Was hat Adipositasforschung mit kleinen Winterschläfern zu tun?

30.07.1997 - (idw) Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

DIfE-Presseinformation

Was hat Adipositasforschung mit kleinen Winterschlaefern zu tun?

Kleine Saeugetiere, wie zum Beispiel Hamster, koennen den Winter in der Natur nur ueberleben, weil sie sogenanntes "braunes Fettgewebe" haben, das dank seiner hohen Stoffwechselaktivitaet Waerme produziert und so die Koerpertemperatur von Winterschlaefern wieder auf 37°C reguliert. Das funktioniert deshalb, weil in dem braunen Fettgewebe der Tiere ein bestimmtes Protein, das UCP (uncoupling protein oder Entkopplerprotein), die Atmungskette entkoppelt und somit die aufgenommene Energie nicht in Form von Fett gespeichert, sondern als Waermeenergie abgegeben wird. Dieser Prozess muss irgendwie reguliert werden, denn es gibt eine jahreszeitliche Anpassung der Waermeproduktion. Moeglicherweise wird der Mechanismus ueber die Nahrung gesteuert.

Dieser Frage wird jetzt von einer Abteilung im Deutschen Institut fuer Ernaehrungsforschung Potsdam-Rehbruecke nachgegangen. Professor Susanne Klaus, seit Juni Abteilungsleiterin der Abteilung Biochemie und Physiologie der Ernaehrung, sieht einen Ansatzpunkt fuer die Adipositasforschung, weil Ratten, die im Versuch eine ueberreichliche Ernaehrung erhalten, nicht wie Menschen immer dicker werden, sondern ihr braunes Fettgewebe aktivieren und die ueberschuessige Energie so verbrennen. Menschen haben nur als Saeuglinge braunes Fettgewebe, es bildet sich spaeter zurueck. Quantitativ bleibt nur so wenig uebrig, dass es keine Bedeutung fuer die Thermogenese hat. Das weisse Fettgewebe, aus dem die Fettpolster beim Menschen bestehen, hat offenbar kein UCP. Die Frage ist nun, wie man es erreichen kann, dass sich das braune Fettgewebe wieder vermehrt und so der Energieverbrauch erhoeht wird. Dazu muss zunaechst geklaert werden, woran es liegt, ob eine Zelle zu einer braunen oder weissen Fettzelle wird und wie man das beeinflussen kann. In einem Forschungsprojekt soll durch molekulares Screening bei Vorlaeuferzellen von braunen und weissen Fettzellen nachvollzogen werden, welche Gene bei den einen exprimiert werden und bei den anderen nicht.

Es handelt sich hierbei um Grundlagenforschung und die Wissenschaftlerin warnt vor Hoffnungen auf ein Wunder, wie etwa ein Praeparat, das es uns ermoeglicht, ohne Verzicht schlank zu werden. Als vor drei Jahren in den USA das von den weissen Fettzellen abgegebene Leptin entdeckt wurde, hatte man ein Protein gefunden, das sowohl Saettigung signalisiert, als auch den Energiestoffwechsel dahingehend beeinflusst, dass die Energieabgabe per Thermogenese erhoeht wird. Die Rehbruecker Forscher untersuchen nun den Einfluss von Leptin auf braunes und weisses Fettgewebe, indem sie Maeusen mit und ohne braunem Fettgewebe Leptin verabreichen und die Veraenderung der Energiebilanzen durch die Leptingabe beobachten. Es koennte sein, dass sich das braune Fettgewebe durch Leptin aktivieren laesst.

Abdruck gestattet / Beleg erbeten Weitere Informationen: Prof. Dr. Susanne Klaus (-326)