Uni Essen veranstaltet Forschungskonferenz in Bonn: Abenteurer als Helden der Literatur

10.02.2000 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

38/2000
10. Februar 2000

Spätestens im 19. Jahrhundert stieg der "Abenteurer" zum Mythos auf, und doch hat er es bis heute weder zu einem Artikel in einem der großen europäischen Kon-versationslexika gebracht noch hat sich die historische Forschung je mehr als bei-läufig für ihn interessiert. Dabei ist der Abenteurer keineswegs allein ein Phänomen des 18. Jahrhunderts; vielmehr kann man seine Gestalt vom 16. bis ins 20. Jahrhun-dert verfolgen. Diese Kontinuität der abenteuerlichen Existenz bildet das Thema einer internationalen Forschungskonferenz, die die Universität Essen mit Unter-stützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Kommissi-on von Mittwoch, 16. Februar, bis Freitag, 18. Februar, im Wissenschaftszentrum Bonn veranstaltet.

Zum ersten Mal werden die Geschichte und Genealogie des Abenteurers von seinen Anfängen bis in die Gegenwart beleuchtet. Dabei werden die Referenten die Per-spektive auf die theoretische Frage eröffnen, wie sich der Abenteurer über die Jahr-hunderte hinweg als einheitlicher "Typus" darstellt. Möglicherweise ist er durch eine charakteristische geographische und/oder soziale Mobilität bedingt. Die Ver-mutung liegt nahe, dass man in den Abenteurern die ersten Bürger eines Europe sans frontières erblicken darf.

Der Einladung zum Gedankenaustausch über diese und andere Fragen folgen in Bonn mehr als vierzig Wissenschaftler aus aller Welt, die ganz verschiedenen Fach-disziplinen angehören: Historiker, Philologen, Soziologen und Politologen sind vertreten. Das Spektrum ihrer Diskussionsbeiträge zeigt den Abenteurer in der Verkörperung zum Helden und zum Betrüger, als Aristokraten und als Bettelmann, als Reisenden, Diplomaten und Militär - und auch als Ausbeuter und Spion.

Doch zeigt die von Essener Literaturwissenschaftlern organisierte Bonner Euro-Konferenz sich nicht nur im Blick der Fachwissenschaften, sondern präsentiert auch reale Abenteurer: Der Kölner Jugendbuchautor Wolfgang Bittner wird aus seinem Abenteuerroman "Wo die Berge noch namenlos sind" lesen. Bittner war Taxifahrer, Tiefbauarbeiter und Fürsorgeangestellter. Nach einem mit der Promotion beende-ten Jurastudium reiste er jahrelang durch Vorderasien, Mexiko und vor allem Kana-da, wo er mit einem Indianerstamm lebte. Seine abenteuerlichen Erfahrungen bilden die Grundlage seiner zahlreichen Romane.

Neben Bittner wurde auch der britische Abenteurer und Reiseschriftsteller Michael Asher für die Konferenz gewonnen. Asher hat an der University of Leeds englische Literatur studiert und als Soldat bei einem Fallschirmspringerregiment und in der Eliteeinheit SAS gedient. Große Expeditionen führten ihn in verschiedene Länder Afrikas. Drei Jahre lang lebte er mit einem Beduinenstamm ohne jeden Kontakt zur Außenwelt. Asher ist Träger mehrerer Orden und Fellow der Royal Society of Lite-rature. Zur Zeit lebt er in Nairobi. Neben anderen Büchern hat er eine Biographie des Lawrence von Arabien geschrieben. Von Lawrence fühlt sich Asher tief geprägt: Ohne Lawrence, bemerkte er einmal, wäre er niemals Wüstenforscher und Kamel-reiter geworden, hätte er nicht Arabisch gelernt noch, wie einst Lawrence, bei den Beduinen gelebt. Zur Bonner Konferenz wird Asher über beides sprechen: über Lawrence und über die eigenen Erlebnisse in der Wüste.

Ein weiterer Schriftsteller ist Gast der Konferenz: Hans Christoph Buch, Berlin, wird im Wissenschaftszentrum über seine Erfahrungen als Kriegsberichterstatter auf dem Balkan sprechen.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon: (02 01) 1 83-20 85
Weitere Informationen: Dr. Sabine Kleine, Telefon (02 01) 1 83-33 22