Wirkung von Schallschutz hörbar

29.02.1996 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 29.02.1996 Nr. 43

Den Unterschied hoeren

Damit Laien Laermschutzmassnahmen beurteilen koennen

RUB-Ingenieure Neues Verfahren macht Schallschutz hoerbar

Man hoere und staune: Komplexe schalltechnische Berechnungen zu Laermbelastungen und deren Verringerung durch Laermschutzmassnahmen lassen sich akustisch darstellen und simulieren. Die RUB-Wissenschaftler Dipl.-Inform. Karsten Lehn und Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jens Blauert (Lehrstuhl fuer Allgemeine Elektrotechnik und Akustik, Fakultaet fuer Elektrotechnik der RUB) haben ein Verfahren entwickelt, das unterschiedlich starke Laermbelastungen vor und nach der Umsetzung eines Laermschutzprojekts hoerbar macht. Betroffene Anwohner koennen dadurch besser ueber die Wirkung geplanter Massnahmen informiert werden bzw. sich von ihr selbst ueberzeugen. Mit Bochumer Buergern wurde das Verfahren bereits erfolgreich durchgefuehrt.

Das Problem

Laerm wird in der heutigen Zeit fuer immer mehr Menschen zu einem zentralen Thema. Industriegebiete und vielbefahrene Verkehrswege ruecken naeher an Wohnsiedlungen heran. Dadurch werden die Anwohner dauerhaft Laerm und somit psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Wirkung notwendiger und kostspieliger Laermschutzmassnahmen wird von den Betroffenen allerdings haeufig angezweifelt. So kommt es nicht selten zu langwierigen Auseinandersetzungen ueber diese Massnahmen und anschliessenden kostenintensiven Umbauten von Laermschutzwaenden oder Schallschirmen.

Der einfache Weg

Das neue Verfahren zeichnet sich durch die hoerbare Gegenueberstellung der Laermsignale vor und nach der Durchfuehrung von Laermschutzmassnahmen aus. Mit Hilfe der sogenannten Kunstkopfstereophonie lassen sich komplizierte schalltechnische Berechnungen akustisch simulieren. Der Clou dieses Verfahrens: Durch das Auralisieren (Hoerbarmachen) physikalischer Berechnungen laesst sich die unterschiedliche Laermbelastung vor und nach der Umsetzung einer Laermschutzmassnahme ueber Kopfhoerer verdeutlichen. Die Bochumer Wissenschaftler koennen also sowohl die moegliche Wirkung einer geplanten Laermschutzmassnahme als auch die tatsaechliche Wirkung einer bereits durchgefuehrten Massnahme simulieren. Betroffene koennen sich dann von der zukuenfigen Wirkung eines Laermschutzprojekts ueberzeugen.

Hohe Akzeptanz

Eine erste Anwendung des Verfahrens in Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum hat Politiker und betroffene Anwohner ueberzeugt: Die zuvor angezweifelte Wirkung einer Laermschutzwand wurde durch den Vergleich zwischen vorher und nachher anschaulich gemacht. Das Verfahren soll auch in Zukunft zur Beurteilung anderer Laermschutzvorhaben eingesetzt werden. Nicht-Fachleute koennen dann die Wirkung einer solchen Massnahme sicherer bewerten. Die Betroffenen lassen sich somit staerker in den Entscheidungsprozess einbinden. Das an der RUB entwickelte Verfahren fuehrt also dazu, die technischen Moeglichkeiten und Grenzen geplanter Vorhaben zu demonstrieren. Langwierige Streitfaelle sowie teure Umbaumassnahmem lassen sich dadurch vermeiden. Eben weil die Betroffenen sich ihr eigenes Ohr von einer zukuenftigen Laermschutzvorrichtung machen koennen.

Weitere Informationen

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jens Blauert, RUB, Fakultaet fuer Elektrotechnik, Allgemeine Elektrotechnik und Akustik, 44780 Bochum, Tel. 0234/700-2496, Fax 0234/700-4165, email: blauert@asea.ruhr-uni-bochum.de