Budweiser Ehrendoktor für den Augsburger Mittelaltergermanisten Werner Williams

07.06.2004 - (idw) Universität Augsburg

Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen wurde auch Williams' Engagement für die engen Austauschbeziehungen beider Universitäten gewürdigt ---

Auf Initiative des Instituts für Germanistik hat die Südböhmische Universität Budweis dem Augsburger Mittelalter-Gemanisten Prof. Dr. Werner Williams die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Auszeichnung erhielt Williams zum einen für seine herausragenden Verdienste um die Erforschung der deutschen Literatur des Spätmittelalters und insbesondere als "weltweit anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der deutschen mittelalterlichen Legenden"; zum anderen gilt sie aber auch dem Engagement, mit dem Williams Anfang der 1990er Jahre einen Kooperationsvertrag zwischen den Universitäten Augsburg und Budweis initiiert hat, und seinem kontinuierlichen Einsatz für den bilateralen studentischen Austausch im Fach Germanistik, der diesen Kooperationsvertrag bis heute ungebrochen mit Leben füllt. Die Ehrenpromotion fand am 13. Mai 2004 in Anwesenheit von Vertretern der Leitungen aller tschechischen Universitäten im alten Rathaussaal von Budweis statt.


Den feierlichen Rahmen für die Ehrenpromotion von Prof. Dr. Werner Williams (2.v.l.) gab der alte Rathaussaal von Budweis. Foto: Universität Budweis Prof. Dr. Václav Bok, wie Williams Germanist und auf Budweiser Seite Motor der Austauschbeziehungen, hob in der Laudatio auf Williams dessen wissenschaftliche Wurzeln in der Würzburger Schule von Prof. Dr. Kurt Ruh hervor, die in den 1970er Jahren ihr Augenmerk auf die bis dahin kaum beachteten religiösen, juristischen und historischen deutschsprachige Texte des Spätmittelalters richtete und diese über die sogenannte überlieferungsgeschichtliche Methode zugänglich machte.

ANREGUNGEN FÜR LITERARISCHE FORSCHUNG IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN

Williams hat sich dabei von Beginn an primär den Legenden und Legendaren gewidmet und 1986 die grundlegende, bis heute auf diesem Gebiet unentbehrliche Untersuchung "Die deutschen und niederländischen Legendare des Mittelalters" vorgelegt. Durch sie erst, erläuterte Bok, sei man u. a. auf die Existenz deutschsprachiger Legenden über böhmische Landesheilige aufmerksam geworden. Williams' derzeitiges Projekt, die Edition des um 1400 entstandenen Legendars "Der Heiligen Leben" werde, so Bok, werde nicht nur für die Kenntnis der spätmittelalterlichen "Massenliteratur" im Deutschland von Bedeutung sein, man dürfe sich davon vielmehr auch eine Anregung und Bereicherung der historischen und literarischen Forschung in den böhmischen Ländern erwarten.

14 JAHRE KONKRETE ZUSAMMENARBEIT

Der Anerkennung, die er ihm als Wissenschaftler zollte, ebenbürtig, war der Dank der Universität Budweis und speziell ihres Instituts für Germanistik, den Buk "für 14 Jahre konkrete Zusammenarbeit" an Williams richtete - "Dank für seine unermüdliche Aktivität beim Organisieren einer großen Anzahl von Unternehmungen, die er angeregt, organisiert und an denen er persönlich teilgenommen hat. Bereits zehnmal hat er den einwöchigen Aufenthalt einer Gruppe von Budweiser Studierenden und Hochschullehrern in Augsburg organisiert und diese Aufenthalte auch finanziell abgesichert. Bereits elfmal hat er an dem alljährlich im Böhmerwald stattfindenden gemeinsamen Blockseminar teilgenommen. Und er hat nicht nur als Vortragender und anregender Diskussionsteilnehmer teilgenommen, sondern auch in einer Funktion, die man bei einem der führenden deutschen Mediävisten wohl kaum vermuten würde: als Fahrer des Augsburger Universitätsbusses, mit dem er seine Studierenden sicher zu uns und wieder nach Hause gebracht hat."

