Internationaler Workshop über grenzüberschreitende Schadstoffe

19.02.2001 - (idw) GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

Internationaler Workshop über grenzüberschreitende Schadstoffe - Bewertung von Umweltpolitiken am Fallbeispiel Blei

Am 19/20.02.2001 veranstaltet das Institut für Küstenforschung des GKSS- Forschungszentrums Geesthacht an der Hamburger Universität einen internationalen Workshop zu dem Thema "Integrierte Analyse von Politikmaßnahmen zur Reduktion grenzüberschreitender Schadstoffe - die Fallstudie: verbleites Benzin in Europa." Es werden langjährige Entwicklungen von Schadstoffen, die durch den Transport in der Atmosphäre weiträumig verteilt werden, mit unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Erklärungsansätzen diskutiert. Darüber hinaus werden die politischen Reaktionen auf die in der Vergangenheit steigende Schadstoffbelastung der Umwelt analysiert. Hat die Einführung von bleifreiem Benzin zu sinkenden Bleikonzentrationen in verschiedenen Umweltmedien geführt? Im Vordergrund des Workshops steht nicht nur der internationale Erfahrungsaustausch, sondern der Aufbau interdisziplinärer Forschungsgruppen, die aktuell bedeutende Schadstoffe, wie zum Beispiel die giftigen und teilweise krebserregenden Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), aus naturwissenschaftlicher, ökonomischer und politischer Sicht bewerten.

Wissenschaftler des Instituts für Küstenforschung stellen auf dem Workshop die Ergebnisse des "Bleiprojekts" vor. Auf der Basis detaillierter Abschätzungen über die Emissions- und Depositionsveränderungen von dem, dem Benzin beigemengten Blei wurde die Bleibelastung in den vergangenen 40 Jahren bewertet. Dabei erwies sich, dass die gesetzlichen Emissionsverminderungen sowohl ökologisch als auch ökonomisch erfolgreich waren. Bis Mitte der 70er Jahre stiegen die Bleiemissionen deutlich an, danach sanken sie sowohl in städtischen als auch ländlichen Regionen deutlich ab - z.B. im Großraum Hamburg sind die Werte seit 1976 um 90% gesunken.

In den Jahren 1972 und 1976 reduzierte der Gesetzgeber schrittweise den Bleigehalt im Benzin, bis hin zur Einführung bleifreien Benzins 1985. Analysen von Messdaten und detaillierte Modellrechnungen haben gezeigt, dass die Bleibelastung nicht nur in der Atmosphäre gesunken ist. Auch in Pflanzen ist die Schadstoffkonzentration um 2/3 zurückgegangen. Der Bleigehalt im Blut der deutschen Bevölkerung ist in den vergangenen 20 Jahren um mehr als die Hälfte gefallen. In der Elbe sind die Schadstoffkonzentrationen nicht gesunken, da hier industrielle Einleiter und nicht die Bleibelastung der Luft die stärksten Verursacher sind. In marinen Systemen wurde ein weiterer Anstieg der Bleikonzentrationen verhindert.

Aus wirtschaftlicher Sicht waren vor allem Autofahrer, Kfz-Hersteller, Raffinerien und Tankstellen von den Politiken zur Emissionsminderung betroffen. Steigende Produktionskosten von bleifreiem Benzin glichen die Raffinerien durch Innovationen aus. Die Reduktion des Bleigehalts im Benzin in 1972 und 1976 hatte keine Auswirkungen auf die Verbraucher. In 1985 wurden die Kosten des technischen Wandels durch steuerliche Begünstigungen abgefedert. Die Einführung des Katalysators seit 1985 führte wegen der unterschiedlich hohen Kosten beim serienmäßigen Einbau zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem Automobilmarkt, unter anderem waren Daimler-Benz und Volkswagen deutliche Gewinner. Die Notwendigkeit, nunmehr eine zusätzliche Zapfsäule für bleifreies Benzin vorzuhalten, führte zu weit verbreiteten Geschäftsaufgaben freier Tankstellen.