Zehn Jahre Russlandforschung an der RUB

11.08.1999 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Das Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur der RUB blickt mittlerweile auf eine zehnjährige Geschichte zurück. Aus Anlass dieses Jubiläums hat es eine ausführliche Bilanz seiner Forschungs-, Lehr- und Kooperationsaktivitäten erstellt.

Bochum, 11.08.1999
Nr. 173

Zehn Jahre Russlandforschung an der RUB
"Lotman-Institut 1989 - 1999. Profile - Projekte - Perspektiven"
Ausbildungs- und Forschungszentrum zieht Bilanz


Forschungszentrum und "meeting point" in einem: Das Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur (LIRSK, Leiter: Prof. Dr. Karl Eimermacher, Geschäftsführer: Dr. Klaus Waschik) der RUB (Fakultät für Philologie) blickt mittlerweile auf eine zehnjährige Geschichte zurück. Aus Anlass dieses Jubiläums hat das LIRSK eine ausführliche Bilanz seiner Forschungs-, Lehr- und Koope-rationsaktivitäten erstellt: "Lotman-Institut 1989 - 1999. Profile - Projekte - Perspektiven". Besonderen Wert legt das Institut auf die internationale Zusammenarbeit, vor allem mit Hochschulen und For-schungseinrichtungen in Russland. Inzwischen gilt es als erste Adresse und Anlaufpartner von russischer Seite, weil es durch seine wissenschaftlichen, sprachlichen und organisatorischen Kompetenzen geeignet ist, einen Brückenkopf für Kooperationsbemühungen aus östlicher Richtung zu bilden.

Bilanz auch im www

Die Beiträge der Publikation "Lotman-Institut 1989 - 1999. Profile - Projekte - Perspektiven" (beim Institut erhältlich) stehen ab Oktober 1999 auch im Internet zur Verfügung: http://www.ruhr-uni-bochum.de/lirsk/


Kopelews Idee

Die Idee, ein Informations-, Foschungs- und Vermittlungszentrum für osteuropäische Kultur in Deutschland einzurichten, stammt von Lew Kopelew, er war es auch, der Bochum als Standort vorgeschlagen hatte. 1989 wurde das Lotman-Institut an der Fakultät für Philologie eingerichtet, 1993 folgte die formelle Gründung. Prof. Dr. Karl Eimermacher, dem die Russische Staatliche Universität für Humanwissenschaften (RGGU) 1998 die Ehrendoktorwürde (,Dr. h.c.") verliehen hat, engagierte sich maßgeblich für den Aufbau eines solch einzigartigen Instituts.

Neuer wissenschaftlicher Ansatz

Damit wurde eine qualitativ neue wissenschaftliche Beschäftigung mit sowjetischer und russischer Kultur und Gesellschaft möglich: Entwicklungsprozesse soziokulturell, historisch, künstlerisch und politisch zu analysieren und so den geeigneten Ansatz zu finden, die Umbrüche, Krisen und Neuorientierungen unseres größten osteuropäischen Nachbarn zu untersuchen. Diese interdisziplinäre Zusammenschau war insbesondere notwendig, weil Russland in seiner Gesamtheit mit vielfältigen, komplexen Problemlagen auch für Spezialisten mit traditioneller Fachausbildung weitgehend unbekannt bleibt.

Internationale Vernetzung

Internationalisierung von Forschung und Entwicklung ist im zusammenwachsenden Europa das Gebot der Stunde - und am Lotman-Institut bereits mehrjährige erfolgreiche Praxis. Die Liberalisierung seit Beginn der 90er-Jahre erlaubte es, russische Partner aus Hochschulen, Akademien, Archiven und Museen aktiv in die Forschung einzubeziehen. Projekte jedweder Art sind am LIRSK prinzipiell international angelegt.

Nachwuchsförderung

Interdisziplinär und international ist nicht nur die Forschung, auch die Lehre ist danach ausgerichtet. Seit 1993 bietet das LIRSK einen zweijährigen Zusatzstudiengang zur "Russischen und Sowjetischen Kulturgeschichte der Neuzeit" an. Damit konnte ein Defizit in der Ausbildung junger Osteuropa-Wissenschaftler behoben werden. Außerdem richtete das Institut 1996 ein Graduiertenkolleg ein, in dem 26 Nachwuchswissenschaftler gefördert werden. Es ist das einzige Gra-duiertenkolleg an der Fakultät für Philologie.

Hochschulreform in Russland

Beratende und weiterqualifizierende Maßnahmen sind ein Schwerpunkt des Lotman-Instituts. Hierzu gehört beispielsweise die aktive Struktur- und Aufbauhilfe zur Hochschulreform in Russland. Das LIRSK war zudem maßgeblich daran beteiligt, das Institut für Europäische Kulturen in Moskau zu gründen, einzurichten und zu betreuen. Die Kooperation zwischen beiden Instituten bildet den Kern eines Netzwerks, dessen Ziel es ist, ein vorurteilsfreies Studium europäischer kultureller Vielfalt in Russland zu ermöglichen.

Europa denken

Das LIRSK hat inzwischen Kooperationsabsprachen mit Forschern der Universitäten Oxford, Glasgow, Paris, Washington, Innsbruck, Graz, Helsinki, Krakau, Tartu, Jerusalem, Moskau, St. Petersberg und einer Reihe weiterer russischer Hochschulen getroffen. Angestrebt wird eine "Internationale Aspirantur" als promotionsbegleitende Förderung junger Wissenschaftler. Außerdem gründeten das LIRSK und das Institut für Europäische Kulturen zusammen mit fünf russischen Partnern im Mai 1999 das "Konsortium zum Studium europäischer Kulturen". Das Konsortium will die Studienbedingungen in Russland und in der Ukraine verbessern und die Europafähigkeit der Studierenden stärken. Unter dem Motto "Europa denken" steht daher auch eine Sommerakademie im September 1999 in Simferopol (Krim).

Weitere Informationen

Dr. Klaus Waschik, Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur, GB 8/155, Tel.: 0234/700-3368, -3370, Fax: 0234/7094-243, eMail: lirsk@ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/lirsk/