskreis Juristen und Ärzte, der sich mit Fragen der Ethik in der Medizin befasste, und erarbeitete auch eine kritische Analyse zur Stellung der Ethik in unserer Zeit.

Von Professor Schreiber sind mehr als 400 wissenschaftliche Publikationen erschienen. Besonders hervorzuheben ist seine zehnbändige, in mehreren Auflagen erschienene Operationslehre, die weltweit höchste Anerkennung erntete. An ihr arbeitete er auch noch kontinuierlich in den Jahren nach seiner Emeritierung. Glänzend formulierte Arbeiten und Reden zu vielerlei Anlässen zeichneten ihn als "Mann des Wortes" aus.

Für sein Wirken wurden Professor Schreiber zahlreiche Anerkennungen zuteil:
Bereits 1962 wurde er mit dem von-Langenbeck-Preis, dem bedeutendsten Preis der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, ausgezeichnet. 1985 erhielt er die Ehrenplakette der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Besonders ehrenvoll war für ihn die 1985 von Papst Johannes Paul II.ausgesprochene Ehrung, die ihn für sein vielfältiges Engagement im kirchlichen Bereich zum Ritter des Gregorius-Ordens ernannte. Prof. Schreiber war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und später Ehrensenator dieser Fachgesellschaft. 1999 wurde ihm die angesehene Ernst-Jung-Medaille der gleichnamigen Hamburger Stiftung verliehen.

Professor Schreiber war Mitglied der Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu Halle sowie zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften.

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