MIT DIE SCHÖNSTEN MOMENTE IM STUDIUM

Es müsse nicht betont werden, dass die Atmosphäre dieser gemeinsamen Veranstaltungen nicht nur Arbeitscharakter habe, sondern stets sehr freundschaftlich und fröhlich sei. "Für uns Dozenten", sagte Bok, "ist es erfreulich zu beobachten, wie die ansonsten eher schweigsamen tschechischen Studentinnen und Studenten in der entspannten Atmosphäre dieser Blockseminars aus sich herausgehen, lebhaft diskutieren, ihre fachlichen Kenntnisse nachweisen und gleichwertige Partner ihrer deutschen Kommilitoninnen und Kommilitonen sind. Es gereicht sicherlich Werner Williams zur Ehre, wenn unsere Studierenden und Absolventen häufig und unabhängig voneinander betonen, dass die gemeinsamen Seminare im Böhmerwald und der Aufenthalt in Augsburg zu ihren schönsten Momenten im Studium gehörten."

WISSENSCHAFTLICHE HORIZONTERWEITERUNG

In seiner Dankesrede freute sich Williams über die in der Ehrenpromotion zum Ausdruck kommende Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeit. Die Freundschaft mit Václav Bok und die immer enger gewordenen Beziehungen zur Universität Budweis hätten ihm nicht nur im persönlichen, sondern auch im wissenschaftlichen Bereich neue Horizonte erschlossen: "Mir wurde immer klarer, dass die 40-jährige politische und gesellschaftliche Trennung auch eine gewisse Trennung der wissenschaftlichen Interessengebiete verursacht hatte, dass das Blickfeld der Mittelaltergermanistik sich im wesentlichen auf den süddeutschen Raum eingeengt hatte - inklusive Österreichs, aber unter Ausgrenzung des Böhmisch-Mährischen und auch anderer Länder, die uns im Westen vor 1989 nur schwer zugänglich waren." Diese Horizonterweiterung sei für sein derzeitiges Projekt einer Geschichte der deutschsprachigen Literatur des 15. und frühen 16. Jahrhunderts von grundsätzlicher Bedeutung. Denn die großen literarischen Umwälzungen, die sich in dieser Zeit im deutschsprachigen Raum vollzogen hätten, insbesondere die explosionsartige Herstellung und Verbreitung vor allem geistlicher Literatur, seien zumindest indirekt nicht unwesentlich durch die radikalen Vorstellungen von Jan Hus veranlasst gewesen.

TSCHECHEN UND DEUTSCHE ZUSAMMENFÜHREN

Jenseits dieser wissenschaftlichen Aspekte sei für ihn, Williams, bei seinen Beziehungen zur Universität Budweis immer aber auch das Motiv maßgebich gewesen, "die lange voneinander getrennten und in vielfältiger Weise nicht unerheblich voneinander entfremdeten Tschechen und Deutschen zusammenzuführen, auch wenn dies nur auf junge Dozentinnen und Studierende beider Universitäten begrenzt war. Für mich galt als Vorbild die Aussöhnung der Deutschen mit dem langjährigen 'Erbfeind' Frankreich, die durch Kontakte junger Menschen in den 50er Jahren begann und ebenfalls durch eine Vielzahl solcher Initiativen im Kleinen getragen wurde." Er freue sich deshalb, dass Jahr für Jahr im November 15 Studentinnen und Studenten aus Budweis nach Augsburg kommen, um hier mit Augsburger Kommilitoninnen und Kommilitonen zusammen zu studieren und auch eine Weile zusammen zu leben."Über die Jahre dürften dadurch rund 175 Studierende aus Budweis mit einer entsprechenden Zahl von Augsburgern in engen Kontakt gekommen sein." Erfreulich sei auch die hohe Zahl der - teils vom DAAD längerfristig geförderten - tschechischen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die an der Universität Augsburg studieren oder forschen, sowie die zu erwartende Intensivierung dieses Austauschs durch ein im Herbst dieses Jahres anlaufendes ERASMUS-Programm.