Was tun, wenn die Erde bebt? - Trainingskurs

31.07.1996 - (idw) GeoForschungsZentrum Potsdam

WAS TUN, WENN DIE ERDE BEBT?

Seismologen aus aller Welt kommen zur Weiterbildung nach Potsdam

GFZ Potsdam - Am 31. Juli eroeffnet Prof. Rolf Emmermann, Wissenschaftlicher Vorstand des GeoForschungsZentrums Potsdam, einen 5-woechigen internationalen Trainingskurs fuer "Seismologie und Einschaetzung der Erdbebengefaehrdung". Bei der Eroeffnungszeremonie im GFZ auf dem Potsdamer Telegrafenberg sind Vertreter der UN-Organisation fuer Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), des Auswaertigen Amtes, des Ministeriums fuer Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, der Deutschen UNESCO-Kommission, des Deutschen Komitees fuer die Internationale Dekade der Vereinten Nationen fuer Katastrophenvorbeugung und der Carl Duisberg- Gesellschaft zugegen.

Thematisch konzentriert sich der Trainingskurs auf:

- die Ursachen von Erdbeben,

- deren instrumentelle Registrierung und detaillierte Analyse mittels moderner digitaler Auswerteverfahren,

- die Lokalisierung, Energieabschaetzung und Beschreibung des Bruchvorganges von Erdbeben,

- Einfluesse lokaler geologischer Untergrundbedingungen auf die Verstaerkung der Bodenerschuetterungen und damit auf die Zerstoerungskraft der Erdbeben,

- die Einschaetzung der Erdbebengefaehrdung verschiedener Regionen der Erde durch Bestimmung der Auftretenswahrscheinlichkeit von Erdbeben verschiedener Staerke in bestimmten Zeitraeumen unter Beruecksichtigung der geologischen Besonderheiten,

- die Darstellung der Moeglichkeiten zur Schadensbegrenzung oder gar

- vermeidung durch geeignete ingenieurtechnische Massnahmen der bebensicheren Bauweise und der verbesserten Landnutzungsplanung, und schliesslich auch auf

- Ansaetze zur Erdbebenvorhersage, an deren Ausarbeitung und Erforschung im GFZ im Rahmen eines Arbeitssschwerpunktes gearbeitet wird.

Der Kurs ist ein deutscher Beitrag fuer die Internationale Dekade der Vereinten Nationen zur Katastrophenvorbeugung (IDNDR) und des Ausbildungsprogramms der Division of Earth Sciences der UNESCO. Er wendet sich an Wissenschaftler und Techniker aus Entwicklungslaendern und wird ausser vom GFZ und der UNESCO auch von der Internationalen Assoziation fuer Seismologie und Physik des Erdinnern (IASPEI) weltweit empfohlen.

Die jaehrlich abgehaltenen Trainingskurse finden abwechselnd in Potsdam und in einem erdbebengefaehrdeten Land der Dritten Welt statt und umfassen ausser Vorlesungen auch umfangreiche und vielseitige praktische UEbungen sowie Gelaendeexkursionen und Besichtigungen technischer Einrichtungen zur Erdbeben-, Vulkan- und Tsunamiueberwachung. Sie bieten auch den beteiligten deutschen Experten und Institutionen die Moeglichkeit zum Aufbau intensiver langfristiger Kontakte in Entwicklungslaendern und zum Kennenlernen vor Ort von Bedingungen, Problemen und Potenzen zur Katastrophenbekaempfung und - vorbeugung in diesen Laendern.

Fuer diesen international renommierten Kurs hatten sich insgesamt 97 Seismologen aus 43 erdbebengefaehrdeten Entwicklungslaendern beworben. Da die Kurskapazitaet beschraenkt ist, konnten nur 26 Teilnehmer aus 21 Laendern ausgewaehlt werden: Albanien, Argentinien (2), Armenien (2), Bangladesh, Brasilien (2), China, Cuba, Fiji, Indien, Iran (2), Jemen, Kirgisien (2), Malaysia, Mexiko, Myanmar, Rumaenien, Syrien, Tuerkei, Turkmenien, Usbekistan und Venezuela.

Die Kursteilnehmer erhalten Stipendien und z.T. auch Reisekosten vom Arbeitsstab fuer humanitaere Hilfe des Auswaertigen Amtes, von der UNESCO und der UNO-Abteilung fuer humanitaere Hilfe in Genf sowie vom Bundesministerium fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Nachdruck, auch auszugsweise, frei.

Belegexemplar erbeten an: GeoForschungsZentrum, Oeffentlichkeitsarbeit, Telegrafenberg A17, D- 14473 Potsdam Telefon 0331 - 288 - 1040, Fax: 0331 - 288 - 1044, e-mail: ossing@gfz- potsdam.de

Ansprechpartner: Franz J. Ossing