Gerasterte Fassade und auskragendes Flachdach

23.12.1999 - (idw) Universität zu Köln

Theodor Kelters Verwaltungsbauten der fünfziger Jahre auf den Kölner Ringen

Gerasterte Fassade, aneinander gereihte Fenster, auskragendes Flachdach, zurückgesetztes oberstes Geschoß, stark kontrastierende Farbgebung und goldeloxiertes Aluminium - das sind die häufigsten Merkmale zahlreicher Bauten an den Kölner Ringen, die der Kölner Architekt Theodor Kelter meist für Sparkassen und Versicherungen errichtet hat. Der Gebrauchswert dieser meist an exponierter Stelle errichteten Gebäuden wissen auch die heutigen Nutzer zu schätzen, da sie fast alle heute noch für den ursprünglich vorgesehenen Zweck verwendet werden, wie Petra Postaremczak in einer Studie festgestellt hat, die sie am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln erstellt hat.

Theodor Kelter wurde 1907 in der Nähe von Düren geboren und hat in fünfziger und auch sechziger Jahren viele Verwaltungsbauten im gesamten Bundesgebiet und im Ausland geplant. Sie waren sein Spezialgebiet, da er die Wünsche der Bauherrn und die Aufgaben derartiger Verwaltungsbauten genau kannte. Dabei bediente er sich der Skelettbauweise, die in den zwanziger und dreißiger Jahren bereits Anwendung fand, die damals allerdings noch komplett hinter einer Verkleidung versteckt wurde. Hiermit sollte eine Massivbauweise vorgetäuscht werden. In den fünfziger Jahren rückten Stützen und Balken nach vorne und machten somit eine Rasterfassade deutlich, die zu einer der beliebtesten Bauformen für die Verwaltungsbauten der fünfziger Jahre in der Bundesrepublik wurden. Damit grenzte sich Kelter von anderen Architekturstilen ab, die in den fünfziger Jahren vorherrschten wie beispielsweise der "Neoklassizismus" als direkte Fortsetzung der repräsentativen Bauten des Dritten Reiches, von der "Heimatschutzarchitektur", die vor allem im Bereich der Einfamilienhäuser Verwendung fand oder von der Fortsetzung des "Neuen Bauens" der zwanziger Jahre.

Bei Theodor Kelter lassen sich - so die Kölner Kunsthistorikerin - zwei Phasen unterscheiden. Die beiden Anfang der fünfziger Jahre errichteten Gebäude - die Zweigstelle der Stadtsparkasse am Ebertplatz 1 (das Foto kann unter http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/12_1999/217_99.htm heruntergeladen werden) und das Büro- und Geschäftshaus der Kölnischen Lebensversicherung am Kaiser-Wilhelm-Ring 20 - zeichnen sich dadurch aus, daß die Stahlbetonskelettbauweise komplett hinter einer flächigen, hellen Natursteinverkleidung verschwindet, in die die unterteilten Fenster ähnlich einer Lochfassade eingeschnitten sind. Bei dem fast zeitgleich errichteten Gebäude der Karlsruher Lebensversicherung am Hohenzollernring 85-87 (das Foto kann unter http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/12_1999/217_99.htm heruntergeladen werden) ist das Skelett jedoch nicht mehr hinter einer Verkleidung verborgen, sondern ist als Raster sichtbar. Das Raster der Obergeschosse ist - so die Kölner Kunsthistorikerin - in Sichtbeton ausgeführt, eine Bauweise, die zu dieser Zeit erstmals aufkam. Auch die schmalen, hochrechteckigen Fenster, das auskragende Flachdach, das zurückgesetzte oberste Geschoß und die Vielfalt der kontrastierenden Materialien, die Theodor Kelter bei diesen Gebäuden einsetzte, waren in Deutschland in den fünfziger Jahren sehr beliebt. Die frühere Hauptstelle der Stadtsparkasse am Habsburgerring 2-12, die 1952/53 gebaut wurde, (das Foto kann unter http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/12_1999/217_99.htm heruntergeladen werden) gehört ebenfalls dieser Architekturrichtung an. Sie ist komplett "durchgerastert", und die hochrechteckigen Fenster scheinen endlos aneinandergereiht. Jede zweite Stütze ist etwas breiter gemäß ihrer konstruktiven Aufgabe, wobei die Stützen und Balken des Rasters nicht verkleidet sondern nur verputzt sind. Dadurch wirken sie - so die Kölner Kunsthistorikerin - sehr zierlich, wobei jeder Flügel des Gebäudes von dem gleichen Raster überzogen ist. Nur an der Südseite des Anbaus sind Brüstungsgitter zwischen den Rasterfeldern gespannt. Auch hier findet sich am gesamten Baukörper wieder ein auskragendes Flachdach.

Petra Postaremczak weist darauf hin, daß die Verwaltungsbauten Theodor Kelters sehr funktional ausgerichtet sind. So können die Geschosse je nach gewünschter Raumgröße flexibel unterteilt werden. Die Räume werden durch möglichst große Fenster belichtet und die großen, innen liegenden Kassenhallen werden durch Glasdecken mit Tageslicht versorgt und sonst unansehnliche Innenhöfe und Dächer wurden begrünt. Darüber hinaus setzte Theodor Kelter die Architektur als Werbeträger ein; so erscheint der meist in Neon ausgeführte Schriftzug des Bauherrn auf der Fassade oder auch das weithin sichtbare Firmenembleme. Auch die späteren von Theodor Kelters auf der Ringstraße in den sechziger Jahren geplanten Großbauten, wie zum Beispiel das Provinzial-Hochhaus mit Vorhangfassade am Habsburgerring oder das Hohenstaufenhaus am Zülpicher Platz, haben zur Prägung der Ringe beigetragen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Günther Bindung unter der Telefonnummer 0221/470-4440 und der Fax-Nummer 0221/470-6721 zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplares wären wir Ihnen dankbar.