S.I.G.N.A.L. Ein Jahr Hilfe für Frauen am UKBF

28.07.2000 - (idw) Universitätsklinikum Benjamin Franklin

UKBF-Mediendienst Nr. 84 a

Einjähriges Bestehen von S.I.G.N.A.L. - Hilfe für Frauen am Universitätsklinikum Benjamin Franklin der FU

GEWALT MACHT KRANK
Um dieser Erkenntnis Rechnung zu tragen, wurde im September 1999 das bundes- weit einmalige Projekt S.I.G.N.A.L. am Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) der Freien Universität Berlin eingerichtet. Es wird vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) finanziell unterstützt.

Der Name S.I.G.N.A.L. steht für die einzelnen Schritte des Interventionsprogrammes:
S Sprechen Sie die Patientin an, signalisieren Sie Ihre Bereitschaft
I Interview mit konkreten einfachen Fragen
G Gründliche Untersuchung alter und neuer Verletzungen
N Notieren und dokumentieren Sie alle Befunde und Angaben, so daß sie gerichtsverwertbar sind
A Abklären des aktuellen Schutzbedürfnisses
L Leitfaden mit Notrufnummern und Unterstützungsangeboten anbieten

Ein B e i s p i e l für Anfragen, die an das Projekt gestellt werden, ist der Telefonanruf einer Betreuerin einer Einrichtung für alleinerziehende junge Mütter. Eine Bewohnerin habe von ihrem Partner, Vater ihres Kindes, in einer Auseinandersetzung einen Bauchschuss erlitten. Im Lande Brandenburg, ihrem damaligen Wohnsitz sei sie zwar medizinisch korrekt behandelt worden. Der Umgang der behandelnden Ärzte mit ihr sei jedoch so uneinfühlsam und der Situation nicht angemessen gewesen, daß sie in der Nachfolge eine medizinische Versorgung ablehnt, obwohl eine Weiterbehandlung dringend erforderlich wäre. An diesem Beispiel zeigt sich der dringende Bedarf für Projekte wie S.I.G.N.A.L., das sich zum Ziel gesetzt hat, die Sensibilität im Umgang mit den betroffenen Frauen im in der medizinischen Versorgung zu professionalisieren.

In den ersten neun Monaten des Projektes sind mittlererweile rund 100 MitarbeiterInnen im Pflegebereich geschult worden. Sie haben nach eigenen Angaben einen offeneren Umgang mit den von Gewalt betroffenen Frauen, sie fühlen sich sicherer und können Angst freier aber auch distanzierter mit dem Thema umgehen.

Im nächsten Schritt der Projektentwicklung ist eine Qualifizierungsmaßnahme für die behandelnden Ärzte geplant.

Es besteht bereits ein großes Interesse von Seiten anderer Krankenhäusern innerhalb Berlins am Projekt S.I.G.N.A.L., deshalb soll zur Umsetzung des Projektes an weiteren Krankenhäusern ein Netzwerk gegründet werden.

Da dieses Projekt ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit und Sponsoring des Arbeiter Samariter Bundes finanziert wird, sind S p e n d e n derzeit dringend erforderlich.

Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an den Fachbereich Public Health der TU Berlin vergeben und ist im Frühjahr angelaufen. Die Begleitforschung wird nach Ablauf von 2 Jahren Zahlenmaterial liefern u.a. über die Aufdeckungsrate von Gewalt als Ursache von gesundheitlichen Störungen nach Einführung des Projektes.
Das Bundesministerium hat weiterhin einen Auftrag an die Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Frauenforschung e.V. vergeben, eine interaktive CD-ROM zum Thema häusliche Gewalt zu entwickeln. Diese soll als Lernsoftware Behören (Polizei, Justiz, Gesundheitswesen) zur Verfügung gestellt werden, die mit diesem Thema konfrontiert sind. In dieser Lernsoftware sollen neue Interventionsmodelle vorgestellt werden. Das Drehbuch der dazu geplanten CD-ROM wird gemeinsam Kooperation der MitarbeiterInnen der Aufnahmestation/Erste Hilfe entwickelt.

Gewalt hinterlässt bei misshandelten Frauen und ihren Kindern oft schwere Schäden. Nicht nur körperliche Verletzungen wie Verbrennungen, Strangulierungs- und Würgemale, Fehlgeburten, vaginale Verletzungen sondern auch psychische Folgen wie Angst und Depressionen, Alkoholismus und psychosomatische Beschwerden sind oft die Folge von Gewalterfahrungen innerhalb des so genannten sozialen Nahbereiches.
Im Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 verzeichnet das Statistische Bundesamt, dass 4 Millionen Frauen in der BRD jährlich mit Gewalt in ihren Partnerschaften konfrontiert sind. Fast jede Frau, die von ihrem Partner misshandelt wird, sucht früher oder später eine Einrichtung des Gesundheitswesens auf. Diese spielen also eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung der Gewalttaten und bei der Verhinderung von erneuten Misshandlungen. Im medizinischen Alltag wurde bisher diese Chance allerdings nicht konsequent genutzt.

Im Universitätsklinikum Benjamin Franklin wurde zunächst das Pflegepersonal der Station Aufnahme / Erste Hilfe durch gezielte Schulungen darauf vorbereitet, den Umgang mit Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, zu überprüfen und Reaktionsweisen und Handlungskompetenzen zu erweitern.
Den von Gewalt betroffenen Frauen wird angeboten, neue und alte Verletzungen sowie psychosomatische Beschwerden, die mit der Misshandlung in Zusammenhang stehen, zu dokumentieren und für eine Anzeige gerichtsverwertbar zusammenzustellen. Darüber hinaus werden sie über Beratungsstellen, Zufluchtsmöglichkeiten und weitere Hilfsangebote informiert, wenn sie sich entschließen, sich von ihrem Mißhandler zu trennen.
Um die Erfahrungen aus den Schulungen mit dem beruflichen Alltag zu verknüpfen, erhalten die Mitarbeiterin regelmäßig Supervision bzw. Beratung. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit im Umgang mit den betroffenen Frauen und den Umgang mit Konflikten (z.B. mit Begleitpersonen, den Partnern) zu erleichtern sowie die Verarbeitung der eigenen Gefühle (Ärger, Trauer) zu ermöglichen.

Um das Thema Gewalt gegen Frauen in Zukunft konsequent im Gesundheitsbereich zu verankern, möchten wir Sie bitten das Modellprojekt S.I.G.N.A.L. durch eine Spende zu unterstützen.
Spendenkonto:
ASB Arbeiter-Samariter-Bund
BFS-Bank (Bank für Sozialwirtschaft) BLZ 100 205 00
Kto. 312 810 9
Stichwort S.I.G.N.A.L.

Ansprechpartnerin:
Gabriele Dittmann
Dekanat UKBF
Hindenburgdamm 30, 12200 Berlin
Tel.: (030) 8445-4074, Fax: -4451
dittmann@medizin.fu-berlin.de