Spaziergang im Kanal

08.11.1995 - (idw) Ruhr-Universitšt Bochum

Nr. 190

Freie Fahrt trotz Sanierungsarbeiten

Wenn Kanaele erneuert werden muessen

RUB-Projekt untersucht begehbare Leitungsgaenge

Wer aergert sich nicht, wenn vor seiner Haustuer die Strasse fuer Kanal- oder sonstige Sanierungsarbeiten mal wieder aufgerissen wird oder deswegen der Verkehr ins Stocken geraet? Die Alternative dazu kann nur der begehbare Leitungsgang sein, in dem alle Ver- und Entsorgungsleitungen fuer Wartungs- oder Verlegearbeiten stoerungsfrei zugaenglich sind. Darum geht es in einem kuerzlich an der Ruhr-Universitaet Bochum gestarteten Verbund-Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Dietrich Stein (Arbeitsgruppe Leitungsbau und Leitungsinstandhaltung, Fakultaet fuer Bauingenieurwesen). Erstmals durchleuchten Wissenschaftler interdisziplinaer dieses komplexe Thema - sowohl aus technischer wie aus wirtschaftlicher und juristischer Perspektive. Dabei entsteht im Auftrag der NRW-Ministerien fuer Wissenschaft und Forschung und fuer Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft eine ,Studie zur oekologischen Erneuerung innerstaedtischer Ver- und Entsorgungsleitungen sowie zur Erschliessung kontaminierter Industriebrachen mit Hilfe begehbarer Leitungsgaenge unter besonderer Beruecksichtigung des bergmaennischen Stollenvortriebs". Die weiteren Projektpartner sind Prof. Dr. Paul Klemmer (Wirtschaftspolitik, Fakultaet fur Wirtschaftswissenschaft der RUB); Prof. Dr. Peter J. Tettinger (Institut fuer Berg- und Energierecht der RUB) und Dr.-lng. P. Drewniok (Ingenieurbuero INGUTIS, Leipzig) sowie die Stadt Herne (Umweltamt und Tiefbauamt). Durch die Finanzierung dieses sich ueber eine Laufzeit von l 8 Monaten erstreckenden Verbundprojektes ist erstmalig die Moeglichkeit gegeben, das komplexe Thema der Verlegung aller Ver- und Entsorgungsleitungen in begehbaren Leitungsgaengen aus technischer, juristischer, oekonomischer und oekologischer Sicht grundsaetzlich zu untersuchen und insbesondere an zwei konkreten Bauprojekten in der Stadt Herne in der Praxis zu erproben und zu beurteilen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Einsatzmoeglichkeiten des bergmaennischen Stollenvortriebs, so dass in diesem Bereich neue Arbeitsplaetze fuer im Bergbau freiwerdende Arbeitskraefte geschaffen werden koennten.

Die Ziele der Studie stehen in engem Zusammenhang mit dem Programm ,OEkologische Stadt der Zukunft", das von den Ministerien fuer Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft und fuer Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW konzipiert wurde. Es verknuepft unterschiedliche Ansaetze des oekologischen Stadtumbaus in einem kommunalpolitischen Gesamtzusammenhang miteinander. Die Stadt Herne wurde als eine von drei Modellstaedten fuer dieses Programm ausgewaehlt und soll zur oekologischen Modellstadt entwickelt werden. Begehbare Leitungsgaenge koennen dabei einen wichtigen Beitrag leisten, da ihr Einsatz hilft, Ressourcen zu schonen, Beeintraechtigungen der Umwelt zu verringern und die Einfuehrung neuer Techniken fuer die Energieuebertragung und -verteilung zu beschleunigen. Mit dem Verbundprojekt wird insbesondere der Empfehlung des Wissenschaftsrates auf staerkere interdisziplinaere Zusammenarbeit technischer, juristischer und oekonomischer Fachwissenschaften Rechnung getragen.