Biologen wurde Mollusken-Sammlung geschenkt

27.03.1997 - (idw) Universitšt Bayreuth

Bayreutherin schenkte den Biologen Sammlung von Mollusken-Schalen

Bayreuth (UBT). Ihre Formen sind ganz ebenmaessig oder auch bizarr, ihre Oberflaeche glatt wie Email, aber auch rauh und mit Zacken und Stacheln besetzt, viele von ihnen besitzen seltsame Zeichnungen, deren Bedeutung noch nicht entraetselt ist - die Rede ist von den Schalen von Mollusken, von Weichtieren wie Muscheln und Schnecken. Eine Sammlung solcher Mollusken-Schalen hat kuerzlich eine Bayreutherin, Frau Brunhilde Hacker, der Universitaet geschenkt und ist inzwischen nach der Katalogisierung in die Sammlung des Lehrstuhls Tieroekologie II (Professor Dr. Konrad Dettner) integriert worden. Die Schalen sollen dann im Zoologischen Grosspraktikum zu Einsatz kommen, wenn Mollusken besprochen werden. Ausserdem will Professor Dettner in der Grundvorlesung ,Allgemeine Zoologie" und dabei auf das Thema ,Musterbildung in der Biologie" eingehen.

Die Schalen bestehen imwesentlichen aus Kalziumkarbonat. Die Bildung des Schalenmaterials sowie der verwendeten Pigmente erfolgt im Bereich der Mantelfalte. Neben der Formgebung der Schalen sind es insbesondere ihre Zeichnungen, die die Menschheit seit alters her in den Bann gezogen hat. Zum Teil wurden sie als Zahlungsmittel verwendet, wie etwa die feste, gelbliche Schale der Kaurischnecke des Indischen Ozeans, die diese Funktion in Teilen Ostafrikas als kleine Scheidemuenze erfuellte, aber auch in Indien als begehrtes Schmuckstueck dient. Prof. Dettner: ,Auch leitet sich die Bezeichnung Porzellan von Kaurischnecken ab, die wegen ihrer rundlichen, an ein Schweinchen erinnernden Form porzellana (porcella = kleines Schwein) genannt wurden. Im Barock gehoerten solche Schalen, die Conchylien, zu den Schaetzen der Naturalienkabinette.

Die fuer Wissenschaftler ausserordentlich interessanten, oft schriftartigen Schalenzeichnungen entstehen im Laufe des individuellen Wachstums. ‹ber die Chemie der Schalenpigmente liegen nur wenige Untersuchungen vor; zum Teil handelt es sich um Gallenfarbstoffe. Waehrend ueber die biologische Bedeutung dieser Zeichnungen nur wenig bekannt ist, weil u. a. viele Meeresmollusken im Sand eingegraben sind, liegen ueber den Mechanismus ihrer Bildung inzwischen einige Untersuchungen vor. Sie gipfeln in mathematischen Modellen, mit deren Hilfe sich die Zeichnungsmuster in allen Einzelheiten nachbilden lassen. Meist genuegt es dafuer, das Wechselspiel zwischen zwei Substanzen zu modellieren. Eine aktive Verbindung katalysiert sowohl ihre eigene Entstehung als auch die ihres Hemmstoffs. Wenn sich der Antagonist wesentlich schneller verteilt als sein aktiver Partner, koennen aus einer homogenen Konzentrationsverteilung raeumlich und zeitliche Muster entstehen, die je nach Wahl der Parameter zu den beobachteten Strukturen fuehren.