Tagung zu unerwünschten Arzneimittelfolgen in Jena

15.04.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Jena (15.04.99) Bei einigen hilfreichen Medikamenten wird auf dem Beipackzettel eine Vielzahl möglicher Nebenwirkungen aufgelistet. Manche Begleiterscheinung ist allerdings noch gar nicht bekannt, und genaue Angaben über ihre Art und Häufigkeit fehlen ebenfalls in vielen Fällen. Der "Erfassung und Bewertung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die zu Krankenhausaufenthalten führen" widmet sich das Projekt CASCADE. Die nach zwei Jahren ermittelten Zwischenergebnisse stehen im Mittelpunkt einer Expertenkonferenz, die morgen und übermorgen (16./17.04.) erstmals in Jena stattfindet. Die 6. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidologie e. V., die Teil der europäischen Arzneimittel-Studiengruppe der WHO ist, wird vom Jenaer Uni-Institut für Klinische Pharmakologie ausgerichtet. Neben den unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen werden die etwa 50 Pharmazeuten und Mediziner über neueste Erkenntnisse zum Arzneimittelgebrauch im Alter sowie zu pharmazeutischen und ärztlichen Aspekten der Primärversorgung informiert.

Beim Forschungsprojekt CASCADE werden in Rostock, Dresden und Jena statistische Daten zu den Medikamentenfolgen erhoben und vereinheitlicht - und in München ausgewertet. Welche Nebenwirkungen treten wann und wie häufig auf? Wie hoch sind die entstehenden Kosten, wenn sich dadurch z. B. der Krankenhausaufenthalt verlängert? Daß diese große Studie vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Auftrag gegeben wurde, wertet die Direktorin des Jenaer Uni-Instituts für Klinische Pharmakologie Prof. Dr. Annemarie Hoffmann als wegweisend. Man orientiert sich am System in Frankreich, wo die Datensammlung in regionalen Zentren gut funktioniert. In Deutschland hingegen werden die Nebenwirkungen zu selten gemeldet, ergänzt Hoffmanns Mitarbeiterin PD Dr. Marion Hippius.

Zukünftig können hier die CASCADE-Daten weiterhelfen. Die ersten Ergebnisse waren zwar nicht spektakulär, unbekannte Nebenwirkungen wurden selten gefunden, und noch mußte kein Medikament vom Markt genommen werden. Aber die Aufmerksamkeit von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten muß sich erhöhen, fordert die Pharmakologin. Dies gilt etwa im Bereich der Medikamentenüberdosierung, den Dr. Hippius untersucht hat. Sehr viele ältere Patienten, die in die Jenaer Uni-Klinik für Innere Medizin eingeliefert wurden, hatten beispielsweise das Medikament "Digitoxin" über einen sehr langen Zeitraum eingenommen. Dieses Mittel gegen Herzschwäche war bei ihnen zum "Routinepräparat" geworden. Die regelmäßigen Kontrollen zur genauen Dosierung entfielen häufig, es wurde automatisch verschrieben - und führte in einigen Fällen zu starken Nebenwirkungen. "Es existieren heute gute und einfache Analysemethoden", sagt Dr. Hippius, mit denen die individuelle Dosierung bestimmt werden kann. Diese Methoden sollten häufiger genutzt werden, dann lassen sich manche Nebenwirkungen vermeiden, mahnt die Pharmakologin.

Ansprechpartnerin:
PD Dr. Marion Hippius
Institut für Klinische Pharmakologie der Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641/937775, Fax: 03641/937788
e-mail: Hippius@Landgraf.med.uni-jena.de


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