DFG bewilligt neues Graduiertenkolleg an der Universität Göttingen

30.04.2001 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

Bereich Humanmedizin, Physik, Biologie sowie Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie und für experimentelle Medizin forschen gemeinsam

(ukg) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zum Herbst 2001 ein neues Graduiertenkolleg für die Universität Göttingen bewilligt. In dem Kolleg werden die Abteilungen Molekulare Neurophysiologie und Neuro- und Sinnesphysiologie des Bereichs Humanmedizin, das III. Physikalische Institut (Leiter Prof. Dr. Werner Lauterborn) und von der Biologischen Fakultät das 1. Zoologische Institut (Leiter Prof. Dr. Norbert Elsner) sowie die Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie und für experimentelle Medizin gemeinsam forschen. Sprecher des Graduiertenkollegs "Raumzeitliche Signalprozesse in Neuronen und zelluläre Biophysik" ist Professor Dr. Dr. Detlev Schild von der Abteilung Molekulare Neurophysiologie der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin. Ziel des Graduiertenkollegs ist es, die Funktionen und Interaktionen einzelner Moleküle zu untersuchen. Dadurch würde es möglich, Wirkungen auf die Gesamtfunktion einer Zelle besser zu verstehen. Insgesamt sollen 14 Nachwuchswissenschaftler - Doktoranden und Postdoktoranden - im Kolleg beschäftigt werden. Die Laufzeit ist auf zunächst drei Jahre mit Option auf insgesamt neun Jahre festgelegt. Die DFG fördert das Graduiertenkolleg mit rund zwei Millionen Mark.

"Hauptgegenstand unserer Forschungen wird es sein, die Wechselwirkung von einzelnen Molekülen und Proteinen zu untersuchen", sagt Professor Dr. Detlev Schild. Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms sei die Struktur zwar weitgehend klar, über die Funktionen der einzelnen Zellbausteine sei allerdings erst wenig bekannt. In insgesamt 14 unterschiedlichen Arbeitsgruppen werden die Wissenschaftler einzelne Zellteile (Kompartimente) untersuchen und zum Beispiel Wege suchen, wie man die Zellmembran kurzfristig aufbrechen kann, um im Tierversuch Medikamente oder DNA in eine Zelle einzuschleusen. Um die Interaktionen in der Zelle und zwischen den Molekülen zu erforschen, wenden die Mitglieder des Graduiertenkollegs zum Beispiel optische Verfahren aus der Physik und medizinische Verfahren kombiniert an. Ziel ist es, die Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Medizin, Physik, Chemie und Biologie vor allem auf dem Grenzgebiet zwischen Neurobiologie und Biophysik auszubilden. In Industrie und Wissenschaft gebe es gerade in diesen Gebieten zur Zeit erheblichen Bedarf an biophysikalisch trainierten Medizinern und Biologen sowie medizinisch-biologisch gut ausgebildeten Biophysikern.

"In der Kombination der beteiligten Abteilungen und der angewendeten Verfahren liegt das Besondere und Neue," sagt Professor Schild. Gerade die Kooperation von Physik und Medizin werde so erheblich verstärkt. Um einen möglichst guten Austausch der Wissenschaftler zu garantieren, finden im Graduiertenkolleg wöchentliche Treffen der Nachwuchswissenschaftler der unterschiedlichen Disziplinen mit Dozenten statt. Gegenseitige Laborbesuche sowie Summerschools mit ausländischen Forschern sind geplant.

Die DFG fördert Graduiertenkollegs seit 1990. Insgesamt werden derzeit 283 Kollegs, darunter 20 europäische und ein transatlantisches gefördert. In diesen Kollegs werden jeweils zehn bis 15 besonders qualifizierte Doktoranden in einem meist interdisziplinären Forschungs- und Studienprogramm ausgebildet. Zurzeit bereiten sich in Graduiertenkollegs rund zehn Prozent aller Doktoranden in Deutschland auf ihre Promotion vor. Absolventen von Graduiertenkollegs sind in der Regel umfassender qualifiziert und durchschnittlich zwei Jahre jünger als ihre übrigen Studienkollegen.

Weitere Informationen:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abteilung Molekulare Neurophysiologie
Prof. Dr. Detlev Schild
Humboldtallee 23
37073 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 59 15
e-mail: dschild@gwdg.de