Erste Doktorhüte an der wiedergegründeten Universität Erfurt

02.04.2001 - (idw) Universität Erfurt

Vizepräsident Schluchter: "Erfolgsbilanz des Max-Weber-Kollegs"

Nach mehr als 185 Jahren werden heute an der neu gegründeten Universität Erfurt erstmals wieder Doktorwürden verliehen. Die sieben Kollegiaten haben ihr Promotionsstudium am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt erfolgreich absolviert. Im Erfurter Augustiner Kloster - an gleicher Stelle, wo sie vor drei Jahren als erste Studierende der Universität immatrikuliert wurden - erhalten sie die Promotionsurkunden und Doktorhüte aus den Händen von Universitätspräsident Dr. habil. Wolfgang Bergsdorf und dem Dekan des Kollegs und Vizepräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Schluchter. An der Feier im Rahmen der Eröffnung des Akademischen Jahres am Max-Weber-Kolleg nimmt auch der Staatssekretär des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Jürgen Aretz teil.
Die Promotionsarbeiten der 5 Doktoranden und zwei Doktorandinnen sind in den Bereichen Religionswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Soziologie und Geschichte angesiedelt. Zwei der Arbeiten befassen sich mit Max Weber und seinem Werk. So hat Sven Wöhler über "Das heterologische Denkprinzip Heinrich Rickerts und seine Bedeutung für das Werk Max Webers" promoviert. Der aus Ungarn stammende Zoltán Hidas verteidigte seine Arbeit zum Thema "Max Weber und Aspekte des Historischen". Barbara Thériault - die aus Kanada stammende erste Studentin der Universität Erfurt - erforschte die Entwicklung der Evangelischen und Katholischen Kirche in Ostdeutschland nach der Wende. Thomas Beschorner promovierte als Wirtschaftswissenschaftler über "Ökonomie als Handlungstheorie. Evolutorische Ökonomik, verstehende Soziologie und Überlegungen zu einer neuen Unternehmensethik", Markus Dreßler widmete sich einem Thema aus dem islamischen Kulturraum: "Die Kizilbas-Tradition. Genese, Entwicklung und Neukonzeptualisierung der
alevitischen Religion". Die Soziologen Annette Feuchter und Jens Greve verteidigten ihre Arbeiten über "Motivation und Leistung. Eine Studie zum komplexen Problemlösen in sozialen Situationen" bzw. "Bedeutung und Handlung". Gutachter und Betreuer für die Arbeiten waren die Fellows des Kollegs und Gastwissenschaftler.
Das Max Weber-Kolleg ist eine fakultätsähnliche zentrale Einrichtung der Universität Erfurt für Forschung und Lehre. Es zeichnet sich durch eine besondere Organisationsform aus. Diese besteht in der Verbindung von Center for Advanced Study, Forschungsinstitut und Graduiertenkolleg. International anerkannte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen werden auf Zeit zu wissenschaftlichen Mitgliedern (Fellows) bestellt. Sie beteiligen sich an einem langfristig angelegten Forschungsprogramm und unterrichten die Doktoranden und Habilitanden (Kollegiaten). Diese behandeln in ihren Doktor- und Habilitationsarbeiten Aspekte des Forschungsprogramms. Je nach ihrem disziplinären Schwerpunkt können Kollegiaten zum Dr. rer. pol. oder zum Dr. phil. promoviert werden. Als Kollegiat kann aufgenommen werden, wer ein hervorragendes Examen in einer der am Kolleg vertretenen Disziplinen vorweist und ein Dissertations- oder Habilitationsprojekt skizziert, das von den Wissenschaftlichen Mitgliedern akzeptiert wird. Für die Durchführung der Projekte gibt es dreijährige Stipendien i.H.v. 1600 DM monatlich, die derzeit aus dem Landesgraduiertenprogramm, der Jutta-Heidemann-Stiftung, der Stiftung propter homines, der Mercator-Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Universitätsgesellschaft und der Kirchen- und Klosterkammer finanziert werden.
Sitz des Max-Weber-Kollegs ist das Gelände der ehemaligen Kunstgewerbeschule Am Hügel. Dort findet jeder der Kollegiaten einen Arbeitsplatz. Er ist verpflichtet, an den Lehrveranstaltungen des Kollegs teilzunehmen. Deren Themen hängen mit dem Forschungsprogramm zusammen, folgen aber keinem formalisierten Curriculum. Lehrveranstaltungen am Kolleg werden in der Regel von mehreren wissenschaftlichen Mitgliedern und Gastprofessoren gemeinsam geplant und durchgeführt.