Der Weg zur sauberen Schule

24.10.1996 - (idw) Ruhr-Universitšt Bochum

Bochum, 23.10.1996 Nr. 193

Den eigenen Dreck selbst wegraeumen

UEber Erziehung auf dem Weg zur sauberen Schule

RUB-Psychologin erarbeitet Konzept mit Schuelern und Lehrern

Zwar sind Schulen gesetzlich verpflichtet, Abfall zu vermeiden bzw. verwerten, doch die Praxis sieht meist sehr anders aus: Mit dem Muell werden sie kaum fertig. Dipl.-Psych. Ute Brueggemann (Kognitions- und Umweltpsychologie, Fakultaet fuer Psychologie der RUB, Leiter: Prof. Dr. Rainer Guski) zeigte jetzt am Beispiel der Gesamtschule Koenigsborn in Unna, dass und wie Schueler ein dauerhaftes Umweltbewusstsein entwickeln koennen. Fuer ihre Diplomarbeit ,Muelltrennung in der Schule - Durchfuehrung und Evaluation einer umweltpsychologischen Intervention" erhielt Ute Brueggemann einen der diesjaehrigen Georg Sieber Preise fuer anwendungsorientierte Diplomarbeiten, die von der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Foerderung der Psychologie e.V. in Bonn vergeben wird. Die oertliche Gesellschaft fuer Wertstoff- und Abfallwirtschaft Kreis Unna mbH (GWA) unterstuetzte die Arbeit der Bochumer Wissenschaftlerin und nutzt die Ergebnisse fuer die eigene Abfallberatung.

Erziehungsauftrag ernst genommen

Die Schule ist nicht nur als Muellproduzent, sondern auch wegen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags als Untersuchungsraum fuer eine umweltpsychologische Studie interessant. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass gerade eine fruehzeitige Umwelterziehung effektiv ist. Und nicht zuletzt oekonomische Gruende sprechen fuer die Optimierung der Abfallentsorgung an den Schulen. Da die nordrhein-westfaelischen Schulen im Zuge der Umstellung auf dezentrale Ressourcenverwaltung eigenverantwortlich ueber ihren Etat bestimmen koennen, waeren finanzielle Vorteile fuer sie direkt nutzbar.

Ergebnis: 45 % weniger Muell und 5.000 DM gespart

Die Ergebnisse der Schulabfallanalyse verdeutlichen, in welch grossem Masse an den Schulen Muellabfaelle vermieden oder zumindest besser verwertet werden koennen. Altpapier und -pappe machen 71% des gesamten Muells der Gesamtschule Koenigsborn aus, 21% entfallen auf Verpackungsabfaelle und je 4% zaehlen zum Bioabfall und Restmuell. Somit gehoeren ca. 95% des Gesamtabfallaufkommens zu den wiederverwertbaren Stoffen und nur etwa 5% muessen ueber den Restmuell entsorgt werden. Die gemeinsame Arbeit von Schuelern, Lehrern und Dipl.-Psych. Brueggemann waehrend der drei Monate intensiv betreuten Experimentalklasse veraenderte das Verhalten der jungen Leute, so dass insgesamt 45% weniger Muell anfielen - 57% weniger Altpapier, 38% weniger Verpackungsabfaelle und 24% weniger Restmuell. Die Kostenersparnis bei den Abfallgebuehren betrug ca. 5000 DM pro Jahr. Zudem wurde das Personal entlastet, weil die Schuelerinnen und Schueler viele Aufgaben selbst uebernommen haben

Betreuungsaufwand entscheidend

In einer zweiten Experimentalklasse, die nur mit wesentlich geringerem zeitlichen Aufwand instruiert wurde, konnten keine wesentlichen Verhaltensaenderungen festgestellt werden, ebenso in einer dritten Kontrollklasse, deren Muellverhalten lediglich vergleichend erfasst wurde. Das Projektes sorgte jedoch in allen drei Klassen fuer stark verbesserte Ergebnisse bei der primaeren Abfalltrennung; das bestaetigten Messungen sowie Gespraeche mit Lehrern und Schuelern. Die Anzahl der Fehlwuerfe in die nach Muellsorten getrennten Behaelter sank in der ersten Experimentalklasse von insgesamt 42 in den ersten fuenf Wochen auf 23 in den letzten fuenf Wochen der Datenerhebung ab. Zum Vergleich stieg die Zahl der Fehlwuerfe fuer die gleichen Zeitraeume in der zweiten Experimentalklasse von 23 auf 45 und in der Kontrollklasse von 39 auf 50 an.

Schueler uebernehmen Regie

Die Schuelerinnen und Schueler haben sich nach Abschluss der Datenerhebung spontan bereit erklaert, die Vorsortiergefaesse auch zukuenftig in Eigenregie zu leeren, damit die Abfalltrennung unter den neuen Rahmenbedingungen (kein Mehraufwand fuer das Personal etc.) aufrechterhalten wird.

Schulleitung zufrieden

Insgesamt ist fuer Ute Brueggemann das Ziel der Aktion - eine zufriedenstellende Abfalltrennung und -vermeidung einzufuehren - erreicht worden. Die beschriebenen Erfolge sind eindeutig auf die gemeinsame Diskussion zurueckzufuehren, der Einfluss von Stoerfaktoren ist weitgehend auszuschliessen. Nach Einschaetzung der Schulleitung und der Lehrer wurden fuer das Interventionsprogramm drei Klassen des achten Jahrgangs ausgewaehlt, die am schwierigsten zu Verhaltensaenderungen zu bewegen sind. Es ist davon auszugehen, dass sich die grundlegenden Interventionen problemlos auf die uebrigen Klassen der Gesamtschule Koenigsborn und anderer Schulen uebertragen lassen, womit den Anforderungen an die externe Validitaet Rechnung getragen wurde.

Weitere Informationen

Dipl.-Psych. Ute Brueggemann, Ruhr-Universitaet Bochum, Fakultaet fuer Psychologie (Lehrstuhl fuer Kognitions- und Umweltpsychologie, Prof. Dr. Rainer Guski), 44780 Bochum, Tel.: 0234/700-2670, Fax.: 0234/7904-110.