Deutscher Krebspreis für Professor Diehl

20.03.1997 - (idw) Universität zu Köln

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Deutscher Krebspreis 1997 fuer Professor Diehl

Professor Dr. Volker Diehl, Direktor der Medizinischen Klinik I der Universitaet zu Koeln, erhaelt fuer seine besonderen Verdienste im Bereich der klinischen Krebsforschung den Deutschen Krebspreis der Deutschen Krebsgesellschaft e.v. Der Deutsche Krebspreis wird gestiftet von der ASTA Medica AG, Dresden, der Pfizer GmbH/Heinrich Mack Nachf., Karlsruhe, und der Pharmacia und Upjohn GmbH, Erlangen.

Geehrt wird mit dem klinischen Teil des Deutschen Krebspreises 1997 die Forschung des Koelner Wissenschaftlers zur Pathogenese der Morbus-Hodgkin-Erkrankung sowie seine Verdienste bei der Verbesserung der Heilungschancen von Patienten mit Hodgkin-Lymphomen im Erwachsenenalter.

Morbus Hodgkin (Lymphgranulomatose, Hodgkin-Lymphom) ist eine boesartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Von dieser Tumorerkrankung werden pro Jahr zwischen 2.000 bis 2.500 Menschen in Deutschland befallen. Unbehandelt verlaeuft Morbus Hodgkin meistens toedlich. Durch Bestrahlung und Chemotherapie koennen heute ca. 80% aller Patienten geheilt werden.

Seit der ersten Beschreibung der Hodgkin´schen Erkrankung im Jahre 1832 besteht noch immer Unklarheit ueber Ursache und Entwicklung dieses Tumors. Mittlerweile gilt als erwiesen, dass die sogenannten Hodgkin/Reed-Sternberg-Zellen (H/RS-Zellen) den eigentlichen Tumor bilden. Der Nachweis dieser Zellen ist jedoch sehr schwierig, weil ihre Anzahl in den befallenen Lymphknoten von Tumorpatienten aeusserst klein ist. Professor Diehl und seiner Arbeitsgruppe gelang es 1978 als ersten Wissenschaftlern, die H/RS-Zellen in vitro, also im Reagenzglas zu zuechten und sie damit einer intensiven Untersuchung zugaenglich zu machen.

Auch die Herkunft der H/RS-Zellen konnte von den Arbeitsgruppen in Koeln mittlerweile geklaert werden. So konnten Professor Diehl und seine Mitarbeiter zeigen, dass bestimmte B-Lymphozyten im peripheren Blut von Hodgkin-Patienten identisch waren mit Tumorzellen im Knochenmark dieser Patienten (B-Lymphozyten gehoeren zu den weissen Blutkoerperchen und sind verantwortlich fuer die Antikoerperproduktion). Genetische Umlagerungen in den H/RS-Zellen deuten darauf hin, dass sie urspruenglich aus B-Lymphozyten hervorgegangen sind. Diese Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Professor Dr. Klaus Rajewsky, Vorstandsmitglied des Genetischen Instituts, Abteilung fuer Immunologie, der Universitaet zu Koeln durchgefuehrt.

Die Ursachen fuer die Umwandlung der normalen B-Lymphozyten im Lymphknoten in boesartige Tumorzellen ist bisher noch ungeklaert. Die Arbeisgruppe von Professor Diehl versucht zur Zeit herauszufinden, ob die genetischen Veraenderungen der B-Lymphozyten bei Hodgkin-Patienten durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, dem Erreger des Pfeifferschen Druesenfiebers, ausgeloest werden.

Der experimentellen Teil Teil des Deutschen Krebspreises wird Professor Dr. Wolfgang Deppert, Leiter der Abteilung Tumorvirologie am Heinrich-Pette-Institut an der Universitaet Hamburg verliehen.

Die Verleihung findet am

Mittwoch, den 19. Maerz 1997, 18.15 Uhr im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums, Im Neuenheimer Feld 280, Heidelberg

statt.

Bereits vorher stehen die Preistraeger den Fragen von Journalisten auf einer Pressekonferenz zur Verfuegung.

Diese Veranstaltung beginnt um 13.00 Uhr, im Hoersaalgebaeude der Chemischen Institute, Im Neuenheimer Feld 252, Heidelberg. Verantwortlich: Anneliese Odenthal