Unfallchirurgen beraten mögliche Komplikationen und Fehler

05.10.2000 - (idw) Universität Leipzig

Die Leipziger Unfallchirurgen nehmen sich unvoreingenommen typischer Komplikationen und Mängel in der Unfall- und wiederherstellungschirurgie an. Das tun sie in erster Linie für ihre Patienten, denen eine Analyse von Fehlerquellen und
Lösungsmöglichkeiten nur zugute kommen kann.


Prof. Dr. med. Christoph Josten Wohl einmalig ist das von Leipziger Unfallchirurgen unter Leitung von Prof. Christoph Josten, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Universität Leipzig, einberufene Seminar am 6. und 7. Oktober 2000, in dem Komplikationen und Fehler in der unfallchirurgischen Praxis im Mittelpunkt stehen. Namhafte Unfallchirurgen Deutschlands kommen zusammen, um Probleme ihrer alltäglichen Arbeit zu thematisieren, zu diskutieren und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. "Denn", so Prof. Josten, "auch wir Ärzte sind nur Menschen und damit nicht vor Fehlern gefeit. Doch es gehört im Interesse unserer Patienten zu den grundlegensten ärztlichen Aufgaben, Komplikationen aufzuarbeiten und Fehler zu analysieren."

Ziel des Seminars ist nicht nur das Aufzeichnen von spezifischen Fehlerquellen bei der Diagnosestellung und Behandlung sowie Strategien zu deren Vermeidung, sondern auch Komplikationen organisatorischer Art zu benennen, beginnend bei Klinikorganisation und Personalführung bis hin zum Umgang mit gerichtlich relevanten Fällen.

Ausgangspunkt ist die Primärversorgung von Unfallverletzten. "Hier kommt es," stellt Prof. Josten fest, "manchmal zu Fehlinterpretationen der Unfallschwere." So werden z.B. leichte Verletzungen übersehen, die dem Patienten später einige Probleme bringen können. Oder z.B. stark blutende Wunden lenken ab von anderen Verletzungen, die ebenfalls behandlungsbedürftig sind. Da muß der Unfallchirurg schon wissen, worauf er besonders zu achten hat. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Verletzungen einzelner Körperteile, bei deren Behandlung häufig diagnostische oder therapeutische Fehler gemacht werden. Hier ist die Diskussion von Lösungswegen besonders wichtig.

Manchmal werden auch die Patientengespräche falsch geführt. Beim Patienten wird die Erwartung geweckt, der Arzt operiert da mal, dann wird alles wieder wie früher und ist dann enttäuscht, das dies keineswegs so ist. "Solche Fälle, " weiß Prof. Josten, "kommen dann häufig vor Gericht." Es genügt auch nicht, einfach ein guter Arzt zu sein. Gerade im Krankenhaus werden von ihm auch Managementqualitäten erwartet. Der Chirurg hat immer auch eine Führungsposition inne, er muß zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Anweisungen geben und sich auf seine Mitarbeiter verlassen können. Unterlaufen ihm in der Mitarbeiterführung grundlegende Fehler, wirkt sich das natürlich auch auf den Patienten aus.

Alle Probleme werden an konkreten Fällen diskutiert. Darüber hinaus tragen einige Leiter renommierter unfallchirurgischer Krankenhäuser Deutschlands die jeweils fünf häufigsten Fehler in ihren Kliniken vor. Das ist absolut ein Novum. Denn schon das Sich-Eingestehen von Fehlern stellt einen wichtigen Schritt dazu dar, sie abzustellen. Prof. Josten: "Noch mehr Zivilcourage erfordert es, wenn diese im Rahmen eines Seminars mit Kollegen offen angesprochen und diskutiert werden."

Dr. Bärbel Adams