Förderung der VolkswagenStiftung stark gefragt

22.06.2000 - (idw) VolkswagenStiftung

191,9 Millionen DM für die Wissenschaft im Jahr 1999. Impulse für interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit

191,9 Millionen DM hat die VolkswagenStiftung im vergangenen Jahr für die Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland zur Verfügung gestellt. Die allgemeinen Fördermittel in Höhe von 117,1 Millionen DM wurden etwa zu gleichen Teilen an die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften einerseits und an die Natur-, Bio- und Ingenieurwissenschaften andererseits bewilligt (S. 145)*. Der satzungsgemäß an wissenschaftliche Einrichtungen in Niedersachsen zu vergebende Anteil belief sich 1999 auf 74,8 Millionen DM (S. 122 ff).

Mit einem Kapital von 3,8 Milliarden DM und einem Fördervolumen von jährlich 180 Millionen DM im Durchschnitt der letzten Jahre ist die VolkswagenStiftung einer der größten privaten Wissenschaftsförderer in Europa. Die unabhängige, in Hannover ansässige Institution, die 1961 von der Bundesrepublik und dem Land Niedersachsen errichtet wurde, hat nun mit ihrem Jahresbericht die Bilanz ihrer Tätigkeit im Jahr 1999 vorgelegt.

"Wir sind stolz darauf, immer wieder Fördermöglichkeiten in neuen For-schungsfeldern eröffnen zu können, die in der Wissenschaft auf großes Echo stoßen", sagte Kuratoriumsvorsitzende Helga Schuchardt auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung. Sie stellte die im Jahr 1999 neu eingerichteten Förderinitiativen, insgesamt sechs, kurz vor. Das Spektrum reicht von der Analyse kognitiver Prozesse bis zur Dokumentation bedrohter Sprachen, von der Untersuchung der Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas bis zu einem Gastforschungsprogramm für em-pirische Wirtschaftsforschung in den USA.
(Alle neuen Förderinitiativen sind am Ende dieser Information aufgelistet; Näheres dazu im Jahresbericht 1999.)

Wie der Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Wilhelm Krull, betonte, möchte die Stiftung auch mit diesen neuen Schwerpunkten und Programmen vor allem zu interdisziplinärer Zusammenarbeit und internationalem Austausch von Wissenschaftlern anregen: "Viele zukunftsorientierte Fragestellungen lassen sich nicht mit dem Instrumentarium einer Fachdisziplin allein sinnvoll bearbeiten. Auch wenn Interdisziplinarität in aller Munde ist, in manchen Bereichen wird sie noch kaum umgesetzt. Mit unseren Förderinitiativen - bei einigen ist fachübergreifende Zusammenarbeit die Voraussetzung zur Antragstellung - wollen wir die entsprechenden Impulse geben. Das gilt auch für den Austausch mit Wissenschaftlern anderer Länder und fremder Kulturen."

Ein Beispiel dafür sei der neue Schwerpunkt "Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas", mit dem zu historischen und gegenwartsbezogenen Forschungen zum östlichen Europa angeregt werden soll - vorzugsweise in länderübergreifenden Kooperationsprojekten. Bei der Förderinitiative "Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme - Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse" sollen Verbundvorhaben im Vordergrund stehen, zu denen sich Wissenschaftler unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung zusammenfinden. Beispielsweise die Kombination von experimentellen und theoretischen Ansätzen könne dazu beitragen, die komplexen Prozesse der dynamischen Anpassungsfähigkeit des Gehirns besser zu verstehen. Langfristig erhoffe man sich dadurch auch Fortschritte hinsichtlich der Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer Demenz.

Die große Nachfrage auf Seiten der Forscher im Jahr 1999 führte zu insgesamt 1 153 Anträgen über eine Summe von 476,3 Millionen DM. Bei den allgemeinen Fördermitteln konnten 1999 39,1 Prozent der eingereichten Anträge und 22,7 Prozent der insgesamt beantragten Summe bewilligt werden. Durch das Begutachtungssystem der Stiftung werde ein hoher Qualitätsstandard sichergestellt, durch die Auswahl der Besten stünden den aussichtsreichsten Projekten auch die notwendigen Mittel zur erfolgreichen Bearbeitung zur Verfügung, erläuterte die Kuratoriumsvorsitzende.

Sie wies auch darauf hin, dass die Stiftung bei der Bewirtschaftung ihres Vermögens im vergangenen Jahr wieder erfolgreich gewesen sei. Insgesamt wurde 1999 ein Überschuss aus Vermögensbewirtschaftung (S. 154 f.) von 455,6 Millionen DM (1998: 264,9 Mio. DM) erzielt. Ursächlich für dieses hohe Ergebnis waren Sondereinflüsse aus Umschichtungsgewinnen, die aus der Neuausrichtung der Vermögensanlage im Aktienbereich resultierten. Die Umwandlung des deutschen Aktienbestandes in ein europäisches Portfolio führte dazu, dass stille Reserven auf Grund von realisierten Kursgewinnen in Höhe von 220,2 Millionen DM freigesetzt wurden. Derartige Umschichtungsgewinne werden stiftungs- und steuerrechtlich dem Stiftungskapital zugerechnet.


Fakten und Zahlen (Jahresbericht 1999)

· Die neuen Förderinitiativen:
- Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas (S. 14)
- Konstruktionen des "Fremden" und des "Eigenen": Prozesse interkultureller Abgrenzung, Vermittlung und Identitätsbildung (S. 21)
- Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme - Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse (S. 44)
- Gastforschungsprogramm für empirische Wirtschaftsforschung in den USA (S. 56)
- Zwischen Europa und Orient - Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft (S. 67)
- Dokumentation bedrohter Sprachen (S. 74)


· Aus der Förderstatistik:
- von 1962 bis 1999 wurden über 25 000 wissenschaftliche Projekte mit 5,1 Milliarden DM gefördert
- 1999: 191,9 Mio. DM vom Kuratorium bewilligt (117,1 Mio. DM allgemeine Fördermittel, 74,8 Mio. DM Niedersächsisches Vorab)
- 1999: insgesamt 13,5 Mio. DM zugunsten wissenschaftlicher Einrichtungen im Ausland
- 1999: 50,5 Mio. DM kamen den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zugute,
- 20,3 Mio. DM den Naturwissenschaften und der Mathematik,
- 7,6 Mio. DM den Ingenieurwissenschaften und
- 29,8 Mio. DM den Biowissenschaften einschl. Medizin;
- 8,8 Mio. DM entfielen auf Fachgebietskombinationen