ILA' 96 Satellitenprojekt CHAMP

13.05.1996 - (idw) GeoForschungsZentrum Potsdam

ILA Internationale Luftfahrt-und Raumfahrtausstellung Berlin-Schoenefeld

CHAMP - ein ostdeutscher Satellit fuer die Geoforschung aus dem All stellt sich auf der ILA '96 vor

GFZ Potsdam - Im Jahr 1994 begann am GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) die Arbeit an einem Kleinsatellitenprojekt im Osten Deutschlands mit dem Namen CHAMP. Nach dem Lasersatelliten GFZ-1 ist CHAMP das zweite Raumfahrtprojekt des GFZ.

Weltweit ist der Einsatz von Kleinsatelliten zur Realisierung anspruchsvoller wissenschaftlicher Zielsetzungen im Vormarsch. Solche Mini-Satelliten sind auf einen speziellen Zweck zugeschnitten und erfuellen ihre Aufgabe kostenguenstiger als grosse Satelliten - in einer Zeit zunehmend knapper finanzieller Mittel kein unwichtiges Argument.

CHAMP steht fuer Challenging Mini-Satellite Payload for Geophysical Research and Application. Dieser Satellit fuer geowissenschaftliche Fragestellungen soll drei Aufgaben erfuellen: erstens soll er die Kenntnis ueber das Schwerefeld unseres Planeten betraechtlich erweitern, zweitens soll er das Magnetfeld und dessen zeitliche Aenderungen erkunden und drittens soll er Sondierungen der Atmosphaere und Ionosphaere vornehmen. Diese drei Arbeitsfelder sind nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, sondern bergen ein erhebliches Nutzungspotential. So kann CHAMP auch ueber Ozeanen oder unzugaenglichen Gebieten den vertikalen Temperaturverlauf in der Atmosphaere bestimmen und fuer die operationelle Wettervorhersage sowie fuer die Klimaforschung nuetzlich sein. Das aeussere Magnetfeld der Erde wirkt als Schutzschild gegen den Sonnenwind. CHAMP soll einen Beitrag zur Erforschung des Magnetfeldes liefern und Aufgaben bei der globalen Langzeitueberwachung uebernehmen, denn aus Beobachtungen an der Erdoberflaeche sind ausgepraegte zeitliche Aenderungen dieses "Schutzschildes" bekannt.

CHAMP existiert bisher nur als Konzept. Die heisse Phase der Realisierung beginnt ab Mitte 1996. Im Jahre 1999 soll dann der Start stattfinden, wobei derzeit noch die Wahl zwischen drei Raketentypen zu treffen ist: START1, Cosmos oder eine zu friedlichen Zwecken konvertierte SS-18-Rakete sind bisher ins Auge gefasst worden. Die Preise fuer die Startraketen, die einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten einer Satellitenmission haben, sprechen z.Zt. alle fuer einen russischen Traeger. Unter der Federfuehrung des GFZ foerdert die Deutsche Agentur fuer Raumfahrtangelegenheiten (DARA) dieses Satellitenprojekt mit insgesamt 43 Mio. DM. Als sogenanntes "Leitprojekt fuer die neuen Bundeslaender" werden im wesentlichen ostdeutsche Unternehmen den Satelliten bauen. Mit der Konzentration der Projektmittel in den neuen Bundeslaendern will die DARA die im Osten Deutschlands vorhandenen Kompetenzen und Kapazitaeten im Raumfahrtbereich erhalten, die Leistungsfaehigkeit der Firmen verbessern und eine Qualifikation fuer den internationalen Markt ermoeglichen. Der Geo-Satellit wird etwa 300 kg wiegen, davon sind 25 Kilogramm wissenschaftliche Instrumente. Die Stromversorgung erfolgt ueber sechs Quadratmeter an Solarzellen mit eine Gesamtleistung von 140 Watt. CHAMP ist eine viereckige Schachtel von 1,7 Meter Laenge, die an der Vorderseite einen drei Meter langen Ausleger fuer Messgeraete traegt. Er fliegt anfangs in 500 Kilometern Hoehe und soll bis zum Ende seiner auf fuenf Jahre geplanten Lebensdauer auf 300 km absinken.

Auch im internationalen Rahmen hat das CHAMP-Vorhaben fuer Aufsehen gesorgt. Partner in Frankreich sowie bei der US-Raumfahrtbehoerde NASA haben ihr Kooperationsinteresse gezeigt und wollen ihre Geraete zum Teil kostenlos beistellen, um an den erwarteten Ergebnissen teilhaben zu koennen.

Kontakt: Prof. Dr. Christoph Reigber, GeoForschungsZentrum, Telegrafenberg A17, D- 14473 Potsdam, Telefon 0331 - 288 1100