Richtige didaktische Portionen sollen vor allem Frauen mehr Appetit auf Informatik machen

31.08.2001 - (idw) Universität Dortmund

Mit welchen Texten, Bildern, Film- und Tonsequenzen, mit welchen Beispielen, Fragen und Antworten am Bildschirm kann insbesondere für Frauen das Studium der Informatik erleichtert und reizvoller gestaltet werden? Das ist das Thema, wenn heute (31.08.2001) an der Universität Dortmund Informatiker und Fachdidaktiker aus mehreren Universitäten zusammenkommen. Gestartet wird das Projekt "SIMBA - Schlüsselkonzepte der Informatik in verteilten multimedialen Bausteinen unter besonderer Berücksichtigung spezifischer Lerninteressen von Frauen"

Das Projekt begann am 1. Juni 2001 und ist bis zum 31.12.2003 konzipiert. Heute werden die Vertreterinnen und Vertreter der Teilprojekte an den Universitäten Paderborn, Stuttgart, Potsdam und Dortmund beim ersten gemeinsamen Workshop an der Ruhrgebiets-Universität die Zusammenarbeit strukturieren.

Das Lernen mit Bildschirm-Hilfe ("E-Learning") wird im Rahmen eines Förderprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt, bei dem es um "Neue Medien in der Bildung" und speziell um "Neue Medien in der Hochschullehre" geht. Die Projektleitung hat die Dortmunder Professorin Dr. Sigrid Schubert übernommen. Sie ist Hochschullehrerin für "Didaktik der Informatik".
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Arbeitsteilung an vier Universitäten

Für das gesamte Projekt stehen rund 3.3 Millionen DM zur Verfügung. Die Wissenschaftler haben sich die Aufgaben aufgeteilt. An der Universität Dortmund arbeiten Prof. Dr. Peter Marwedel am Teilprojekt "Rechnerarchitektur - Visualisierung" und Prof. Dr. Sigrid Schubert am Teilprojekt "Wissensmanagement im Intranet für Lehrende und Studierende".

Die Universität Paderborn steuert die Teilprojekte: "Computerbilder" (Leitung: Prof. Dr. Gitta Domik), "Kommunikationsergonomie" (Leitung: Prof. Dr. Reinhard Keil-Slawik) sowie "Didaktik der Informatik" (Leitung: Prof. Dr. Johannes Magenheim) bei.

An der Universität Potsdam hat Prof. Dr. Andreas Schwill die "Künstlichen Sprachen als universeller Zugang zu Schlüsselkonzepten der Informatik" in den Blick genommen. Und an der Universität Stuttgart zeichnet der frühere Dortmunder Hochschullehrer Prof. Dr. Volker Claus für das Teilprojekt: "Profunde Algorithmen" verantwortlich.
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Forschung schafft Arbeitsplätze

Dem Fachbereich Informatik der Universität Dortmund steht mit dem neuen Forschungsprojekt ein zusätzliches Finanzvolumen von ca. 1.3 Millionen DM an Drittmitteln zur Verfügung. Das schafft ab sofort drei befristete Arbeitsplätze für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Promotionsmöglichkeit (Details auf der Webseite http://ddi.cs.uni-dortmund.de/stellenangebote/).

Wesentliche Ziele des Gesamtprojektes sind die Verbesserung und Weiterentwicklung der Informatikausbildung im Hinblick auf den immer noch viel zu geringen Frauenanteil. Nicht nur während eines Informatikstudiums sondern auch in der Lehrerausbildung, bei der Ausbildung von Informatik- und Medienkompetenz in anderen Fächern sowie im Fort- und Weiterbildungsbereich sollen die komplexen, technischen oder formalisierten Sachverhalte der Informatik anschaulicher und einprägsamer als bisher vermittelt werden.
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Bausteine für die Lehre

Gerade der große Ansturm auf die Informatik-Studiengänge hat dazu geführt, dass Professoren allein das Lehrangebot nicht mehr bewältigen können. Der Einsatz multimedialer Lehr- und
Lern-Programme soll Abhilfe schaffen.

Gegenwärtig ist der Zugang zur Informatik je nach Studiengang oft stark geprägt von der Systematik der Fachwissenschaft, von Bedienfertigkeiten, die für fertige Anwendungsprogramme gebraucht werden, oder aber von Übungen in der Programmierung. Die Orientierung an Grundlagenwissen einerseits und am Praxisbezug andererseits treten oft mehr oder weniger in den Hintergrund.

Das Projekt SIMBA will die Studierenden nicht mit systematischem Wissen voll stopfen, sondern mit didaktisch klug ausgewählten Lern-Bausteinen anleiten: Wissen findet sich im Netz verteilt. Es geht es also darum, die Quelle Bildschirm so zum sprudeln zu bringen, dass die Lernenden flexibel und aktuell Erkenntnisse sammeln können.
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Qualität der Lehre wird verbessert

Das besondere Interesse an einem höheren Studentinnen kommt nicht von ungefähr. Jungen, so weiß man, neigen beim Umgang mit Computern eher zu Spielen und Programmieren. Mädchen waren mehr nach den Anwendungsmöglichkeiten, nach der Sinnhaftigkeit der Computer-Hilfe. Sie besitzen oft die größeren kommunikativen Fähigkeiten.

Im Bonner Bildungsministerium hofft man, den Anteil der weiblichen Studierenden von jetzt wenig mehr als 15 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2005 anheben zu können, erklärt Prof. Dr. Sigrid Schubert. Alle beteiligten Hochschulen sehen es deshalb als notwenig an, schon die Schülerinnen stärker für Studiengänge zu motivieren, in denen Informatik eine wichtige Rolle spielt.

Das jetzt gestartete Projekt wird im Juli 2002 eine erste Zwischenbilanz vorlegen können, wenn an der Universität Dortmund mit der "SECIII" eine große internationale Konferenz zur Mediennutzung und zum E-Learning stattfindet
(http://seciii.cs.uni-dortmund.de)
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Weitere Information: Prof. Dr. Sigrid Schubert,
Universität Dortmund, Fachbereich Informatik,
Fachgruppe "Didaktik der Informatik", 44221 Dortmund
Ruf 0231-755-6112, Fax 0231-755-6116,
E-Mail: schubert@cs.uni-dortmund.de