Treibt ein Krebsmittel den Blutdruck in die Höhe

16.10.1997 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Strahlentherapeuten traeumen davon, boesartige Tumoren bestrahlen zu koennen, ohne das umgebende gesunde Gewebe zu belasten. Bei Tumoren des sympathischen Nervensystems ist das machbar. Ein Projekt an der Universitaet Wuerzburg soll moegliche Nebenwirkungen des entsprechenden Medikaments klaeren.

Tumoren des sogenannten sympathischen Nervensystems treten meist nicht im Gehirn, sondern an anderen Stellen des Koerpers auf, etwa in den Nebennieren. Sie koennen mit radioaktiv markiertem m-Jodbenzylguanidin (MIBG) behandelt werden: Dieser Wirkstoff gelange ausschliesslich in die Zellen und Nervenfortsaetze des sympathischen Nervensystems, wo er angereichert und gespeichert werde, wie Prof. Dr. Karl-Heinz Graefe vom Institut fuer Pharmakologie und Toxikologie erlaeutert. Durch die radioaktive Strahlung sei es dann zum einen moeglich, den Tumor abzubilden und damit im Koerper aufzuspueren. Zum anderen koenne die Strahlung den Tumor vernichten, wobei das angrenzende Gewebe kaum in Mitleidenschaft gezogen werde. Die Frage sei nur, so Prof. Graefe, ob durch die Gabe von MIBG ungewollt der UEbertraegerstoff des sympathischen Nervensystems freigesetzt wird. Dieser Verdacht ist begruendet, weil MIBG durch ein Transportprotein in die sympathischen Nerven aufgenommen wird, das normalerweise dafuer zustaendig ist, den aus den Nerven entlassenen UEbertraegerstoff Noradrenalin wieder in die Zellen hineinzuschaffen. Nun haben aber Substanzen, die wie MIBG ueber den Noradrenalin-Transporter aufgenommen werden, haeufig die Eigenschaft, dass sie die Noradrenalinspeicher der Nerven entleeren. Sie koennen deshalb Wirkungen entfalten, wie sie bei einer starken Erregung des sympathischen Nervensystems beobachtet werden - zum Beispiel einen drastischen Anstieg von Blutdruck und Pulsfrequenz. Ob MIBG ebensolche Wirkungen hat, sollen die Untersuchungen klaeren, die Prof. Graefe zusammen mit Dr. Jamshid Farahati von der Klinik fuer Nuklearmedizin der Universitaet Wuerzburg durchfuehrt. Finden die Wissenschaftler solche Wirkungen, wuerde das die Anwendung von MIBG in der Klinik begrenzen. Ihr Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerdert.

Kontakt: Prof. Dr. Karl-Heinz Graefe, Telefon (0931) 201-3994