Den richtigen Druck im Auge behalten

05.07.2001 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Herrscht lange zu hoher Druck im Auge, führt dies oft zu Grünem Star. Ein neues System ermöglicht es, den Augeninnendruck ständig zu messen. Der implantierte Sensor überträgt die Daten auf ein Lesegerät und hilft, die Therapie zu optimieren.


Die künstliche Linse mit Sensor und Spule. ©Fraunhofer IMS
Eine spezielle Brille liefert Energie und nimmt Messwerte auf. ©Fraunhofer IMS Der grüne Star ist eine leise schleichende Krankheit: Der Patient hat zunächst weder Beschwerden noch Schmerzen. Ein zu hoher Druck im Auge vermindert jedoch die Blutversorgung der Netzhaut und schädigt den Sehnerv irreversibel. Wird die Erkrankung nicht früh genug erkannt, fällt sie schließlich durch ein eingeschränktes Gesichtsfeld auf. Dieser "Tunnelblick" verengt sich im Laufe von Jahren immer weiter - bis zur völligen Erblindung. Um die Krankheit erfolgreich zu behandeln, müssen die exakten Druckverhältnisse im Auge bekannt sein. Ein Mess-System, das den Augeninnendruck kontinuierlich erfasst und aufzeichnet, haben Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg gemeinsam mit den Unternehmen mesotec und Acritec entwickelt.

"Der Augeninnendruck sollte kontinuierlich gemessen werden, da er sich zeitlich verändert", betont Gerd vom Bögel vom IMS. "Diese Schwankungen zur Tages- und Nachtzeit werden jedoch von den bisherigen Messmethoden kaum berücksichtigt." Die IMS-Forscher entwickelten einen Mikrochip mit Drucksensor, der zusammen mit einer Sendespule in eine künstliche Linse eingesetzt wird. Diese wird während einer gängigen Operation in das Auge des Patienten implantiert. Das besondere an dem System ist, dass es ohne eigene Stromquelle arbeitet: Die nötige Energie empfängt das Implantat über seine Antenne von einem externen Lesegerät. Die Leseeinheit ist in den Rand einer Brille integriert und ein tragbares Gerät sammelt die Messwerte kontinuierlich. Bei den regelmäßigen Arztbesuchen werden die Daten an einem PC ausgelesen und ausgewertet.

Vom Bögel erläutert, wie es nach der technischen Entwicklung weitergeht: "Momentan werden die Implantate an Tieren getestet, doch eine Humanstudie an der Augenklinik der Universität Köln steht unmittelbar bevor." Wenn diese medizinischen Untersuchungen abgeschlossen sind, kann das neue Mess-System als Medizinprodukt zugelassen werden. In einem Jahr wird das Implantat dann voraus-sichtlich auf dem Markt erhältlich sein.

Ansprechpartner:
Dr. Gerd vom Bögel
Telefon: 02 03/37 83-2 28, Fax: 02 03/37 83-2 77, Gerd.vomBoegel@ims.fhg.de