Weiterbildung von Erzieherinnen: Bremer Uni setzt Maßstäbe

02.08.2004 - (idw) Universität Bremen

Als erste bundesdeutsche Hochschule bietet die Universität gemeinsam mit dem Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder das Weiterbildende Studium "Frühkindliche Bildung" an. Damit haben erstmals praxiserfahrene Erzieherinnen und Erzieher auch ohne Hochschulzugangsberechtigung die Chance, sich auf Universitätsniveau weiterzubilden. Der erste Durchgang startete mit 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 2. August 2004.

Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die kindliche Entwicklung. In Kindergarten und Grundschule werden die Weichen für die Zukunft der Kinder gestellt. Schon der Kindergarten muss daher zur Bildungseinrichtung werden, die Kinder in ihrer Entwicklung fördert und ihnen den Übergang in die Schule erleichtert. Dies stellt Erzieherinnen und Erzieher vor neue Herausforderungen, auf die sie durch ihre Ausbildung nur unzureichend vorbereitet sind. Die Universität Bremen reagiert auf diesen Bedarf. Als erste bundesdeutsche Universität bietet sie gemeinsam mit dem Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder der Bremischen Evangelischen Kirche das Weiterbildende Studium "Frühkindliche Bildung" (WSFB) an. Erstmals haben damit praxiserfahrene Erzieherinnen und Erzieher auch ohne Hochschulzugangs-berechtigung die Chance, sich auf Universitätsniveau weiterzubilden. Der erste Durchgang begann am 2. August 2004.

Erster Schritt zum internationalen Anschluss

International renommierte Experten wie Professor Wassilios Fthenakis von der Universität Bozen fordern seit langem, Erzieherinnen und Erzieher an Hochschulen auszubilden, wie dies in anderen europäischen Ländern längst der Fall ist. Auch bereits im Beruf stehende Erzieherinnen und Erzieher benötigen erweiterte Kenntnisse und Kompetenzen: Sie sollen die sprachliche Entwicklung der Kinder ebenso fördern wie deren musisch-kreative Fähigkeiten. Und sie sollen Kinder darin unterstützen, selbst Antworten auf ihre vielen Fragen zu Natur, Technik, Kultur oder Religion zu finden. Übergangsprozesse zwischen Elternhaus, Krippe, Kindergarten und Grundschule werden wichtiger und müssen mit pädagogischer Kompetenz gestaltet werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Familien der Kinder ganz unterschiedliche kulturelle und religiöse Vorstellungen mitbringen und die Lebensformen vielfältig geworden sind. Schließlich müssen Erziehungs- und Bildungspläne beachtet und in die Praxis umgesetzt werden. "Das Weiterbildende Studium in Bremen ist ein wichtiges Pilotvorhaben, um die Qualität der frühkindlichen Erziehungspraxis in den Kindertageseinrichtungen zu verbessern", betont Professor Fthenakis, der an den Planungen als Berater beteiligt war.

Die Fachbereiche Human- und Gesundheitswissenschaften und Erziehungs- und Bildungswissenschaften sowie das Zentrum für Weiterbildung der Universität Bremen haben das WSFB gemeinsam mit dem Landesverband als berufsbegleitendes, praxisorientiertes Studium konzipiert. Es knüpft an die Erfahrungen und Fragen an, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihrem beruflichen Alltag mitbringen. Das WSFB umfasst 420 Unterrichtsstunden, dauert zwei Jahre und schließt mit einem Universitäts-Zertifikat ab.

Start mit 50 Teilnehmenden

Der erste Durchgang des Weiterbildenden Studiums "Frühkindliche Bildung" hat am 2. August 2004 mit 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern begonnen. "Diese Zahl zeigt, dass der Bedarf da ist", resümiert Professorin Ursula Carle, Hochschullehrerin aus dem Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften und Beauftragte für das Weiterbildende Studium. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus sieben verschiedenen Bundesländern. "Wir freuen uns sehr, dass das Weiterbildende Studium auch überregional so positiv aufgenommen wurde. Ohne die enge Zusammenarbeit zwischen Universität und Praxis wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen", betont Professor Peter Richter, Konrektor für Lehre und Studium der Universität Bremen.

Ursprünglich wollten sogar fast 70 Personen an der Weiterbildung teilnehmen. Viele mussten allerdings ihre Anmeldung zurückziehen, weil in der jeweiligen Einrichtung keine Vertretung organisiert werden konnte oder der Arbeitgeber einer Teilnahme am Weiterbildenden Studium nicht zustimmte. Für Ilse Wehrmann, Leiterin des Landesverbands Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, kommt dies nicht überraschend: "Die Einrichtungen brauchen dringend mehr ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher in den Gruppen." Nicht zuletzt mit Blick auf die für Bremen ernüchternden Ergebnisse der PISA-Studie fordert sie ein bildungspolitisches Umdenken: "Kinder und deren Förderung müssen wichtiger werden."


Weitere Informationen:

Universität Bremen
Zentrum für Weiterbildung
Dr. Petra Boxler
Tel. 0421 218 3294
Email: boxler@uni-bremen.de