Elektronischer James Bond fürs Internet

23.11.1999 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jenaer Informatiker erforschen "intelligente" Lösung für E-Commerce oder Logistik

Jena (23.11.99) Nur nicht den Anschluss verlieren - das könnte das Motto einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Wilhelm Rossak vom Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität Jena sein. Zwar ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung im Internet in den letzten Jahren gestiegen, gleichzeitig jedoch wurden die Inhalte des weltumspannenden Datennetzes immer anspruchsvoller. Um dem drohenden "Daten-Crash" bei der Suche nach Informationen abzuwenden, erforschen die Jenaer Informatiker seit zweieinhalb Jahren den Einsatz elektronischer Agenten.

"Ich lade Daten nicht auf meinen Rechner herunter, sondern schicke mein Programm zu den entsprechenden Servern, den Datenbereitstellern", erläutert Prof. Rossak das Prinzip. Dieses Programm soll nicht allein wie herkömmliche Suchmaschinen das Internet nach bestimmten Schlagwörtern durchforsten, sondern selbst agieren - quasi als "intelligenter" Stellvertreter des Nutzers.

Als Prof. Rossak 1997 vom New Jersey Institute of Technology nach Jena kam, begann ein dreiköpfiges Team die Grundlagen der Übertragung dieser Agenten zu erforschen. Der Prototyp eines Programms, der jüngst fertig gestellt wurde, belegt nur wenige Kilobyte Speicherplatz - kein Vergleich zu den Millionen von Bytes, die der Internet-Anwender täglich auf seinen Rechner lädt. Genau hier liegt das Problem: Die Daten-Übertragung nimmt abhängig von der Qualität der Leitung Zeit in Anspruch. "Diese Verzögerung kann 'tödlich' sein, wenn ich von zu Hause aus Aktien an der New Yorker Börse kaufen will", führt Prof. Rossak ein Beispiel an.

In spätestens sieben Jahren, so schätzt der Diplom-Ingenieur, wird es markttaugliche "intelligente" Internet-Agenten geben, die die Wünsche und Bedürfnisse ihrer "Auftraggeber" kennen: Sie könnten mit virtuellem Geld Aktien kaufen, Reiseangebote vergleichen und gleich zum günstigsten Preis buchen. Die Jenaer Informatiker untersuchen nun, wie man das Programm entsprechend gestaltet und die Kontrolle darüber behält. Über konkrete Anwendungen macht sich Prof. Rossak wenig Sorgen: So kooperiert sein Lehrstuhl u. a. mit einer Firma für Logistik-Software, die die ideale Route für Container-Transporte mit Hilfe elektronischer Begleiter im Internet von Ort zu Ort optimieren lassen will.

Kopfzerbrechen bereitet den Programmierern hingegen die Sicherheit. Das Programm könnte in bester James Bond-Manier auch als Netz-Spion programmiert werden, der den Server, an den er "andockt", manipuliert. Deshalb sieht Rossak die Zukunft solcher Programme, an denen weltweit nur eine Hand voll Institute praxisorientiert forschen, eher im Intranet. "Im internen Netz können nur Befugte Agenten verschicken und empfangen." Auch um deren Geschwindigkeit zu testen, wird momentan eine Verbindung zwischen der Friedrich-Schiller-Universität und Rossaks ehemaligem Institut in New Jersey eingerichtet.

Nicht zufällig ist Jenas Informatik Teil des Thüringer Kompetenzzentrums für E-Commerce. Denn der elektronische Handel ist eines der Hauptanwendungsgebiete der Internet-Agenten. Mit einer Ringvorlesung leistete die Fakultät für Mathematik und Informatik im vergangenen Sommersemester bereits Aufklärungsarbeit. Zusammen mit der Universität Ilmenau wird es im nächsten Jahr eine neue Auflage geben: Dann soll die Industrie noch gezielter angesprochen werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wilhelm Rossak
Institut für Informatik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 1-4
07743 Jena
Tel.: 03641/946330
Fax: 03641/946302
E-Mail: rossak@informatik.uni-jena.de


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