Frauenkörper interdisziplinär betrachtet

13.06.1997 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 13.06.1997 Nr. 118

,Perspektiven auf Frauenkörper"

Von Sex, Geschlecht, gestylten Körpern und Problemzonen

Interdisziplinärer Frauenforschungstag des Frauenbüros

Das Frauenbüro der RUB veranstaltet am 19.06.1997, ab 10 Uhr einen Interdisziplinären Frauenforschungstag über ,Perspektiven auf Frauenkörper". Ort: Senatssitzungssaal, Verwaltungsgebäude, Raum 3/310. Die Medien sind herzlich willkommen.

Viermal Einblicke auch für fachfremde Frauen und Männer

Vier Referentinnen aus Natur- und Geisteswissenschaften sprechen zum Thema. Bei allen Vorträgen ist ein interdisziplinärer Blickwinkel angezielt und damit eine Perspektive, die es fachfremden Frauen und Männern ermöglicht, Einblick in die Diskussionen anderer Disziplinen zu gewinnen.

Sex und Gender

Ulrike Janz (Bochum) spricht über die Begriffs- und Wirkungsgeschichte des magischen Begriffspaares Sex und Gender. Nach einem forschungs- und zeitgeschichtlichen Aufriß liegt ihr Hauptinteresse darin, die Auswirkungen dieser begrifflichen Unterscheidung in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen aufzuzeigen. Ziel ist es, abschließend die Bedeutungsverschiebungen und die folgenreichen Unterschiede in Theorie und Praxis kritisch in den Blick zu nehmen.

Geschlecht - biologisch betrachtet

Im gleichen Kontext steht der Vortrag von Brigitte Leiwering (Bochum). Sie stellt die Bestimmung von Geschlecht in der Biologie dar. Es geht ihr dabei um die bestehenden Schwierigkeiten, wie vermeintlich eindeutige Kategorisierungen dadurch aufgeweicht werden, daß die Natur selbst von ihnen abweicht: Die Biologie bildet nicht interessenlos ab, was die Natur hervorbringt, sondern konstruiert ihr Verständnis von Geschlecht.

Der schöne und der leidende Körper ...

Dr. Alkeline van Lenning (Kath. Universität Brabant und Tilburg, Niederlande) hält einen Vortrag über ,The Body und Beautiful". Darin diskutiert sie kritisch, welche Licht- und Schattenseiten die wachsenden Möglichkeiten des gestylten ,schönen" Frauenkörpers bergen. Das konstruierte Körperideal trägt in sich auch die wachsende Intoleranz gegenüber jeder Abweichung. Unterstützt von Dias zeigt van Lenning, in welch frappierende Nähe schöne und leidende weibliche Körper, durch die ständig wachsende Anzahl von Möglichkeiten den Körper zu verändern, gerückt sind. Diese Problematik verdeutlicht sie mit Forschungsergebnissen über Anorexia nervosa sowie über den Wandel des westlichen Körperideals in den letzten 20 Jahren.

... und seine Problemzonen

Die Publizistik- und Medienwissenschaftlerin Dr. Gudrun Schäfer (Bochum) stellt in ihrem Vortrag ,Frauenkörper, Männerkörper und andere Problemzonen" einige Musikvideoclips vor, die sich in satirischer Weise mit gängigen Geschlechterklischees auseinandersetzen. Anhand dieser Beispiele diskutiert sie aktuelle Fragestellungen zur Geschlechterforschung in der Publizistik- und Medienwissenschaft. Monika Altenbeck, Senatsbeauftragte für Frauenfragen, Tel. 0234/700-7837, Fax: 0234/7094-354