Studie zur Präeklampsie

29.05.2004 - (idw) Universitätsklinikum Mannheim

Suche nach Zusammenhang zwischen Ernährung und Schwangerschafts-Risiken

Wie international inzwischen die Medizin geprägt ist, illustriert ein Forschungsprojekt der Mannheimer Universitäts-Frauenklinik. Dabei geht es um die Erkundung möglicher Ursachen einer Krankheit, die während einer Schwangerschaft auftreten kann: Bei der Präeklampsie kommt es zu einem plötzlichen Anstieg des Blutdrucks, was unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann. Die Universitätsfrauenklinik arbeitet bei Suche nach den weitgehend unklaren Ursachen für diese Erkrankung seit zwei Jahren mit der Universidad de Los Andes in Mérida / Venezuela zusammen. Geleitet wird die wissenschaftliche Studie von dem Mannheimer Gynäkologen Dr. Johannes Frühauf, der seinerseits gerade für ein Jahr an der Harvard Medical School in Boston / USA arbeitet.

Ausgangspunkt der Forschungsarbeiten ist die Vermutung, dass ein Mangel an Riboflavin (Vitamin B2) ein gehäuftes Auftreten der Präeklampsie zur Folge hat. Denn in Entwicklungsländern hatten Beobachtungen gezeigt, dass das Auftreten dieser Krankheit offensichtlich jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, ohne dass dies durch unterschiedliche klimatische Einflüsse erklärt werden konnte. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Ernährung der Schwangeren eine wesentliche Rolle spielen könnte. Denn die Nährstoffversorgung unterliegt vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern saisonalen Schwankungen: Ihren Tiefpunkt erreicht sie vor Beginn der neuen Ernte, wenn Nahrungsmittelvorräte entweder aufgebraucht sind oder der Nährstoffgehalt der Lebensmittel durch längere Lagerungszeiten erheblich reduziert ist. Die Mediziner vermuten, dass Riboflavin eine wichtige Rolle bei der Abwehr von "oxidativem Stress" und bei der Entwicklung der Plazenta spielt, bei einer Mangelernährung aber nicht in der erforderlichen Menge aufgenommen wird.

Bei ihrem Forschungsprojekt "PROPER" konzentrieren sich die Mannheimer in Zusammenarbeit mit der venezuelanischen Gesundheitsorganisation "Programa de Preventión de Preeclampsia (PPP)" daher auf den Zusammenhang zwischen Riboflavin-Mangel und dem Auftreten von Präeklampsie bei Risikopatientinnen. Zu dieser Patientinnengruppe zählen beispielsweise Erstgebärende sowie Frauen, die schon einmal eine Präeklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft durchgemacht hatten.

Seit September 2003 wird in Mérida, Venezuela, im Rahmen der Studie einer Gruppe von Patientinnen ab der 20. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich eine spezielle Dosis Riboflavin verabreicht. Die Schwangeren werden, ebenso wie die Patientinnen in einer Kontrollgruppe, in regelmäßigen Abständen untersucht. Die Forscher aus Mannheim und Venezuela erhoffen sich weitere wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, inwieweit gezielte Vitaminbehandlungen als Maßnahme zur Vorbeugung der Präeklampsie dienen können. Ein weiteres Ziel der Studie liegt in der Fortbildung des Fachpersonals vor Ort, der Aufklärung der Öffentlichkeit über Gefahren von hochdruckbedingten Schwangerschaftskomplikationen sowie der daraus ableitbaren Notwendigkeit einer regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorge, die für Schwangere in Deutschland seit Jahrzehnten selbstverständlich ist.

Die Präeklampsie tritt in Deutschland bei etwa fünf bis zehn Prozent der Schwangeren auf und äußert sich bei den Betroffenen in einem plötzlich auftretenden Anstieg des Blutdrucks, der bei Nichtbehandlung der Anfangssymptome weitere organische Schäden nach sich ziehen kann. Und zwar sowohl bei der Schwangeren selbst (etwa an Niere und Leber) als auch beim Fetus (zum Beispiel Wachstumsstörungen, Unreife, Frühgeburt). Aufgrund der Vorsorgeuntersuchungen können in Deutschland schwerwiegende Folgen der Krankheit in aller Regel vermieden werden. In Entwicklungsländern ist sie dagegen bis heute eine der häufigsten Todesursachen schwangerer Frauen.