DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung für Andreas Seidel-Morgenstern

26.10.2000 - (idw) DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.


DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung 1999 für Herrn Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg Den mit 30.000 DM dotierten Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung erhält in diesem Jahr

Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern
Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg

für seine richtungweisenden Arbeiten zur Modellierung und dynamischen Simulation der Integration von chemischer Reaktion und Stofftrennung, insbesondere für die experimentelle und theoretische Erschließung chromatographischer Trennprozesse für industrielle Anwendungen. Die Preisverleihung findet am 1. Dezember um 16.00 Uhr im Rahmen eines Festkolloquiums im DECHEMA-Haus in Frankfurt/Main statt.

Dieser Preis wird seit 1951 von der DECHEMA, Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie e.V., für herausragende Forschungsarbeiten vergeben, die die Technische Chemie, die Verfahrenstechnik, die Biotechnologie und das Chemische Apparatewesen betreffen. Dabei werden besonders Arbeiten jüngerer Forscher berücksichtigt, die von grundsätzlicher Bedeutung sind und eine enge Verflechtung von Forschung und praktischer Anwendung zeigen.

Moleküle und ihre Spiegelbilder

Eine der schwierigen im industriellen Maßstab zu lösenden Aufgaben ist die Trennung von Enantiomeren. Dies sind paarweise auftretende und zueinander spiegelbildlich aufgebaute Moleküle. Sie entstehen bei vielen chemischen Synthesen in gleichen Verhältnissen. Auf Grund ihrer unterschiedlichen biologischen Aktivität ist häufig jedoch nur eines der Enantiomeren erwünscht. Die Problematik der Enantiomerentrennung besitzt insbesondere in der pharmazeutischen Industrie eine große und auf Grund steigender Reinheitsanforderungen wachsende Bedeutung.

Ein Beispiel dafür ist das Contergan. Das eine Enantiomere hat die gewünschte Wirkung als Schlafmittel, während sein Spiegelbild teratogen wirkt. Dadurch, daß es damals nicht gelang, die beiden Enatiomeren sauber voneinander zu trennen, wurde bei der Einnahme des Contergans während der Schwangerschaft die normale Ausbildung der Gliedmaßen beim Embryo gestört; dies hatte die "Contergan-Kinder" zur Folge.

Die zur Zeit gesetzlich festgelegten Grenzwerte für pharmazeutische Wirkstoffe liegen abhängig vom Verwendungszweck bei 98 Prozent und höher. Dabei darf sich die Differenz zu 100 Prozent nur aus Nebenverbindungen zusammensetzen, deren Struktur und toxikologische Wirkung bekannt sind. Für unbekannte Inhaltsstoffe sind Grenzwerte unter 0,1 Prozent festgelegt. Für Nebenkomponenten, bei denen ein toxisches Potential vermutet wird, sind noch niedrigere Grenzwerte einzuhalten. Nebenverbindungen, die unter Verdacht stehen, mutagene und cancerogene Wirkungen zu haben, dürfen nicht nachweisbar sein.

Andreas Seidel-Morgenstern hat sich mit chromatographischen Hochleistungstrennverfahren beschäftigt, die es ermöglichen, die gewünschten Produkte in hoher Ausbeute und Reinheit zu erhalten. In seinen theoretischen und experimentellen Arbeiten hat er verschiedene Möglichkeiten zur Kopplung von Reaktion und Stofftrennung in einer Apparatur entwickelt.

Beruflicher Werdegang des Preisträgers:

Prof. Dr.-Ing. Andreas Seidel-Morgenstern, geboren 9.8.1956, studierte Verfahrenstechnik an der Technischen Hochschule in Leuna-Merseburg. 1987 promovierte er mit einer Arbeit zur Anwendung von Aktivkohlen bei der Trink-wasserreinigung am Institut für Physikalische Chemie der ehemaligen Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof. In den Jahren 1991 und 1992 beschäftigte sich Andreas Seidel-Morgenstern während eines Forschungsaufenthaltes in den Vereinigten Staaten erstmals intensiver mit der Trennung pharmazeutischer Wirkstoffe. Im Anschluß habilitierte er sich am Institut für Technische Chemie der Technischen Universität in Berlin mit einer Arbeit zur mathematischen Modellierung chromatographischer Trennprozesse. Seit April 1995 hat er den Lehrstuhl für Chemische Verfahrenstechnik an der Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg, inne und beschäftigt sich mit den Arbeitsgebieten Adsorption, Heterogene Katalyse, Membranreaktoren, Chromatographische Reaktoren, Präparative Chromatographie. Seit Juli 1998 ist er Geschäftsführender Leiter des Instituts für Verfahrenstechnik. Im August 1998 wurde er zum Auswärtigen Wissenschaftlichen Mitglied des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg berufen und ist Leiter der Forschungsgruppe Physikalisch-chemische Grundlagen.