Transgene Reben werden jetzt im Weinberg geprüft

21.07.1999 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Ziel ist die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln

Erstmals in Deutschland werden am 22. Juli 1999 gentechnisch veränderte Reben der Sorten Dornfelder, Riesling und Seyval blanc in den Versuchsanlagen des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof ausgepflanzt und getestet. Ein entsprechender Antrag wurde vom zuständigen Robert-Koch-Institut in Berlin genehmigt.

Das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof gehört zur Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) und liegt in Siebeldingen/Südpfalz. Den dort ansässigen Forschern war es gelungen, Resistenzgene aus der Gerste in die Erbanlagen von Riesling, Dornfelder und Seyval blanc zu übertragen. Auf insgesamt etwa 300 Quadratmetern Fläche kommen jetzt rund 130 dieser Pflanzen in die Erde. In den nächsten Jahren sollen die Pilzresistenz der Reben, ihre weinbaulichen Eigenschaften und ihre Weinqualität unter Freilandbedingungen untersucht werden.

Wie Institutsleiter Dr. Reinhard Töpfer erläuterte, werden mit der direkten Übertragung von Resistenzmerkmalen die Bemühungen der klassischen Resistenzzüchtung intensiviert. Die übertragenen Gene sollen die Widerstandsfähigkeit gegen Schadpilze so verbessern, daß die üblichen Pflanzenschutzaufwendungen reduziert werden können. Es ist zu erwarten, daß die Weinqualität und der Sortencharakter unverändert bleiben.

Vorrangiges Ziel ist es, die hohe Qualität klassischer Sorten zu erhalten, diesen Sorten aber zusätzlich Resistenzeigenschaften zu verleihen. Neben der aus ökonomischer Sicht sicherlich zu begrüßenden Einsparung von Pflanzenschutzmitteln wird damit auch ein wichtiger Schritt in Richtung eines umweltschonenden Weinbaus getan. Normalerweise sind sechs- bis achtmalige Fungizidbehandlungen im Jahr gegen Mehltaupilze und Grauschimmel keine Seltenheit. Auch der ökologische Weinbau hat mit Pilzkrankheiten zu kämpfen. Die Bemühungen der Instituts zur Züchtung pilzresistenter Rebsorten waren 1996 mit der Verleihung des Umweltpreises der Stadt Landau (Pfalz) gewürdigt worden.

Mit der Freisetzung transgener Reben leitet nun auch die Rebenzüchtung in Deutschland Versuche ein, wie sie unter anderem in Australien, Canada, Frankreich und den USA durchgeführt werden. Die in der Rebenzüchtung übliche lange Selektionsdauer von 25-30 Jahren wird bei der Prüfung transgener Reben nicht wesentlich verkürzt werden können, doch hofft man, die züchterische Effizienz auf diesem Wege zu steigern. Die auf dem Geilweilerhof angebauten gentechnisch veränderten Reben dienen ausschließlich Versuchszwecken. Eine Beeinflussung des Weins aus Reben benachbarter Weinberge, etwa durch Pollenflug, schließen die Züchtungsforscher aus: Bei einer eventuellen Pollenübertragung trägt nur der Traubenkern die zusätzlichen Gene, zur Weinbereitung wird aber nur das Fruchtfleisch der Weinbeeren genutzt. Wein aus gentechnisch veränderten Reben wird auf Jahrzehnte nicht im Handel sein.

Zur Absicherung der Ergebnisse werden die Versuche an zwei Orten durchgeführt, dem Geilweilerhof und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Würzburg-Veitshöchheim.