Erziehungsberatung für Alleinerziehende

26.07.2000 - (idw) Universität Koblenz-Landau

Die Koblenzer Erziehungswissenschaftlerin Margot Klinkner hat die Wirksamkeit eines Erziehungstrainingsprogramms für Alleinerziehende und seine Akzeptanz untersucht. Ein Ergebnis lautet: Um eine möglichst optimale Nutzung des Trainings zu ermöglichen, erscheint die Teilnahme nach Abschluss der ersten Phase der Trennung empfehlenswert.

Die gerade erschienene Untersuchung "Elternberatung für Alleinerziehende - Eine Evaluationsstudie" der Koblenzer Erziehungswissenschaftlerin Margot Klinkner ist Teil eines Projekts zur Entwicklung eines Erziehungsberatungsangebots für Alleinerziehende . Klinkner hat die Wirksamkeit eines Trainingsprogramms und seine Akzeptanz untersucht. Befragt wurden allein erziehende Frauen, die an dem gesamten Programm teilnahmen und Frauen, die keinen Bedarf für das Beratungsangebot zeigten. Ein Untersuchungsergebnis lautet: Um eine möglichst optimale Nutzung des Trainings zu ermöglichen, erscheint die Teilnahme nach Abschluss der ersten Phase der Trennung empfehlenswert. Die Aufnahmefähigkeit für die Vermittlung erzieherischer Verhaltenszusammenhänge ist größer, als unmittelbarer nach der Trennung oder Scheidung.

Obwohl die sozialen Phänomene Trennung und Scheidung von wachsender gesellschaftlicher Brisanz sind, existieren im deutschsprachigen Raum bislang wenig systematische Beratungskonzepte, mit denen die spezifischen Auswirkungen auf die Erziehungssituation aufgefangen werden können. Scheidungsberatung orientiert sich häufig an rechtlichen oder finanziellen Aspekten. Das Koblenzer Projekt will dazu beitragen die bestehenden Defizite abzubauen.

Klinkners Untersuchung zeigte, dass das Erziehertraining für Alleinerziehende bei den Teilnehmenden zu einer Verbesserung des erziehungsrelevanten Wissens, der Erziehungseinstellungen und -praktiken geführt sowie zu einer Verstärkung der Selbstakzeptanz sowie zu einer Verringerung der Schuldgefühle beigetragen hat. Auch zehn Wochen nach Abschluss der Beratungsmaßnahme bewerten die Teilnehmerinnen die im Training vermittelte Unterstützung in der Erziehungssituation durch kindzentriertes Verhalten und dabei erfahrene Stärkung des Selbstwertgefühls als besonders hilfreich. Mit dem Nachweis dieser Trainingseffekte im Bereich der psychodynamischen Stressoren ebenso wie im Bereich der Erziehungskompetenz erscheint das Beratungsprogramm geeignet, einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Erziehungssituation Alleinerziehender zu leisten. Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass Persönlichkeitsmerkmale keinen Einfluss auf den Trainingserfolg nehmen. Demgegenüber scheint der Zeitpunkt, zu dem die Alleinerziehenden am Beratungsprogramm teilnehmen, entscheidend für den Trainingserfolg: Die Teilnehmerinnen, die zum Zeitpunkt der Trainingsteilnahme bereits mehr als zwei Jahre getrennt lebten oder geschieden waren und sich mit ihrer Lebenssituation weitgehend zufrieden zeigten, konnten vorhandene Schuldgefühle im Laufe des Trainings eher abbauen und eine stärkere Selbstakzeptanz entwickeln, als jene, die erst seit einigen Monaten allein erziehend waren und mit ihrer Lebenssituation weitgehend unzufrieden waren.

Kontakt:
Dr. Margot Klinkner
Tel.: 0261/91538-14; e-mail: m.klinkner@zfh.de

Publikation:
Klinkner, M. (2000). Elternberatung für Alleinerziehende - Eine Evaluationsstudie.
Landau: Verlag Empirische Pädagogik