Geschichte in der Schule

22.06.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Kriegt die Schule mit, was in der Wissenschaft passiert? Dieser und ähnlichen Fragen geht die Veranstaltung "Geschichte in der Schule" am Freitag, dem 26. Juni 1998, 15 Uhr, an der Ruhr-Universität Bochum (Hörsaal HMA 10) mit Vorträgen und Diskussionen nach. Einen Vortrag wird auch die bisherige Schul-Ministerin Gabriele Behler halten. Es ist ihr erster offizieller Auftritt an einer Hochschule, seitdem sie nun auch Verantwortung für Wissenschaft und Forschung trägt - nach der Zusammenlegung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung. Man darf daher gespannt sein, ob sie an der RUB die Gelegenheit nutzen wird, auch zur zukünftigen Hochschulpolitik Stellung zu beziehen.

Bochum, 22.06.1998
Nr. 132

Neue Perspektiven für ein altes Fach
Wissenschaft und Politik zu "Geschichte in der Schule"
Behler als Wissenschaftsministerin erstmals an einer Hochschule


Der "Historikerstreit", die "Goldhagendebatte" und die Kontoversen um die "Wehrmachtsausstellung" haben in den letzten Jahren für frischen Wind in der Geschichtswissenschaft gesorgt. Weht dieser Wind auch durch die Klassenräume in Deutschlands Schulen? Dieser und ähnlichen Fragen geht die Veranstaltung "Geschichte in der Schule" am Freitag, dem 26. Juni 1998, 15 Uhr, an der Ruhr-Universität Bochum (Hörsaal HMA 10) mit Vorträgen und Diskussionen nach. Einen Vortrag wird auch die bisherige Schul-Ministerin Gabriele Behler halten. Es ist ihr erster offizieller Auftritt an einer Hochschule, seitdem sie nun auch Verantwortung für Wissenschaft und Forschung trägt - nach der Zusammenlegung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung. Man darf daher gespannt sein, ob sie an der RUB die Gelegenheit nutzen wird, auch zur zukünftigen Hochschulpolitik Stellung zu beziehen. Die Medien sind herzlich eingeladen.

Brisante Themen

Viele Jahre lang galt das Schulfach Geschichte als verstaubt. Die Vergangenheit erschien als hinreichend oder gar absolut erforscht, neue Erkenntnisse waren ebenso unwahrscheinlich wie neue Impulse oder Innovationen. Eine erste Trendwende zeichnete sich Mitte der achtziger mit dem sogenannten Historikerstreit ab: Konnte der Völkermord an den Juden mit anderen Völkermorden verglichen werden? Durfte man Tote zählen und die Zahlen gegeneinander abwägen? Ähnlich brisante Fragen warf Daniel J. Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker" auf, das Mitte der neunziger Jahre erschien. Die spektakuläre Grundthese vom "spezifisch deutschen eliminatorischen Antisemitismus" wurde zum Teil als die Erklärung schlechthin für den Völkermord an den Juden angesehen, zum Teil vollkommen verworfen. Noch eine Spur emotionaler verlief in Deutschland die Debatte um die "Wehrmachtsausstellung", in der Verbrechen deutscher Soldaten gezeigt werden.

Neuer Schwung

Allen drei Themen gemeinsam ist, daß sie größtenteils auf neuen Forschungserkenntnissen basieren. Mit anderen Worten: Die Erforschung der Geschichte ist längst noch nicht abgeschlossen und auch ihrer Deutung sind kaum Grenzen gesetzt. Das Fach Geschichte hat neuen Schwung erhalten. Die Basis ist also vorhanden, um dem hohen Stellenwert des Faches Geschichte gerecht zu werden. Es stellt sich die Frage, ob es tatsächlich umgesetzt wird: Welches Interesse bringen Schüler dem Fach entgegen? Welche Bedeutung mißt ihm die Politik bei? Welche Perspektiven hat das Fach in der Schule? Lohnt es sich für Studierende, sich in dieses Fach zu vertiefen? Das sind einige der Fragen, denen bei der Veranstaltung "Geschichte in der Schule" nachgegangen wird. Zu ihrer Beantwortung stehen kompetente Menschen aus der Politik, aus Schule und Hochschule parat (s. Programm).

Veranstalter

Die Veranstaltung, zu der explizit alle Geschichtslehrer/innen in NRW eingeladen wurden (weit über 100 haben bislang zugesagt), ist eine Gemeinschaftsproduktion verschiedener Institutionen rund um die Ruhr-Universität Bochum. Im einzelnen handelt es sich um die Fakultät für Geschichtswissenschaft, das Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung sowie den Verein zur Förderung der Erforschung der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung e.V.

Programm:

Grußwort, Prof. Dr. Dietmar Petzina, Rektor der Ruhr-Universität Bochum

Einführung, Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Geschäftsführender Leiter des Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung

Vortrag, Gabriele Behler, Ministerin für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung in NRW

Podiumsdiskussion mit

Prof. Dr. Richard Bessel, The Open University Milton Keynes (GB)

Lou Bohlen, Vorsitzende des AStA der Ruhr-Universität Bochum 1997

Dr. Rudolf Tschirbs, Goethe-Gymnasium Bochum

Prof. Dr. Rainer Walz, Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

Moderation

Prof. Dr. Günter Brakelmann, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Erforschung der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung e.V.

Schlußwort, Prof. Dr. Eberhard Isenmann, Dekan der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum

Weitere Informationen

Dr. Peter Friedmann, Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung, Universitätsstraße 150, Gebäude UB IV/2, 44780 Bochum, Tel.: 0234/700-6920, Fax: 0234/7094-249