Die depressive Gesellschaft: Szenen der Desaster-Revue

09.10.2002 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

"n e x t: the:science:faqtory" erforscht Depressionen, Rezessionen und Revisionen.

Die neuen Meldungen sind für die Deutschen kaum mehr zu ertragen: Nach der New Economy und scheinbar unendlichem Reichtum kam der tiefe Fall: 40.000 Insolvenzen, über 4 Millionen Arbeitslose, teurobedingte Konsumverweigerung, Einbruch des deutschen Finanzmarktes um über 65% seit März 2000. Doch nicht nur wirtschaftliche Aspekte schlagen auf das Gemüt: Erfurt und Pisa, BSE und Nitrofen, Dolly und Dollar, Irak und Jahrhunderthochwasser, Korruption und Kostensenkungen, Meilen und mehr...

Die Folge: Depression. Die Forscher von "n e x t: the:science:faqtory" der Universität Witten/Herdecke fanden heraus: 12 % der Männer und 10-20 % der Frauen sind einmal im Leben schwer depressiv. 37 Millionen beschäftigungsbedingt Depressive wurden allein in Europa gezählt. Dabei ist eine Verdopplung der Behandlung mit Anti-Depressiva in den letzten Jahren festzustellen bei einem gleichzeitigen Rückgang der Zahl der Psychotherapien. Den volkswirtschaftlichen Verlust durch depressive Arbeitnehmer beziffern die Forscher allein für die USA mit 43 Milliarden Dollar.

"Nach der Spaßgesellschaft wird Hiob zum Popstar", faßt Stephan A. Jansen, Mitgründer und Wissenschaftler von n e x t: die derzeitige Stimmung zusammen. "Die Depression mit ihrem typischen Zyklus von Gier und Angst hat sich tief in alle Gesellschaftsbereiche eingeschraubt", so Jansens Motivation mit seinen Kollegen einen transdisziplinären Kongreß zu veranstalten. Prof. Birger P. Priddat, Mitgründer von "n e x t:", sieht als Volkswirt und Philosophie eine "Sinnkrise in Politik, Wirtschaft oder im Gesundheitssektor als ausschlaggebend an für diesen neuen Virus Depression".
Vom 17. Oktober an werden die fünf n e x t: Wissenschaftler mit gut 40 renommierten Experten (z.B. Prof. Norbert Bolz, Kommunikationstheoretiker in Essen und Wolfgang Nowak, Planungschef des Bundeskanzleramtes) zehn Tage lang öffentlich zu diesen Themen diskutieren und arbeiten. In einem vollkommen neuen Mix von Kongreßsaal, Lounge, Restaurant, Kino und Diskothek soll "es um die Analyse von Mustern und deren Übertragbarkeit von Anti-Depressiva gehen", so die Zielstellung von Jansen und Priddat.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der jährlichen future:fashion:show statt. Die diesjährige Veranstaltung zum Thema "de:pressionen.re:zessionen.re:visionen." beginnt am 17.10. ab 18.00 Uhr in Witten, Alter Wartesaal, Hauptbahnhof.

Anmeldung: mail@next.ag oder 02302-926-547, Informationen: www.next.ag