Erkrankungen der Psyche frühzeitig erkennen

26.04.2001 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Psychische Erkrankungen sind noch immer schwer therapierbar. Frühzeitig erkannt und angemessen behandelt, lassen sich inzwischen aber auch in solchen Fällen Fortschritte erzielen, die noch vor einigen Jahren als aussichtslos galten. Eine Tagung auf dem Petersberg widmet sich am 19. Mai zwischen 9.30 und 15 Uhr dem brandaktuellen Thema Früherkennung und Prävention psychischer Störungen. Organisator ist das Psycho-Forum Nordrhein, dem auch die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn angehört.

Etwa 15% aller Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression; 9% der älteren Menschen sind von Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzen betroffen; bei 7% der Erwachsenen treten irgendwann in ihrem Leben Alkoholismus bzw. Drogenabhängigkeit auf. All diese häufigen psychischen Erkrankungen können meist nicht dauerhaft geheilt werden, sondern zeigen auch unter Behandlung einen wiederkehrenden, manchmal auch chronischen Verlauf. Die Betroffenen leiden unter einer deutlich verminderten Lebensqualität und sind mit einer reduzierten Lebenserwartung konfrontiert.

Neuere Erkenntnisse belegen, dass nur der frühzeitige Beginn einer spezifischen Behandlung langfristig die seelische Gesundheit der Betroffenen günstig beeinflussen kann. Daher sind Früherkennung und Frühbehandlung bei psychischen Erkrankungen von zentraler Bedeutung, was insbesondere für Psychosen und Schizophrenie, die Alzheimerkrankheit und Suchterkrankungen gilt. Meist erfolgen aber Diagnose und Behandlungsbeginn erst spät. Entscheidende Veränderungen in der Praxis von Diagnose und Therapie sind daher dringend nötig. Die Tagung berichtet über Möglichkeiten der Früherkennung und Frühbehandlung und stellt entsprechende klinische Angebote vor.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung bedeuten auch die vom Bundesministerium für Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzwerke für Schizophrenie, Depression/ Suizidalität und die Forschungsverbünde Sucht, in denen Modellprojekte für Früherkennung und Frühbehandlung gefördert werden. Auch in Bonn sind entsprechende Angebote aufgebaut worden. Ebenfalls in diesem Kontext steht die Tagung des Psycho-Forums Nordrhein: Unter dieser Bezeichnung haben sich Initiatoren aus den verschiedensten Versorgungsbereichen zusammengefunden, die zweimal im Jahr eintägige Symposien zu praktisch wichtigen, aber sonst wenig beachteten aktuellen Themen mit auswärtigen oder lokalen Referenten organisieren. Die geplanten Tagungen sollen sich zudem an den CME-Richtlinien (Continous Medical Education) für eine qualifizierte Mediziner-Fortbildung orientieren.


Weitere Informationen: Dr. Kai-Uwe Kühn, Dr. Barbara Hawellek, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn, Tel.: 0228/287-5732; Anmeldungen per Fax unter 0228/287-4745 oder per E-Mail an Gabi Goedhart, ggoedhar@uni-bonn.de