Frisches Wasser für Touristen

06.07.1998 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Solarkollektoren mit Kunststoff-Absorbern werden zukünftig auf Gran Canaria Meerwasser entsalzen und Touristen mit dem kostbaren Naß versorgen. Der Prototyp für das kostengünstige und umweltfreundliche Verfahren entstand in Freiburg.


© Fraunhofer ISE - Prototyp eines leistungsfähigen Kollektors mit Kunststoff-Absorbern, der die Meerwasserentsalzung verbilligen kann. Frisches Wasser für Touristen
Die Kanarischen Inseln sind ganzjährig ein beliebtes Ferienziel. Aber Touristen benötigen viel des knapp vorhandenen Süßwassers. Bleiben nur zwei teure und umweltbelastende Wege: Aufwendige, energiefressende Meerwasserentsalzungsanlagen oder - wie auf vielen Ferieninseln im Mittelmeer praktiziert - Tankschiffe, die das Wasser vom Festland bringen. Eine umweltfreundliche Alternative bieten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg: Sie entwickelten einen Sonnenkollektorprototyp mit Kunststoff-Absorbern, der für die Meerwasserentsalzung die reichlich vorhandene Sonnenenergie nutzt. Im Juli fällt der Startschuß für eine von der Europäischen Union geförderte Demonstrationsanlage für die Meerwasserentsalzung auf Gran Canaria, deren Herzstück die neuen Kollektoren sind. Mit von der Partie ist ein internationales Konsortium, dem neben dem ISE das Centro de Investigacion en Energia y Agua CIEA aus Gran Canaria, die Agricultural University of Athens, das Zentrum für Angewandte Energieforschung ZAE in München sowie die Firma Thermische Angetriebene Systeme TAS, auch aus München, angehören.

Wasser mit der Wärme aus Solarkollektoren zu erhitzen, ist normalerweise kein Problem. Doch um Salzwasser zu destillieren, muß das Wasser durch die Absorber fließen, um die erforderliche Temperatur zu erreichen. Herkömmliche Kollektoren aus Metall halten dem nicht Stand, sie korrodieren. Kunststoff-Absorber sind gegen das heiße Salz wasser unempfindlich, aber gegenüber den Metall-Absorbern doppelt im Nachteil: Die selektive Beschichtung kann nicht mit den heute üblichen Galvanik-Techniken aufgebracht werden, und die Wärmeleitung ist rund tausendmal schlechter als die von Metallen. "Unser Kunststoff-Absorber löst beide Probleme. Wir erarbeiteten ein Sputterverfahren, um die selektive Schicht aufzutragen, die für eine größtmögliche Aufnahme der Sonnenenergie sorgt", erklärt Matthias Rommel vom ISE. "Die Wärmeübertragung funktioniert durch eine neue Konstruktion, bei der das Wasser den ganzen Absorber großflächig durchströmt."

Mit ihrem Prototyp konnten die ISE-Wissenschaftler den Wirkungsgrad von Kollektoren mit Kunststoff-Absorbern enorm steigern, so daß sie genauso leistungsfähig sind wie Kollektoren mit Metall-Absorbern. Zudem sind sie kostengünstiger, was die solare Wasseraufbereitung verbilligt. Die kanarische Anlage soll in drei Jahren einsatzbereit sein und im 24-Stunden-Betrieb täglich 1 000 Liter frisches Wasser für sonnenhungrige Touristen produzieren.

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