Internationales Symposium zur Königsberger Buch- und Bibliotheksgeschichte

07.10.1999 - (idw) Universität Osnabrück

Die Zerstörung der Königsberger Bibliotheken im Zweiten Weltkrieg und die Verschleppung verbliebener Bestände nach der Eroberung der Stadt "markieren ein tragisches Kapitel europäischer Bibliotheksgeschichte", sagt der Literaturwissenschaftler Dr. Axel E. Walter (Universität Osnabrück). "Von den großen historischen Sammlungen wußte man seitdem lediglich, daß nur Weniges gerettet und weit auf osteuropäische Bibliotheken verstreut worden war. Nachrichten darüber, wo sich Handschriften und Altdrucke erhalten haben, entpuppten sich häufig als Gerüchte." Nach den politischen Umwälzungen Osteuropas konnte die Forschung jedoch neue Einblicke gewinnen. Eine Bilanz des Erhaltenen zu ziehen und gemeinsam Forschungsperspektiven in diesem "sensiblen und so gefährlich politisierten Bereich" zu diskutieren, ist das Anliegen des internationalen Symposiums "Königsberger Buch- und Bibliotheksgeschichte", das auf Einladung von Dr. Walter vom 15. bis 17. Oktober 1999 am Osnabrücker Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit stattfindet.

Pressemitteilung
Osnabrück, 7. Oktober 1999 / Nr. 118/99

Internationales Symposium zur Königsberger Buch- und Bibliotheksgeschichte
Bibliothekare, Buchkundler und Kulturwissenschaftler wollen Bilanz des Erhaltenen ziehen

Die Zerstörung der Königsberger Bibliotheken im Zweiten Weltkrieg und die Verschleppung verbliebener Bestände nach der Eroberung der Stadt "markieren ein tragisches Kapitel europäischer Bibliotheksgeschichte", sagt der Literaturwissenschaftler Dr. Axel E. Walter (Universität Osnabrück). "Von den großen historischen Sammlungen wußte man seitdem lediglich, daß nur Weniges gerettet und weit auf osteuropäische Bibliotheken verstreut worden war. Nachrichten darüber, wo sich Handschriften und Altdrucke erhalten haben, entpuppten sich häufig als Gerüchte." Nach den politischen Umwälzungen Osteuropas konnte die Forschung jedoch neue Einblicke gewinnen. Eine Bilanz des Erhaltenen zu ziehen und gemeinsam Forschungsperspektiven in diesem "sensiblen und so gefährlich politisierten Bereich" zu diskutieren, ist das Anliegen des internationalen Symposiums "Königsberger Buch- und Bibliotheksgeschichte", das auf Einladung von Dr. Walter vom 15. bis 17. Oktober 1999 am Osnabrücker Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit stattfindet.

Die Veranstaltung wird zu diesem Thema erstmals Bibliothekare, Buchkundler und Kulturwissenschaftler aus Polen, Litauen und Rußland mit Kollegen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammenführen. Der Osnabrücker Wissenschaftler: "Auf allen Seiten ist in den vergangenen Jahren ein neues Bewußtsein dafür entstanden, das dem Verlust entronnene Schriftgut an seinen neuen Standorten zu suchen und es in unvoreingenommener Rückbesinnung auf das gemeinsame geistige Erbe für diese zentrale europäische Kulturlandschaft zu sichern." Wie Dr. Walter erläutert, haben sich mehr Handschriften und Bücher erhalten, als lange Zeit zu befürchten war. Jedoch sei kaum ein Buchbestand in seiner Substanz so sehr zerstört wie der Königsberger. "Bücher, die ursprünglich in den Regalen nebeneinander standen, finden sich heute in Akademie-, National- und Universitätsbibliotheken von Städten, die sich nicht nur geographisch, sondern inzwischen auch politisch fern sind", betont der Experte. Dies führe zu einer "Separation des Wissens" und zu einem unkoordinierten Nebeneinander der Forschung.

Im Rahmen des Symposiums soll zunächst die Geschichte Königsbergs als Buch- und Bibliothekszentrum rekonstruiert werden. Dabei wird es um Königsbergs herausragende Stellung als überregionales Zentrum des deutschen, des litauischen und des polnischen Buchdrucks in der Frühen Neuzeit sowie um einzelne große Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts gehen. Die Vorstellung historischer und bisher weitgehend unbekannter Teilkataloge soll anschließend neue Aufschlüsse darüber geben, welche Handschriften und Bücher sich einstmals in den Königsberger Bibliotheken befunden haben. Die zweite Sektion des Symposiums widmet sich dem Schicksal der Bestände nach 1945 und der schwierigen Suche seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. In einer dritten Sektion werden Bibliothekare und Buchkundler aus Kaliningrad, Vilnius, St. Petersburg, Moskau, Danzig, Allenstein und Thorn einen Überblick über die aus Königsberg stammenden Werke geben, die sich heute in den Beständen ihrer Bibliotheken befinden. Zum Abschluß des Symposiums, das von der Marga- und Kurt Möllgaard-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert wird, sollen Aufgaben und Möglichkeiten weiterer Forschungsarbeiten erörtert werden.

Ein öffentlicher Abendvortrag findet am Freitag, 15. Oktober 1999, im Zimeliensaal der Universitätsbibliothek Osnabrück, Alte Münze 16, statt. Prof. Dr. Klaus Garber, Direktor des Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Zeit, wird über "Mitteleuropäische Fragen im Spiegel von Büchern und Bibliotheken" sprechen. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.

Interessierte Gäste, die an der Tagung selbst teilnehmen wollen, können sich bei Dr. Axel E. Walter, Universität Osnabrück, Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, Neuer Graben 19/21, 49069 Osnabrück, Tel. (0541) 969-4876, Fax (0541) 969-4405, e-mail Axel.Walter@snoopy.lili.Uni-Osnabrueck.de, anmelden.