Ignorieren, antizipieren oder integrieren?

07.06.2000 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Expertenworkshop zu den Kosten der Umweltverschmutzung aus Unternehmenssicht

Im Rahmen der traditionellen betrieblichen Rechnungslegung werden grundsätzlich nur diejenigen Geschäftsvorgänge erfasst, die das Unternehmen selbst betreffen. Nicht erfasst werden dagegen Folgewirkungen, die zwar von den Unternehmen verursacht werden, aber von Dritten und/oder der Allgemeinheit zu tragen sind. Erstes Beispiel: Die von der Güterproduktion ausgehende Gewässerverschmutzung führt in der Fischereiwirtschaft zu Einkommensverlusten. Zweites Beispiel: Der durch landwirtschaftliche Intensivproduktion hervorgerufene Arten- und Biotopschwund verursacht Nutzeneinbußen bei der Allgemeinheit.

Der Expertenworkshop
"Die Kosten der Umweltverschmutzung aus Unternehmenssicht"
am 8. Juni 2000 (ganztätig)
Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50

ist eine Initiative des Deutschen Kompetenzzentrums für Nachhaltiges Wirtschaften (dknw) mit Sitz an der Universität Witten/ Herdecke und Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Die Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik befassen sich mit der strittigen Frage, ob es aus Sicht eines Unternehmens sinnvoll sein kann, die externen Kosten der Umweltverschmutzung - mit einem dreistelligen Milliardenbetrag jährlich allein in Deutschland - in das betriebliche Entscheidungskalkül einzubeziehen. Das Spektrum reicht von der "totalen Verweigerungshaltung" bis hin zum Wunsch nach einem praktikablen Rechenverfahren, das Schadenskosten in eine umfassende betriebliche Umweltkostenrechnung ("Full cost accounting") einbeziehen kann.
Die Ergebnisse sollen bei der Erstellung des "Leitfadens Betriebliches Umweltkostenmanagement" berücksichtigt werden, den das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt im Jahre 2001 herausgeben wollen. dknw-Direktor Prof. Werner Schulz rät den Unternehmen in deren ureigenem Interesse, sich bei diesem Zukunftsthema nicht aus der Verantwortung zu stehlen: "Irgendwann werden die externen Kosten von heute die Betriebskosten von morgen sein. Zukunftsorientierte Unternehmen, die dieses Faktum bei ihren langfristigen Planungen berücksichtigen, insbesondere bei kostspieligen und umweltrelevanten Investitionsentscheidungen, werden gegenüber der Konkurrenz nachhaltige Wettbewerbsvorsprünge erzielen können."

Weitere Informationen:
Deutsches Kompetenzzentrum für Nachhaltiges Wirtschaften
Tel.: 02302/926-505
e-mail: dknw@uni-wh.de