Das Nachrichtenamt der Stadt Köln 1945-1960

22.08.2000 - (idw) Universität zu Köln

Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl für die Interessen, Sorgen und Gesprächsthemen der Kölner, führte Hans Schmitt-Rost das Nachrichtenamt der Stadt Köln von 1945 bis 1966. Plaudernd, unterhaltend und unmerklich unterrichtend warb er bei der Bevölkerung für die Arbeit der Stadtverwaltung. Schmitt-Rost verfolgte eine städtische Selbstdarstellung über die reine Fremdenverkehrswerbung hinaus. Anders als heute wurde Köln vorwiegend als Kunst- und Kulturstadt dargestellt, der es gelang mittelalterliche und moderne Wurzeln zu verbinden. Andere Aspekte, wie Köln als Wirtschaftsstandort oder Verwaltungssitz, sowie als Stadt von Handel, Banken und Versicherungen blieben weitgehend unberücksichtigt. Zu diesem Schluß kommt Ute Riechert-Stark in ihrer, am Historischen Seminar der Universität zu Köln angefertigten Untersuchung.

118/2000

Fingerspitzengefühl für die Erregbarkeit
Das Nachrichtenamt der Stadt Köln 1945-1960

Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl für die Interessen, Sorgen und Gesprächsthemen der Kölner, führte Hans Schmitt-Rost das Nachrichtenamt der Stadt Köln von 1945 bis 1966. Plaudernd, unterhaltend und unmerklich unterrichtend warb er bei der Bevölkerung für die Arbeit der Stadtverwaltung. Schmitt-Rost verfolgte eine städtische Selbstdarstellung über die reine Fremdenverkehrswerbung hinaus. Anders als heute wurde Köln vorwiegend als Kunst- und Kulturstadt dargestellt, der es gelang mittelalterliche und moderne Wurzeln zu verbinden. Andere Aspekte, wie Köln als Wirtschaftsstandort oder Verwaltungssitz, sowie als Stadt von Handel, Banken und Versicherungen blieben weitgehend unberücksichtigt. Zu diesem Schluß kommt Ute Riechert-Stark in ihrer, am Historischen Seminar der Universität zu Köln angefertigten Untersuchung.

Die Tradition des städtischen Nachrichtenamtes reicht in Köln bis ins Jahr 1910 zurück. Köln war somit eine der ersten Städte in Deutschland, die Presse- und Bürgerinformation institutionalisierte und professionalisierte. Das Nachrichtenamt versorgte in erster Linie die Kölner Lokalpresse, aber auch überregionale Medien mit Presseinformationen, um die Öffentlichkeit über Vorgänge in Rat und Verwaltung zu informieren. Schmitt-Rost vermittelte als Pressechef das offizielle Bild der Stadt und publizierte gleichzeitig als Privatperson zu so vielfältigen "Kölner" Themen wie Architektur, Städtebau und Kunst. In diesem Zusammenhang widmete er sich besonders den Problemen des Wiederaufbau Kölns nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der Untersuchung des kulturellen Klimas in der Stadt. Einen großen Stellenwert hatte für ihn auch die Rolle der bildenden Kunst in der Gesellschaft. Als überzeugter "Fußgänger" sah Schmitt-Rost übrigens die Altstadt als Zentrum Kölns an und lehnte es stets vehement ab, die Stadtplanung an die Bedürfnisse des Autoverkehrs anzupassen.

Mit seinem Einstieg in das Nachrichtenamt 1945 verband Schmitt-Rost die Hoffnung, die angespannte Stimmung in der Bevölkerung aufgrund der Wiederaufbau- und Versorgungsschwierigkeiten durch bessere Versorgung mit Informationen positiv zu beeinflussen. Dem Nachrichtenamt sollte dabei die Rolle eines Vermittlers zwischen der Arbeit der Stadtverwaltung, der Presse und der öffentlichen Meinung zukommen. In Schmitt-Rosts Augen hatte das Nachrichtenamt auch als eine Art Lokalredaktion zu fungieren, bis sich in Köln wieder eine unabhängige Lokalpresse entwickelt haben würde. Zu diesem Zweck wurde bis 1946 das "Verwaltungsblatt der Stadt Köln" herausgegeben. Ebenso sollte das Nachrichtenamt aufklärerisch und gleichzeitig auch ermutigend auf die öffentliche Meinung einwirken, sowie sie durch Sachinformation besser qualifizieren. In erster Linie sorgte es natürlich dafür, die Stadt Köln und die Arbeit der Stadtverwaltung in den Augen der Öffentlichkeit in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln lag völlig zentralisiert in den Händen des Nachrichtenamtes und damit Schmitt-Rosts. Er konnte das Nachrichtenamt und damit die Selbstdarstellung der Stadt ganz maßgeblich durch seine Person prägen. Als Pressechef war Schmitt-Rost eigentlich nur verantwortlich für die Vermittlung städtischer Entscheidungen gegenüber der Öffentlichkeit, nicht aber für die Inhalte dieser Entscheidungen. Deshalb enthielt er sich Stellungnahmen zum parteipolitischen Tagesgeschäft oder anderen politischen Äußerungen. Vielmehr entwickelte er seinen eigenen Stil im Umgang mit der Presse. So stellten zum Beispiel die regelmäßigen Dienstagskonferenzen, zu denen Vertreter der Presse eingeladen wurden, die zentrale Informationsquelle für alle Belange der Stadt und der Verwaltung dar. Denn es war den Journalisten über die Konferenzen hinaus, nicht gestattet an Ausschußsitzungen teilzunehmen. Die Zusammensetzung und Tagesordnung der Dienstagskonferenzen zu bestimmen, lag allein in Schmitt-Rosts Verantwortung.


Verantwortlich: Susanne Steffens

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